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	<title>Sennhausers Filmblog &#187; Dokumentarfilm</title>
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		<title>Nyon 10: RED SHIRLEY &#8211; ein Abend mit Lou Reed</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 22:11:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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Er ist tats&#228;chlich gekommen, der Rockstar mit seinem Erstlingsfilm. Lou Reed ist trotz Aschewolke und Flugverboten nach Nyon gefahren, im Zug aus London, um heute Abend seinen ersten (und nach seiner Aussage auch letzten) Dokumentarfilm vorzustellen: Red Shirley, ein 28 Minuten langes Portr&#228;t seiner mittlerweile 101 Jahre alten Cousine. Es m&#252;sste nicht sein letzter sein, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/redshirleyvonloureed.jpg" alt="'Red Shirley' von Lou Reed" width="450" height="301" /></p>
<p>Er ist tats&#228;chlich gekommen, der Rockstar mit seinem Erstlingsfilm. Lou Reed ist trotz Aschewolke und Flugverboten nach Nyon gefahren, im Zug aus London, um heute Abend seinen ersten (und nach seiner Aussage auch letzten) Dokumentarfilm vorzustellen: <em>Red Shirley,</em> ein 28 Minuten langes Portr&#228;t seiner mittlerweile 101 Jahre alten Cousine. Es m&#252;sste nicht sein letzter sein, Red Shirley ist nicht nur ein ber&#252;hrendes Portrait einer alten J&#252;din, die mit 19 Jahren ganz alleine aus Polen nach Kanada emigriert ist, und von dort nach nur sechs Monaten weiter nach New York, sondern auch ein (von Ralph Gibson) ansprechend gefilmtes, sehr dicht geschnittenes und vertontes (da kommt Lou Reeds eigene Expertise ins Spiel) rundes Werk. Die in einzelnen Momentaufnahmen aus ihren Erz&#228;hlungen evozierte Sicht auf das Leben einer als oppositionelle Gewerkschafterin, also als &#8220;rote&#8221;, gegen die korrupte Union k&#228;mpfende, unerschrockene Frau, die unter anderem auch am Million Man March gegen die Segregation nach Washington dabei war, f&#252;gt sich zu einem ansprechenden kurzen Film, der keineswegs abf&#228;llt unter den &#252;brigen in Nyon gezeigten Werken.</p>
<p><span id="more-3457"></span></p>
<p>Ein wenig abgefallen ist dagegen die Solopr&#228;sentation des Stars mit seinem Film. Wahrscheinlich h&#228;tte Lou Reed einen besseren Auftritt gehabt, w&#228;re er wie alle anderen Filmemacher vor seinem Film kurz vorgestellt und danach ins Gespr&#228;ch genommen worden. Aber das war nat&#252;rlich nicht mehr m&#246;glich, nachdem sein Kommen zu den Verkaufsschlagzeilen des Festivals geworden war. Vor der Filmvorf&#252;hrung sah man einen erschreckend unsicher gehenden, gebrechlich wirkenden alten Mann auf die B&#252;hne kommen, und auch danach wirkte Lou Reed so lange fragil, bis er mit lang ausgestreckten Beinen auf der B&#252;hne im Sessel sass und in seiner charakteristisch langsamen, rhythmischen Sprechweise langsam Fahrt aufnahm. Nur selten hat man bisher Festivaldirektor Jean Perret so sichtlich bem&#252;ht und gleichzeitig unsicher erlebt: Es ist ja auch nicht einfach, einen anerkannten K&#252;nstler zu seinem brandneuen Erstlingswerk ernsthaft und doch vorsichtig zu befragen.</p>
<p>Dabei kam es zun&#228;chst von der Seite Reeds zu wenig mehr als Platit&#252;den, immerhin machte er klar, dass ihn wirklich das Interesse an der alten Frau getrieben hatte, er redete sich selber sichtlich in neue Begeisterung beim Paraphrasieren der Aussagen seiner Cousine im Film.</p>
<p>Als Zugabe las Reed dann einige seiner Texte, ungewohnt monoton, so als ob sie noch auf die Musik warten m&#252;ssten. Hier eine kleine H&#246;rprobe (mit Saalhall):</p>
<p>[Audio clip: view full post to listen]</p>
<p>Und danach, obwohl eigentlich nur schriftliche Fragestellungen &#252;ber kleine Pinkslips im Publikum geplant gewesen war, meinte er, nun da er schon &#252;ber acht Stunden im Zug gesessen h&#228;tte, w&#228;re es ja schade, schon wieder aufzuh&#246;ren, und erkl&#228;rte sich bereit, Publikumsfragen zu beantworten.</p>
<p>&#8220;Maybe this wasn&#8217;t such a good idea&#8221;, war dann allerdings seine erste Antwort, als eine Frau aus dem Publikum die reichlich absurde Frage stellte, was aus der Mandoline geworden sei, die Shirley ihrer Erz&#228;hlung nach aus Kanada nach New York mitgebracht hatte&#8230; erst als die britische Filmemacherin und Jurymitglied Molly Dineen ihn nach der Fokusf&#252;hrung beim Filmen fragte und ihn (beziehungsweise Kameramann Gibson) f&#252;r die raffiniert geschichtete Tiefensch&#228;rfe komplimentierte, taute Reed wieder auf und freute sich, den Trick mit den Freeze-Frames zu erkl&#228;ren: Einzelne Einstellungen h&#228;tten ihm dermassen gut gefallen, dass er sicher stellen wollte, dass niemand das Bild verpasse &#8211; und darum h&#228;tten sie sechs Einstellungen im Film schlicht und einfach zu Standbildern gefrieren lassen &#8211; ein Kniff, der dank HighDef tats&#228;chlich erstaunlich wirkungsvoll funktioniert.</p>
