Blog Pick: Filmfinanzierung im Tellenland

Die Zürcher Blog-Kollegen haben am Samstag spitz getippt: Im Kulturblog findet sich ein bissiger Hinweis auf ein Filmfinanzierungsmodell, das in Deutschland schon gang und gäbe ist. Der Staat steckt seine Fördergelder à fonds perdu in Filmprojekte, private Geldgeber beteiligen sich mit prioritären Gewinnaussichten. Das mag einigermassen sinnvoll sein, in Ländern mit einer ernstzunehmenden Filmindustrie, wie England oder Irland. Dort kurbeln "Tax-Schemes" zumindest die Wirtschaft an, und im besten Fall gewinnt der Staat über die Mehrwertsteuer bzw. VAT einen Teil des Geldes zurück. Aber in einem Land wie der Schweiz kann Filmförderung nie wirklich Wirtschaftsförderung sein, auch wenn die Branche das Argument gerne immer wieder anführt. Kultur rentiert nicht, punktum.

Und drüben im Blog des SF-Film- und Serienchefs Michel Bodmer blubbert der leise Spott, wenn Michel Impossible sich darüber amüsiert, dass das Bundesamt für Kultur Bettina Oberlis einheimische Hit-Komödie Die Herbstzeitlosen als Schweizer Kandidat für den Fremdsprachen-Oscar portiert. Einen TV-Film, den die Bundesfilmförderung seinerzeit nicht einmal mitfinanzieren wollte. Tatsächlich stellt sich die Frage, warum Bideau nicht seine aktuelle Lokomotive "Tell" nach L.A. schicken mag. Oder vielleicht doch nicht? Warten wir doch noch die Wochenend-Zahlen ab … 

Filmpodcast 44: The Brave One, Tell, Chrigu, Atonement

Herzlich Willkommen zum 44. Filmpodcast mit Michael Sennhauser. Die Filme heute sind: The Brave One, der neue Thriller von Neil Jordan mit Jodi Foster als Selbstjustiz-Killerin. Tell die unglaublich unlustige neue Schweizer Komödie von Mike Eschmann. Chrigu, das Leben und Sterben eines jungen Mannes, gefilmt im Team mit seinem Jugendfreund. Und schliesslich Atonement, die Verfilmung des Romans von Ian Mc Ewan mit Keira Knightley und Vanessa Redgrave. Dazu Kurztipps und Filmspiel wie immer.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200709280800.mp3]

Lässt sich der Schweizer Film "sanieren" wie die UBS oder Novartis?

Peter Liechti (c) Peter LiechtiAuf der noch immer im Aufbau begriffenen, aber schon jetzt spannenden und bissigen Textsammlungsseite Cinelemmata von Mathias Knauer findet sich neuerdings ein spannender kleiner Essay von Dokumentarfilmer Peter Liechti. Liechti, der Tüftler mit eigenen Massstäben, wehrt sich mit leiser Verzweiflung gegen die Publikums-Optimierungsforderungen, die sich in der gegenwärtigen Filmpolitik immer stärker ausbreiten. Und Angesichts einer flachbrüstigen Hirnrissigkeit wie dem aktuellen Tell-Film von Mike Eschmann geht einem beim folgenden Satz von Liechti erst recht das Herz auf:

Filmemachen bedeutet mir persönlich etwas ganz anderes, als möglichst Vielen gefallen zu wollen. Und ich stehe zu dieser "Arroganz", weil ich überzeugt bin, dass nur das Eigene etwas beitragen kann zu dem, was auch die Anderen – das Publikum im weitesten Sinne, sogar im Ausland – nachhaltig interessieren könnte. "Moi – radicalement subjectif" lautet der Titel eines Seminars, das im kommenden Semester an der HES-SO in Lausanne stattfinden wird. Merci!

Gäbe es doch mehr wie ihn, mit Witz und Wut! 

Filmpodcast 43: Dutti der Riese, Oh Mein Papa, Markus Raetz, Die Tunisreise.

Der 43. DRS-Filmpodcast mit Michael Sennhauser steht ganz unter dem Zeichen des Schweizer Dokumentarfilms. Nachdem er letzte Woche die Hintergründe unter die Lupe genommen hat, bespricht Pierre Lachat heute die die Filme Dutti – Der Riese und Oh, mein Papa. Franziska Baetcke stellt Ivan Schumachers Dokfilm über den Künstler Markus Raetz vor, und von Michael Sennhauser gibt es ein langes Gespräch mit Bruno Moll zu seinem Paul-Klee-Film Die Tunisreise. Dazu wie immer Kurztipps und Filmsoundspiel.

