Filmfestival Locarno – Tag 00

„Noch keine 60 Jahre Erfahrung, aber jung, hoch motiviert und gefährlich“ – Hübsch, dieses Inserat im offiziellen Katalog zum 60. Jubiläum des Filmfestivals von Locarno. Morgen geht es los, ich bin schon mal hier für erste Vorbereitungen (und um ein paar Stunden Ruhe vor dem Sturm zu finden). Aber eine Frage, die ich mir noch gar nie gestellt hatte, hat Kollege Peter Burri heute beantwortet: Warum hat das Filmfestival von Locarno sich eigentlich den Leoparden zum Wappentier gewählt? Wohl nicht bloss, um den Löwen von Venedig Konkurrenz zu machen. Wer es wissen möchte, findet die Antwort hier, im Schwesterblog Hundert Sekunden Wissen.

Michelangelo Antonioni (1912-2007)

Michelangelo AntonioniUnglaublich: Jetzt ist einen Tag nach am gleichen Tag (30. Juli 2007) wie Ingmar Bergman ein weiterer Grosser des europäischen Kinos gestorben. Der Regisseur von Filmen wie "Blow Up", "Zabriskie Point" oder "Professione Reporter" mit dem vielleicht schönsten Namen der Filmgeschichte überhaupt: Michelangelo Antonioni. Für uns von der DRS-Filmredaktion ist das ein wenig schockierend: Wir hatten genau zwei fixfertige Abschiedssendungen im Schrank, beide von Pierre Lachat und beide seit über vier Jahren (Journalismus ist eben auch ein Handwerk, das ist eine eigene Form der Pietät). Und jetzt kommen beide innerhalb von zwei Tagen über den Sender. Es sind notabene wohl die letzten Reflexe-Sendungen, die noch auf Band geschnitten wurden und auch so in meinem Schrank gelagert waren … die Antonioni-Sendung von Pierre Lachat wird, wenn alles klappt, also morgen Mittwoch, 1. August in Reflexe ausgestrahlt werden.

Filmposter – polnische Schule

Viel wurde schon geschrieben über die klassische polnische Filmplakattradition. Aber ob nun der Kommunismus und seine Zensur schuld waren daran, dass für Polen immer eigene, in der Regel grafische Plakate entworfen wurden, oder andere Gründe: Tatsache ist, das es kaum visuell eindrücklichere Umsetzungen gibt für viele Filme der Kinogeschichte. Hier sind zwei Webseiten. Die eine mit einer eindrücklichen, eher zufälligen Sammlung, die andere ein systematischer Versuch mit Hintergrundinformationen. (via Boing Boing)

Ingmar Bergman ist gestorben

Schach dem Tod! -'Das Siebte Siegel' von 1953
Schach dem Tod! -‚Das Siebte Siegel‘ von 1953

Heute morgen erreichte uns die Nachricht vom Tod des grossen Schweden. Mit 89 Jahren ist Ingmar Bergman auf Färö gestorben. Wir haben natürlich sofort mit vereinten Kräften Beiträge gebaut, für Nachrichten, Rendezvous, DRS2aktuell, Echo der Zeit … und für die Reflexe-Sendung von morgen (31. Juli). Diese Sendung von Pierre Lachat und wohl einen oder zwei der Kurzbeiträge bringen wir im Filmpodcast vom nächsten Freitag. Hier eine kurze Hörprobe, in der der Meister selber erklärt, was ihm wichtig war an seiner Filmarbeit:

Project Cloverfield – Monsterfilm 2008?

libertycracked

Virales Marketing hat für Hollywood schon manchen Hit vergrössert. Denken wir nur an die Absurdität „Snakes on a Plane“: Der Film war in aller Munde, bevor eine einzige Einstellung gedreht war. Einfach, weil der Titel dermassen blöd war, dass sich die Blogosphäre darüber so lange mokierte, bis er auch den letzten Nerd erreicht hatte. Und jetzt probiert JJ Abrams, der Kopf hinter der TV-Serie „Lost“ ein ähnliches Schtick: Seit ein paar Tagen gibt es diesen Trailer für einen Katastrophen-/Monsterfilm ohne Titel, ohne Stars, aber mit einem cleveren Catch. In zwei drei Tagen wird das Web voll sein mit Hinweisen darauf, ich habe den ersten beim Guardian (englisch) gefunden:… original post

CH-Dokfilmer sauer auf Bundesfilmchef Bideau

Cine-BulletinIn der aktuellen Ausgabe 8/2007 der Branchengazette "Cine-Bulletin" veröffentlicht der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz einen von 128 Filmern unterzeichneten Aufruf an den Bund, den renommierten Schweizer Dokumentarfilm nicht weiter zu vernachlässigen:

Werden die Dokumentarfilmerinnen und -filmer vom Bund vernachlässigt?
Wird der Bund seiner Aufgabe noch gerecht, wenn er von den insgesamt 16 Millionen Franken für die Filmförderung dem Dokumentarfilm nur gerade 3 Millionen Franken zukommen lässt? Anlässlich seines Amtsantritts im Herbst 2005 hatten 70 Dokumentarfilmerinnen und -filmer in einem Brief an den neuen Chef der Sektion Film, Nicolas Bideau, ihre Beunruhigung darüber zum Ausdruck gebracht, …

was er für diesen Bereich des Filmschaffens plante. Tatsächlich verfügte der Dokumentarfilm in der Zeit vor Bideau über einen Anteil von mehr als 30 Prozent der eidgenössischen Filmförderungsmittel. Im Jahr 2006 ist dieser Anteil jedoch auf 19 Prozent gesunken. Nicolas Bideau hat damit seine 2005 gemachte Zusage gebrochen, der Dokumentarfilm werde einen Anteil von einem Viertel der verfügbaren Mittel behalten.
Der Dokumentarfilm ist eine eigenständige anerkannte Gattung, die für die Gesamtheit ihrer Branche Stabilität und Konstanz gewährleistet. Es ist absurd, den Schweizer Dokumentarfilm im eigenen Land auf solche Weise zu schwächen, während er im Ausland an internationalen Festivals und bei Fernsehanstalten in vielen Ländern Jahr für Jahr Erfolge erzielt und sogar die Meisterleistung vollbringt, sich den Weg in die Schweizer Kinos zu bahnen, ein weltweit fast einzigartiger Glücksfall.
Die unterzeichnenden Filmschaffenden ersuchen die Eidgenössische Filmkommission, eine Vertretung der Dokumentarfilmschaffenden zu den Gründen anzuhören, weshalb der Dokumentarfilm Kino und TV darauf angewiesen ist, künftig mit mindestens einem Viertel der verfügbaren Mittel des Bundes rechnen zu können.
Der Aufruf der Schweizer Dokumentarfilmer 2007 wurde von 128 Autoren unterzeichnet.

Am 4. August treffen sich die Filmer am Filmfestival von Locarno zu einer Lagebesprechung. Am 3. August gibt die Sektion Film vom BAK eine Pressekonferenz in Locarno, wo unter anderem auch bekannt gegeben wird, welche Filmfestivals weiter auf Bundesunterstützung zählen dürfen, und welche nicht. Und Nicolas Bideau wird wohl noch auf weitere Unzufriedenheiten in der Branche eingehen müssen. 

Filmpodcast 35 Woche 30 online

Herzlich Willkommen zum DRS-Filmpodcast für die Woche 30. Ich stelle heute Quentin Tarantinos «Grindhouse»-Hälfte «Death Proof» vor, sowie den Simpsons-Kinofilm. Peter Burri blickt zurück auf die Karriere des am Sonntag verstorbenen deutschen Schauspielers Ulrich Mühe (der Stasi-Beamte in "Das Leben der Anderen") und schliesslich folgt ein längeres Gespräch mit dem Badener Kinopatron Peter Sterk über das Kino als Familienbetrieb und 105 Jahre Kinofamilie Sterk. Dazu wie immer die Kurztipps und Retro-Raten via Soundclips.

Trailers from Hell

Das Beste, wenn nicht gar das einzig Gute, am zerstückelten "Grindhouse"-Experiment von Quentin Tarantino und Roberto Rodriguez sind die falschen Trailer für Schlockfilme, die gar nie gemacht wurden. Offensichtlich hat die Idee andere Regisseure inspiriert. Auf der Website "Trailers from Hell" kommentieren bekannte Regisseure wie Joe Dante oder Mick Garris klassische B-Movie-Trailer. Das ist ziemlich vergnüglich, weil die Herren wissen, wovon sie reden, und weil die Trailer durch die Kommentare eigentlich nur gewinnen.

Multiplex-Kinos sind schlecht für die Vielfalt

Das Bundesamt für Statistik hat heute eine neue online-Publikation bekannt gemacht: Die schon längere Zeit angekündigte Studie zur Multiplex-Landschaft in der Schweizer Kinoszene bringt beim ersten Überfliegen wenig überraschende Resultate. Und das deutlichste von allen ist diesen Sommer ohnehin nicht mehr von der Hand zu weisen: Multiplexe tragen zur Verarmung des Angebots bei. Was derzeit in Städten wie Basel und Zürich offensichtlich ist, dass nämlich die gleichen drei Filme in allen möglichen Kinos gleichzeitig gezeigt werden, ist nicht nur eine Folge des Sommers, sondern eine Folge der nicht ausgelasteten Kinokapazitäten.

Die Studie sagt zum Thema Angebotsvielfalt ganz klar:

Der letzte Analysepunkt zur Vielfalt des Filmangebots ist die Verteilung der Vorstellungen nach Herkunftsland des Films. Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen den verschiedenen Kinoinfrastrukturen: 68% der Vorführungen in den Multiplexkinos betreffen amerikanische Filme, während es in den Kinokomplexen 57,7% und in den Einsaalkinos 53,4% sind. Der Anteil Schweizer Filme ist in den Multiplexkinos mit 3,2% aller Vorführungen besonders gering. In den anderen Kinotypen ist dieser Anteil mehr als doppelt so gross.

Das ist keine Überraschung, auch wenn die Betreiber und Planer der Multiplexe immer das Gegenteil behauptet haben, dass nämlich die zusätzlichen Säle auch zu einem breiteren Filmangebot führen würden.