<p>Eine Stunde hatte das Publikum vor dem Theatre de Marens in Nyon geduldig gewartet, um die New Yorker Rock-Ikone zu erleben &#8211; und dann zeigte sich, dass da im Saal eben doch nicht das &#252;bliche, alerte, dokfilmaffine und neugierige Publikum des restlichen Festivals sass, sondern vor allem Fans und Neugierige, denen es nicht ganz gelang, Lou Reed als Filmemacher so ernst zu nehmen, wie er es verdient h&#228;tte. Der st&#228;rkste Augenblick ausserhalb des Films war denn bezeichnenderweise auch jener, als Reed sich &#252;ber den starken Boom (Hall) seines Mikrofons beklagte und den Menschen am Mischpult aufforderte, etwas dagegen zu unternehmen. Da sprach die anerkannte Autorit&#228;t, und f&#252;r kurze Zeit war die allgemeine Verunsicherung &#252;berwunden.</p>
<p><img src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/redshirley2.jpg" alt="Red Shirley 2" width="450" height="301" /></p>
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		<title>Nyon 10: GIALLO A MILANO &#8211; Made in Chinatown von Sergio Basso</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 17:42:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Integration macht Spass. Nicht unbedingt im realen Leben und wahrscheinlich noch viel weniger in Italien. Aber dieser Dokumentarfilm zum Leben und Denken der Chinesen in Europas gr&#246;sstem Chinatown, dem von Mailand, der ist ein Vergn&#252;gen. Ein kluges, witziges, charmantes, einnehmendes Pl&#228;doyer, ein Film, der seinen Schalk schon im Titel tr&#228;gt. Der &#8220;giallo&#8221;, das ist der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="'Giallo a milano'" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/gialloamilanopaar.jpg" width="450" height="300" /></p>
<p>Integration macht Spass. Nicht unbedingt im realen Leben und wahrscheinlich noch viel weniger in Italien. Aber dieser Dokumentarfilm zum Leben und Denken der Chinesen in Europas gr&#246;sstem Chinatown, dem von Mailand, der ist ein Vergn&#252;gen. Ein kluges, witziges, charmantes, einnehmendes Pl&#228;doyer, ein Film, der seinen Schalk schon im Titel tr&#228;gt. Der &#8220;giallo&#8221;, das ist der Krimi, der Schundroman, Pulp Fiction in Italien, abgeleitet vom gelben Umschlag einer einst extrem popul&#228;ren billigen Krimireihe eines italienischen Verlagshauses. W&#246;rtlich heisst <em>Giallo a Milano</em> nat&#252;rlich &#8220;gelb in Mailand&#8221;, aber auch Krimi in Mailand. Und wie einen Krimi hat der Sinologe und Dokumentarfilmer Sergio Basso seinen Film strukturiert. 15 Elemente brauche ein guter Thriller verk&#252;ndet der Film am Anfang, und dekliniert die dann durch, vom &#8220;jungen Verr&#228;ter&#8221; bis zur &#8220;singenden Puppe&#8221; oder der Verfolgungsjagd.</p>
<p><span id="more-3454"></span>
<p>Dabei verwendet der Filmemacher neben den &#252;blichen dokumentarischen Methoden, den Interviews und Talking Heads, vor allem rasante Montagen, sei es von begeistert turnenden M&#228;dchen, jungen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, oder einem jungen chinesischen Schauspieler, der seine Eltern herausfordert. Aber auch wunderbar animierte Sequenzen, wenn ein mehrfach in die Kriminalit&#228;t abgest&#252;rzter junger Mann von seiner Odyssee von China &#252;ber Russland nach Mailand erz&#228;hlt.</p>
<p>Im Zentrum stehen zwei chinesische Paare im Bett, bei denen sich Mann und Frau gegenseitig ihre Tr&#228;ume und &#196;ngste anvertrauen. Was auf den ersten Blick dermassen nat&#252;rlich wirkt, dass man unwillk&#252;rlich an gestellte Szenen mit Schauspielern denkt, ist in Wirklichkeit in monatelanger Arbeit mit dem Regisseur und den Paaren entstanden, als dokumentierte Realit&#228;t f&#252;r fremde Augen &#8211; ein Verfahren f&#252;r die Integration &#8220;&#252;ber den Bauch&#8221; wie es der Regisseur nennt: Die sind ja wie wir, die gleichen Tr&#228;ume, &#196;ngste, Sorgen und Hoffnungen.</p>
<p>Das funktioniert hervorragend, und viele andere Szenen im Film ebenfalls, weil sie fast alle weder ernst noch dozierend oder predigend daherkommen, sondern mit Schalk und vor allem viel Selbst-Ironie der Protagonisten.</p>
<p>Dass Mailands Chinatown eine relevante Gr&#246;sse haben muss, l&#228;sst sich unter anderem daran ablesen, dass die Website des <a href="http://www.corriere.it/spettacoli/speciali/2010/giallo-a-milano/" target="_blank">corriere della serra</a> eine chinesische Sektion aufweist und zudem das Materialdossier zu dem Filmprojekt hostet.</p>
<p>Integration und der Aufruf zu menschlicher Verbundenheit haben selten so viel Spass gemacht und so viel Wirkung gezeigt wie bei diesem Film. Und dann hat der Regisseur hier vor dem Publikum in Nyon noch den wichtigsten Hinweis von allen gegeben: Oft habe das Publikum, das sich solche Filme ansehe, gar am Morgen um elf an einem normalen Dienstag in Nyon, das Gef&#252;hl, sich pers&#246;nlich engagiert zu haben. Das sei nat&#252;rlich ein Trugschluss. Nach dem Film gelte es, nach Hause zu gehen, und sich zu &#252;berlegen, ob die eigenen Nachbarn nicht vielleicht doch Menschen seien wie wir auch.</p>
<p align="center"><img alt="Giallo a milano" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/gialloamilanogirl.jpg" width="238" height="335" /></p>
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		<title>Nyon 10: BEYOND THIS PLACE von Kaleo La Belle</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 23:21:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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Die Zeit f&#252;r die Aufarbeitung der Gurus ist definitiv gekommen. Der junge, in der Schweiz lebende Amerikaner Kaleo La Belle hat mit Beyond this Place gestern Abend eben den dritten Film zum Thema an diesem Festival geliefert &#8211; und den ber&#252;hrendsten. La Belle hat seine fr&#252;he Kindheit als Sohn eines amerikanischen Proto-Hippie-Paares auf Maui erlebt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/beyondthisplacekaleolabelle.jpg" alt="'Beyond this place' von Kaleo La Belle" width="450" height="245" /></p>
<p>Die Zeit f&#252;r die Aufarbeitung der Gurus ist definitiv gekommen. Der junge, in der Schweiz lebende Amerikaner Kaleo La Belle hat mit <em>Beyond this Place</em> gestern Abend eben den dritten Film zum Thema an diesem Festival geliefert &#8211; und den ber&#252;hrendsten. La Belle hat seine fr&#252;he Kindheit als Sohn eines amerikanischen Proto-Hippie-Paares auf Maui erlebt. Bald aber ist sein Vater zu dessen sterbender Mutter in die USA zur&#252;ckgekehrt, und schliesslich ist auch La Belles Mutter mit dem Sohn zu ihren Eltern zur&#252;ck gereist &#8211; ausgerechnet ins kalte Detroit. Siebzehn Jahre nach seiner letzten Begegnung mit dem Vater versucht der Sohn nun eine Ann&#228;herung an ihn, diesen &#8220;Hippie-General ohne Truppe&#8221;, diesen Extremindividualisten, der dem Sohn auf den Vorwurf, er h&#228;tte seine Verantwortung als Vater nicht wahrgenommen, grinsend erkl&#228;rt, jedes Kind suche sich seiner Eltern selber aus, das sei Karma. Der Vater, der seit seiner Erleuchtung nicht mehr Gordon La Belle heisst, sondern Cloud Rock, liebt vor allem drei Dinge: Sich selber, seine Drogen und das Fahrradfahren. Und da versucht der Sohn einzuh&#228;ngen, er schl&#228;gt einen ausf&#252;hrlichen Fahrradtrip zum Spirit Lake und dem Mount Saint Helen vor &#8211; und der Vater steigt darauf ein.</p>
<p><span id="more-3450"></span></p>
<p>Was folgt, ist die absolut faszinierende, ber&#252;hrende und dabei auch ausf&#252;hrlich enervierende Auseinandersetzung des jungen Filmemachers mit dem Mann, den er als Kind idolisiert hat, als Teenager verflucht, und als junger Vater schliesslich z&#246;gernd gesucht. Vierzig Jahre hat Cloud Rock in einem permanenten Drogenhigh gelebt und er ist stolz darauf. Beim Velofahren mampft er Schokolade, die er mit Psychopilzen gestreckt hat, in den Pausen raucht er sein Marihuana, zum Fr&#252;hst&#252;ck wirft er Batterien von Pillen ein, und andauernd verk&#252;ndet er wie ein Mantra sein Recht auf uneingeschr&#228;nkte Freiheit. Dass sich die beiden schliesslich doch irgendwie finden, ist nicht das Wunder dieses Films, sondern das Resultat der filmischen Arbeit des Sohnes. Denn dieser nimmt sein Publikum nicht auf einen grossen Vers&#246;hnungstrip mit, sondern auf eine exemplarische Reise in die Welt dieser Elterngeneration. Es ist die gleiche Reise, die wir hier in Nyon mit <a href="http://sennhausersfilmblog.ch/2010/04/18/nyon-10-guru-bhagwan-his-secretary-his-bodyguard/"><em>Guru &#8211; Bhagwan, his Secretary, his Bodyguard</em></a> unternommen haben, und mit David Sievekings <em><a title="filmsprung.ch" href="http://www.filmsprung.ch/wordpress/?p=6312" target="_blank">David Wants to Fly</a>.</em> Es geht um den Traum von einer neuen Welt, den in den sechziger und siebzieger Jahren viele junge Eltern getr&#228;umt haben, und um den Widerspruch zwischen Verantwortung und Freiheit, der sich f&#252;r ihre Kinder zum zentralen Problem entwickelt hat. Es geht auch um das sture Festhalten an der Utopie, selbst auf Kosten der Freiheit der Kinder, oder der Anh&#228;nger, wie es exemplarisch auch <em><a href="http://sennhausersfilmblog.ch/2010/03/18/diagonale-10-die-kinder-vom-friedrichshof/">Die Kinder vom Friedrichshof</a></em> rund um die Otto-M&#252;hl-Kommune aufzeigt.</p>
<p>La Belles <em>Beyond this Place</em> ist aber auch deswegen ein faszinierender Film, weil der Sohn neben dem menschlichen und psychologischen R&#252;stzeug f&#252;r die Auseinandersetzung mit dem Vater sein eigenes professionelles K&#246;nnen als Filmemacher ins Feld f&#252;hrt. Indem er die riskante Begegnung mit den Mitteln angeht, die er sich an der Schweizer Filmschule angeeignet hat, tritt er dem Vater nicht nur als anklagender Sohn entgegegen, sondern gleichzeitig als Profi, als K&#252;nstler, als Aus&#252;bender der eigenen Bestimmung. Und das ist offensichtlich etwas, was den Vater nicht nur beeindruckt, sondern regelrecht einnimmt. Der Film wird, unter anderem, weil er weit &#252;ber die Vater-Sohn-Begegnung hinaus noch viele andere Aspekte und Protagonisten aufbietet, zu einer Auseinandersetzung der unfreien Kinder mit ihren &#252;berfreien Eltern.</p>
<p><img title="'Beyond this Place' Papa Cloud Rock" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/beyondthisplacecloudrock.jpg" alt="'Beyond this Place' Cloud Rock" width="450" height="241" /></p>
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		<title>Nyon 10: PLUG AND PRAY von Jens Schanze</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 07:07:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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Die Sektion tendances des Festivals hat tats&#228;chlich die eine oder andere &#220;berraschung zu Zeitfragen auf Lager. Jens Schanzes Plug &#38; Pray setzt sich mit der Computertechnik, der Suche nach k&#252;nstlicher Intelligenz und der Robotik auseinander. Aber nicht so, wie die meisten der atemlosen Technikmagazine am Fernsehen, sondern haupts&#228;chlich &#252;ber zwei Antagonisten. Einerseits den Zukunftsevangelisten Raymond [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="'Plug and Pray' von Jens Schanze" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/plugandprayvonjensschanze.jpg" width="450" height="254" /></p>
<p>Die Sektion <em>tendances</em> des Festivals hat tats&#228;chlich die eine oder andere &#220;berraschung zu Zeitfragen auf Lager. Jens Schanzes <em>Plug &amp; Pray</em> setzt sich mit der Computertechnik, der Suche nach k&#252;nstlicher Intelligenz und der Robotik auseinander. Aber nicht so, wie die meisten der atemlosen Technikmagazine am Fernsehen, sondern haupts&#228;chlich &#252;ber zwei Antagonisten. Einerseits den Zukunftsevangelisten Raymond Kurzweil, der den ersten Vorlese-Synthesizer f&#252;r Blinde gebaut hat und seither unerm&#252;dlich die Zukunft beschw&#246;rt, bis hin zu Nanocomputern, welche dereinst unsere roten Blutzellen ersetzen und als Maintenance-Systeme die ewige Jugend garantieren sollen. Auf der anderen Seite der 2008 verstorbene ehemalige MIT-Computerprofessor Joseph Weizenbaum, der im Alter zum unerm&#252;dlichen Advokaten f&#252;r mehr Menschlichkeit und weniger technokratisches Zukunftsgebabbel geworden war.</p>
<p><span id="more-3447"></span>
<p>Wenn Weizenbaum im Film erz&#228;hlt, wie unter anderem die Reaktionen auf seine Entwicklung von ELIZA, jenem simplen Computerprogramm zur Simulation von Frage- und Antwortabl&#228;ufen (das den Vorl&#228;ufer der sp&#228;teren Expertensystemen darstellte) dazu f&#252;hrte, dass er begann, die verh&#228;ngnisvolle Anthropomorphisierung der Computersysteme, beziehungsweise die damit einhergehende Mechanisierung des Menschen in Frage zu stellen, dann geh&#246;rt das zu den st&#228;rksten Momenten eines sehr sch&#246;n und schl&#252;ssig gemachten Dokumentarfilms. Es kommen Roboterentwickler zu Wort und auch die immer wieder beliebten humanoiden Maschinen ins Bild. Aber das Grausen packt einen dann an einer Open-Air-Messe f&#252;r Milit&#228;rrobotik bei der Bundeswehr, wo jovial lachende uniformierte Technokraten sich mit Wissenschaftlern &#252;ber das Potential selbstlenkender Fahrzeuge und intelligenter Drohnen austauschen, und das Publikum applaudiert, wenn so ein selbstlenkender Karren ein Schlammloch bew&#228;ltigt.</p>
<p>Das alles ist erhellend und stimmt nachdenklich, aber wirklich beeindruckend ist Joe Weizenbaum, auch dann, wenn er sich mit unnachahmlicher Lakonie &#252;ber die moderne Computertechnik in seiner Wohung lustig macht, &#252;ber die unz&#228;hligen Laptops, von denen er immer wieder neue kauft, &#252;ber kabellose Funktionen, die man an den Kabelhaufen unterm Tisch erkennt und &#228;hnliche Alltagsph&#228;nomene, die wir nur allzu gut kennen.</p>
<p>Weizenbaums Behauptung, dass zwar die Philosophie schon immer disputiert habe, dass der Mensch einen freien Willen besitze, dass aber unser Verh&#228;ltnis zum PC im Alltag diesem oft ganz unwillk&#252;rlich einen solchen zuschreibe, geht unter die Haut. Denn was sonst kann es bedeuten, wenn wir unseren Rechenknecht anflehen, bitte nicht schon wieder einzufrieren oder abzust&#252;rzen?</p>
<p><img alt="plug and pray Joseph Weizenbaum" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/plugandprayjosephweizenbaum.jpg" width="450" height="254" /></p>
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		<title>Nyon 10: Die Nachfolge Perret: Luciano Barisone</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 11:52:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Filmpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Luciano Barisone ©sennhauser
An einer Pressekonferenz in Nyon hat Claude Ruey, der Pr&#228;sident des Vereins Visions du r&#233;el eben die Nachfolge f&#252;r Jean Perret als Direktor des Festivals bekanntgegeben: Luciano Barisone vom Festival dei popoli von Florenz. Barisone wird die H&#228;lfte des neuen Leitungsteams ausmachen, die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung wird erst noch gesucht. &#220;ber seine Pl&#228;ne f&#252;r das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><img src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/lucianobarisonecopysennhauser.jpg" alt="Luciano Barisone ©sennhauser" width="450" height="338" /><p class="wp-caption-text">Luciano Barisone ©sennhauser</p></div>
<p>An einer Pressekonferenz in Nyon hat Claude Ruey, der Pr&#228;sident des Vereins Visions du r&#233;el eben die Nachfolge f&#252;r Jean Perret als Direktor des Festivals bekanntgegeben: Luciano Barisone vom <a href="http://www.festivaldeipopoli.org/">Festival dei popoli</a> von Florenz. Barisone wird die H&#228;lfte des neuen Leitungsteams ausmachen, die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung wird erst noch gesucht. &#220;ber seine Pl&#228;ne f&#252;r das Festival konnte und wollte Barisone noch nicht reden, daf&#252;r wird es in einigen Monaten eine eigene Pressekonferenz geben. Und f&#252;r die ungl&#252;ckliche Terminierung der Festivalausgabe n&#228;chstes Jahr unmittelbar vor dem Festival von Cannes, n&#228;mlich vom 5. &#8211; 11. Mai 2011 kann er nichts, das Datum wurde von der aktuellen Equipe festgelegt.</p>
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		<title>Nyon 10: SOMETHING ABOUT GEORGIA von Nino Kirtadze</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 11:16:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Micheil Saakaschwili in &#39;Something about Georgia&#39; von Nino Kirtadze
Auch der politische Dokumentarfilm lebt in Nyon weiter. Allerdings ist das, was die in Paris lebende Georgierin Nino Kirtadze gestern Abend hier gezeigt hat nicht die klassische Dokumentation &#252;ber die laufende Invasion eines Staates. Radikal subjektiv und ganz aus der Sicht der Bev&#246;lkerung gefilmt, erz&#228;hlt sie von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><img src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/micheilsaakaschwiliinsomethingaboutgeorgiavonninokirtadze.jpg" alt="Micheil Saakaschwili in 'Something about Georgia' von Nino Kirtadze" width="450" height="249" /><p class="wp-caption-text">Micheil Saakaschwili in &#39;Something about Georgia&#39; von Nino Kirtadze</p></div>
<p>Auch der politische Dokumentarfilm lebt in Nyon weiter. Allerdings ist das, was die in Paris lebende Georgierin Nino Kirtadze gestern Abend hier gezeigt hat nicht die klassische Dokumentation &#252;ber die laufende Invasion eines Staates. Radikal subjektiv und ganz aus der Sicht der Bev&#246;lkerung gefilmt, erz&#228;hlt sie von jenen verh&#228;ngnisvollen Tagen im August 2008, als Russland die Invasion begann, im Zusammenhang mit den Unabh&#228;ngigkeitsbestrebungen von S&#252;d-Ossetien und Abchasien. Kirtadze beginnt den Film mit der Frage, ob Georgiens Traum von der Zugeh&#246;rigkeit zu Europa, von einer freien demokratischen Gesellschaft nicht vielleicht Georgiens Fluch darstelle?</p>
<p><span id="more-3436"></span></p>
<p>Zu dem Schluss kann man tats&#228;chlich kommen, wenn man die Bilder von den ersten Angriffen der russischen Armee sieht, die Leichen, die zerst&#246;rten H&#228;user, und dann die verzweifelten Versuche von Pr&#228;sident Saakaschwili, mit Hilfe von Nicolas Sarkozy den Westen daf&#252;r zu gewinnen, Russland unter Druck zu setzen. Was den Film aber zus&#228;tzlich aussergew&#246;hnlich macht, ist der Umstand, dass Kirtadze mit ihrer Kamera Saakaschwili unmittelbar begleitet hat, schon lange vor dem Angriff. Im Zusammenhang mit dem Walhkampf vom Mai 2008 hat sie sein Vertrauen gewonnen und ist ihm zeitenweise auf Schritt und Tritt gefolgt. So sitzt sie in den Tagen der Krise sogar bei ihm im Auto, filmt seine hektischen Telefonate mit Diplomaten und Krisenmanagern. Dass es ihr trotzdem gelingt, auch die Opposition angemessen ins Bild zu r&#252;cken, tut dem Film gut. Auf der emotionalen Ebene aber fibert man mit der georgischen Bev&#246;lkerung mit, verzweifelt &#252;ber die surreale Hilflosigkeit der europ&#228;ischen Beobachtungstruppen im Land und kommt selber zum Schluss, dass Europa und der Westen Georgien im Stich gelassen haben &#8211; weil die Abh&#228;ngigkeit vom russischen &#214;l und Gas einfach wichtiger ist. <em>Something about Georgia</em> funktioniert als Film gerade, weil er ganz klar Partei ergreift. Wenn Kirtadze dabei oft nahe an die Methoden der Propaganda ger&#228;t, dann verzeiht man ihr das, weil die Subjektivit&#228;t von Anfang an deklariert und demonstriert wird. Das f&#252;hrt dann allerdings auch dazu, dass man das Kino nicht anders als deprimiert verlassen kann. Die Feigheit angesichts einer eindeutigen Aggression ist am Ende eben unsere eigene Feigheit. So ganz &#228;hnlich dr&#252;ckt das eine alte Frau im Grenzgebiet aus, die ihr Haus und ihre Familie im fortdauernden schleichenden Annektionsprozess verloren hat.</p>
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		<title>Nyon 10: GURU &#8211; Bhagwan, His Secretary &amp; His Bodyguard</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 06:33:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
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Die Zeit ist offensichtlich reif f&#252;r die Aufarbeitung der Gurus. Bhagwan Shree Rajnees, dem in den Siebziger Jahren auch viele blumenkindersehns&#252;chtige Schweizerinnen und Schweizer anhingen, den Ashram in Poona besuchten und seine Sex-Befreiungb&#252;cher lasen, hat seine Spuren hinterlassen. Heute lebt seine einstige Sekret&#228;rin und rechte Hand, Sheila Birnstiel, die Frau, welche die amerikanische Bhagwan-Kolonie aufgebaut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/guruvonsabinegisigerundbeathaener.jpg" alt="'Guru' von Sabine Gisiger und Beat H&#228;ner" width="450" height="298" /></p>
<p>Die Zeit ist offensichtlich reif f&#252;r die Aufarbeitung der Gurus. Bhagwan Shree Rajnees, dem in den Siebziger Jahren auch viele blumenkindersehns&#252;chtige Schweizerinnen und Schweizer anhingen, den Ashram in Poona besuchten und seine Sex-Befreiungb&#252;cher lasen, hat seine Spuren hinterlassen. Heute lebt seine einstige Sekret&#228;rin und rechte Hand, Sheila Birnstiel, die Frau, welche die amerikanische Bhagwan-Kolonie aufgebaut hatte und schliesslich daf&#252;r im Gef&#228;ngnis landete, in Maisprach in der Schweiz. Und Hugh Milne, der h&#252;nenhafte Schotte, der in Poona der Bodyguard des Bhagwans gewesen war, f&#252;hrt ein Zentrum f&#252;r Craniosakral-Therapie in Big Sur in Kalifornien. Sehr offene und geschickt montierte Interviews mit den beiden f&#252;gen Sabine Gisiger und Beat H&#228;ner zusammen mit Unmengen von Archivmaterial zu einem schl&#252;ssigen Bild einer dieser Hippie-Bewegungen, bei denen sich der Traum von der alternativen Gesellschaft in einen Albtraum verwandelt hat.</p>
<p><span id="more-3434"></span></p>
<p>Was die K&#252;nstlerkolonie von Otto M&#252;hl (<em><a href="http://sennhausersfilmblog.ch/2010/03/18/diagonale-10-die-kinder-vom-friedrichshof/">Wir Kinder vom Friedrichshof</a></em>) in &#214;sterreich im kleinen war, war die Bhagwan-Bewegung globalisiert: Ein Traum, der am zunehmenden &#246;konomischen Druck und dem Kontrollzwang der Vortr&#228;umer scheiterte.</p>
<p>Sabine Gisiger und Beat H&#228;ner schaffen es, ihren Film diesem Traum folgen zu lassen. Obwohl sich Milne schon zu Beginn vor der Kamera fragt, wie das alles so falsch habe herauskommen k&#246;nnen, lassen die Filmemacher mit den Erinnerungen ihrer beiden Zeugen und dem Archivmaterial zuerst einmal nachvollziehbar die Euphorie, den Traum von der freien Gesellschaft im Ashram auferstehen. Dabei braucht es keine Kniffe und keine Verkl&#228;rung, die lachenden, gl&#252;cklichen Menschen in den Archivaufnahmen sprechen f&#252;r sich, eben so die Erinnerungen Milnes und Birnstiels, die sich selber mit leuchtenden Augen in die Euphorie der Anf&#228;nge zur&#252;ckversetzen.</p>
<p>Mit dem Zerfall, dem Missbrauch, der Manipulation, der Paranoia und der kommerzialisierung der Bhagwan-Bewegung im Zentrum in Oregon dreht dann auch der Film ins Albtraumhafte, die Verfrachtung dutzender von Obdachlosen als Stimmvieh in den Ashram und ihre sofortige Abschiebung nachdem die Stimmregister des Countys wegen Verdacht auf Missbrauch geschlossen worden waren kommentiert Birnstiel mit Bedauern und dem Hinweis darauf, die Idee sei gut gewesen, bloss h&#228;tten weder sie noch Bhagwan sich &#252;berlegt, was mit den Menschen nachher geschehen sollte.</p>
<p>Bei beiden Protagonisten ist einerseits das ehrliche Bem&#252;hen um eine akzeptable Wahrheit zu sp&#252;ren, andererseits halten beide auch an ihren Erinnerungen fest, stehen dazu, dass sie einst v&#246;llig den Traum gelebt hatten, ohne R&#252;cksicht und mit wenig Einsicht.</p>
<p><em>Guru</em> von Sabine Gisiger und Beat H&#228;ner ist ein eindr&#252;cklicher Film, weil er nach allen Regeln des Dokumentarfilms das Feld er&#246;ffnet, das Material liefert und sortiert, seine Zeugen reden l&#228;sst, sie gezielt befragt und schliesslich den Raum offen l&#228;sst f&#252;r die Schl&#252;sse des Publikums. Dass es den Filmemachern gelingt, einen f&#252;r den Traum einzunehmen, nachvollziehbar zu machen, was Millionen von Menschen fasziniert hat, ohne je etwas auszublenden von dem was von Anfang an l&#228;cherlich war, oder verd&#228;chtig, oder schlicht und einfach platt &#8211; das ist die Leistung, welche dem Film Kinoformat gibt: <em>Guru</em> ist ein abendf&#252;llendes Erlebnis.</p>
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		<title>Nyon 10: Gesammelte Jahrg&#228;nge</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 11:37:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>

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Seit 1995 sammeln sich im B&#252;ro der Visions du r&#233;el in Nyon die Videokassetten, ein paar Jahre sp&#228;ter fing es dann mit den DVD an. Jean Perret und sein Team waren am Anfang ja strenge Verfechter der 35mm Kopie, in den ersten Jahren kam in Nyon nichts anderes auf die Leinwand. Was nicht heisst, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="Videothek Nyon" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/videotheknyon.jpg" width="450" height="338" /></p>
<p>Seit 1995 sammeln sich im B&#252;ro der Visions du r&#233;el in Nyon die Videokassetten, ein paar Jahre sp&#228;ter fing es dann mit den DVD an. Jean Perret und sein Team waren am Anfang ja strenge Verfechter der 35mm Kopie, in den ersten Jahren kam in Nyon nichts anderes auf die Leinwand. Was nicht heisst, dass Video f&#252;r Visionierungszwecke nicht zugelassen war. Heute bilden die Spuren dieser Jahre eine eindr&#252;ckliche Videowand in den Festivalb&#252;ros. Auf dem Bild sind die Videos ab ca. 2001 zu sehen, links davon w&#228;re eine weitere Wand mit DVD. Die Atmosph&#228;re, welche von den Dingern ausgeht hat etwas Magisches, anders als B&#252;cher sind Filmdatentr&#228;ger aber nicht beruhigend, sondern bestenfalls euphorisierend, im schlimmeren Fall machen sie mich kribbelig. Nur schon, weil der einzige Impuls da sein kann, sich hinzusetzen und oben links mit Visionieren anzufangen&#8230;</p>
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		<title>Nyon 10: INTO ETERNITY von Michael Madsen</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 07:03:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>
		<category><![CDATA[Regisseur/in]]></category>

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Auch ernsthafte Dokumentarfilme k&#246;nnen pomp&#246;s wirken, und Kitsch ist manchmal n&#246;tig, um den heiligen Schauer zu erzeugen, der dem Kino zu eigen ist. Wenn der D&#228;ne Michael Madsen sich mit Into Eternity dem finnischen Onkalo widmet, dann weht schon in den ersten Bildern ein Hauch von Ewigkeit durch den Saal. Denn Onkalo ist ein Endlager [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="Into Eternity: Michael Madsen" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/intoeternitymichaelmadsen.jpg" width="450" height="254" /></p>
<p>Auch ernsthafte Dokumentarfilme k&#246;nnen pomp&#246;s wirken, und Kitsch ist manchmal n&#246;tig, um den heiligen Schauer zu erzeugen, der dem Kino zu eigen ist. Wenn der D&#228;ne Michael Madsen sich mit <em><a href="http://www.imdb.com/title/tt1194612/">Into Eternity</a></em> dem finnischen Onkalo widmet, dann weht schon in den ersten Bildern ein Hauch von Ewigkeit durch den Saal. Denn Onkalo ist ein Endlager f&#252;r nuklearen Abfall, ein riesiges Tunnelsystem im Permafels, das 100&#8217;000 Jahre dichthalten soll. Das ist eine Zeitspanne, die unser Geschichtsverst&#228;ndnis um ein mehrfaches &#252;berdehnt, ein Zeitraum, den niemand ernsthaft berechnen kann. Die gr&#246;sste Gefahr f&#252;r so ein Lager geht von unseren Nachfahren aus, darin sind sich die meisten Protagonisten im Film einig. Denn die d&#252;rfen nie vergessen, Onkalo zu vergessen, bzw. sie m&#252;ssen lernen, die Erinnerung daran auszul&#246;schen, und das f&#252;r alle kommenden Generationen. Ein logischer Treppenwitz wie so vieles, was mit der Endlager-Thematik zu tun hat.</p>
<p><span id="more-3430"></span>
<p>Madsen arbeitet mit Musik und aufgeladenen Bildern, mit Genremomenten und mit Talking Heads. Zu Beginn des Films tut sich das Tiefenportal zur Grossbaustelle unter Tag auf, die Kamera begibt sich auf den H&#246;llentrip, l&#228;sst sich von der Erde verschlucken. In der Dunkelheit taucht Madsen auf, der sich selber mit einem Streichholz illuminiert und direkt unsere Nachfahren in der zukunft anspricht, sie fragt, warum sie in den Ort eingedrungen sind, allen Warnungen zum Trotz. Der Film ist informativ und manipulativ auf einer sehr emotionalen Ebene. Der Hauch von Ewigkeit, die Ahnung von Hybris erzeugt Madsen mit allen Mitteln grandioser Inszenierung, mit opernhaftem Get&#246;se, wallenden Staubw&#228;nden, hartem Chiaroscuro und dann pl&#246;tzlich wieder mit ganz einfachen, magischen Bildern. Wenn er etwa thematisiert, dass dieser strahlende Abfall nicht einfach weg geht, und dabei eine Elchkuh im verschneiten Wald zeigt, die sich hinter einen Baum stellt und pl&#246;tzlich nicht mehr zu sehen ist, weil sie im Schlagschatten des Stammes verschwindet. Oder wenn Madsen sp&#228;ter die gleiche Elchkuh zeigt, die seelenruhig und unbewegt ihren Mist in den Schnee fallen l&#228;sst und dann ganz langsam davon stakst &#8211; das sind die st&#228;rksten Momente des Films, auch wenn die grossartigen Bilder sonst viel aufw&#228;ndiger inszeniert und ausgeleuchtet sind. Dass Peer Gynt und die Berghalle nicht weit sind, selbst dann nicht, wenn Kraftwerk singen, ist nat&#252;rlich dem Film nicht anzukreiden. Dass Madsen es mit diesem sehr wirkungsvollen Werk in die <a href="http://cineuropa.org/newsdetail.aspx?lang=en&amp;documentID=141801">Doc Alliance Selection 2010</a> geschafft hat, ist auch nicht &#252;berraschend. Und schliesslich nehme ich mich selber bei der Nase: Warum dieses leise Unbehagen, wenn ein Dokumentarfilm auf Wirkung setzt, auf optische und akkustische &#220;berw&#228;ltigung? Schliesslich ist er argumentativ und methodisch sauber, was also st&#246;rt mich am Pomp?</p>
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		<title>Nyon 10: VIDEOCRACY</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 19:53:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Sennhauser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmfestival]]></category>

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Toller Titel, sch&#246;nes Versprechen: Videocracy des Italieners Erik Gandini verkauft sich als gnadenlose Autopsie der Macht, welche Silvio Berlusconi &#252;ber Italien dank seines Medienimperiums aus&#252;be. Tats&#228;chlich aber kocht Gandini hier &#8220;eine d&#252;nne Suppe&#8221; (Dokfilmkollege K.W. aus A.), die zudem noch zu guten Teilen aus genau jenen Bildern besteht, die er denunzieren m&#246;chte. Weibliche Rundungen, Blondinen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="Videocracy Berlusconi" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/videocracyberlusconi.jpg" width="450" height="220" /></p>
<p>Toller Titel, sch&#246;nes Versprechen: <em>Videocracy</em> des Italieners Erik Gandini verkauft sich als gnadenlose Autopsie der Macht, welche Silvio Berlusconi &#252;ber Italien dank seines Medienimperiums aus&#252;be. Tats&#228;chlich aber kocht Gandini hier &#8220;eine d&#252;nne Suppe&#8221; (Dokfilmkollege K.W. aus A.), die zudem noch zu guten Teilen aus genau jenen Bildern besteht, die er denunzieren m&#246;chte. Weibliche Rundungen, Blondinen, Veline eben &#8230; Dass Berlusconis Macht auf &#196;rsche und Titten gebaut sei, ist weder neu noch v&#246;llig zutreffend. Und wenn Gandini dann noch zwei weitere Gestalten ins Spiel bringt, den m&#228;chtigsten TV-Agenten und Berlusconi-Freund und den Signor Corona, seines Zeichens Herr &#252;ber ein Paparazzi-Imperium, das seine Fotos von den Reichen und M&#228;chtigen gegen Entgelt <em>nicht</em> an die Klatschbl&#228;tter Berlusconis verkauft, dann macht dies den Film auch nicht &#252;berzeugender.</p>
<p><span id="more-3427"></span>
<p>Als Nicht-Italiener k&#246;nnte man zwar bald schon kotzen ob den Dauergrinsern der Macht und noch mehr ob den vielen willigen M&#228;nnern und Frauen, die sich den TV-Kameras als Pausenfleisch andienen, aber der Film formuliert keine fassbare These, bringt kaum Fakten und lebt letztlich von der unheiligen Allianz, welche die gr&#246;sstenteils geborgten Bilder mit einem &#252;bertrieben dramatisierenden Thriller-Score eingehen. Geredet wird gr&#246;sstenteils Italienisch, der Off-Kommentar des Regisseurs radebrecht allerdings Englisch. Das ganze Machwerk ist eine schwedisch-d&#228;nische Koproduktion unter dem Zeichen von Zentropa. Klar doch, wer spottet nicht gern &#252;ber dieses Italien und seine Italienerinnen und Italiener? Immerhin ist der Film hier in Nyon in der Sektion &#8220;tendances&#8221; korrekt untergebracht. Und einen Moment der Wahrheit hat Gandini tats&#228;chlich, den verfeuert er aber schon in den ersten Minuten, wenn er erkl&#228;rt, nur wer in diesem Italien aufgewachsen sei, so wie er, k&#246;nne das &#252;berhaupt verstehen. Vielleicht erkl&#228;rt dieser Satz auch die verbl&#252;ffende &#196;hnlichkeit des Regisseurs mit dem von ihm so gnadenlos denunzierten Herrn Corona. Mit seiner filmischen Methode erweist er sich auf jeden Fall als echter Sch&#252;ler von Mediaset:</p>
<p><img alt="videocracy erik gandini" src="http://sennhausersfilmblog.ch/wp/wp-content/uploads/2010/04/videocracy_erik_gandini.jpg" width="450" height="599" /></p>
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