Filmpodcast 42: The Bubble, Daratt, Oh Mein Papa, Dutti der Riese.

Herzlich Willkommen zum 42. Filmpodcast mit Michael Sennhauser. Heute stellen wir ihnen den neuen Film von Eytan Fox aus Israel vor, The Bubble, und einen der mittlerweile sehr seltenen Filme, aus Afrika, Daratt von Mahamat-Saleh Haroun. Danach untersucht Pierre Lachat die beiden neuen Schweizer Dokumentarfilme Oh mein Papa und Dutti der Riese auf Übereinstimmungen im zeitgeschichtlichen Bild das sie vermitteln. Dazu wie immer Kurztipps und Filmspiel.

[audio http://pod.drs.ch/mp3/film/film_200709140800.mp3]

Hollywood auf dem Rütli?

„Wie sich die amerikanischen Verleiher in der Schweiz vom einheimischen Filmkuchen ihr Stück abschneiden – als Nächstes mit dem «Tell»“, darüber berichtet Kollege Martin Walder in einem ausführlichen und lesenswerten Artikel in der letzten Ausgabe der NZZ am Sonntag. Dass US-Verleiher wie Buena Vista mit Filmen wie Sternenberg den Versuch gewagt haben, Schweizer Filmkost durch ihre Profi-PR-Maschine zu lassen, hat sich spätestensmit Die Herbstzeitlosen ausbezahlt. Und nicht nur wegen dem Publikumserfolg, sondern auch wegen der Bundessubventionen von succès cinéma, welche genau dafür eingerichtet worden sind: Erfolg soll belohnt werden und neuen Erfolg generieren. Dass die Subventionsmaschine auf dieser Ebene funktioniert, ist recht erfreulich. Seit ich allerdings den „Tell“ gesehen habe, den neuen Film von „Charlie“-Macher Mike Eschmann, habe ich zwei Ängste in der Brust: a) dass der Film nicht so unglaublich floppen wird, wie er es bei mir in seiner unglaublichen Unlustigkeit getan hat, oder b) dass er gar zum Riesenerfolg wird und damit der UIP-Verleih auch auf dem „succès cinéma“ Karussell gefangen bleibt und und weitere solche Machwerke ins Haus stehen. So oder so: Der Artikel von Martin Walder ist unbedingt lesenswert. Und zu „Tell“ gibt er wohlweislich kein Urteil ab.

Die Fantoche-Familie wächst im Web

Wir sind wieder in Betrieb!

Für einmal in eigener Sache – aber für einen guten Zweck: Ich bin im Vorstand des Animationsfilmfestivals Fantoche in Baden (darum berichte ich auch nicht von dort am Sender) und das hat heute Abend angefangen. Ebenfalls heute Abend haben wir auf der Website von Fantoche das Fördervereins-Modul aufgeschaltet. Das ist eine richtige animierte Familie. Jedes Fördervereinsmitglied bekommt seinen eigenen Fantoche (Farbe wählbar), und steht in Beziehung zu Anwerberin und Angeworbenen. Sozusagen social engineering in Flash – eine animierte Fanbasis mit Spielnutzen: Per Mausklick lässt sich feststellen, wer von wem angeworben wurde, wer wen angeworben hat, und wer den grössten Fantoche-Clan auf die Beine stellt. Ausprobieren und weitersagen. Und bei Gefallen und Einleuchten selber per Mausklick anmelden und den eigenen Fantoche ins Gewusel stellen.

Porno für Pflanzen

Für Menschen gebe es schon viel zu viel Unterhaltungs- möglichkeiten, sagt Konzeptkünstler Jonathon Keats: „Aber Organismen mit Populationen, die um etliches grösser sind als unsere eigene, werden von MGM und Disney routinemässig ignoriert.“ Dem will Keats abhelfen, mit einer Filmproduktion für Pflanzen. Erste Versuche stellt er ab 10. September in der 1078 Gallery in Chico, Kalifornien, aus. Ein erstes Beispiel für erotisches Pflanzenkino gibts hier auf YouTube. Warum aber ausgerechnet Porno? Jonathon Keats hat erste Erfahrungen mit Kunst für andere Spezies letztes Jahr gesammelt, mit einem Ballett für Honigbienen. „Tanz ist etwas Natürliches für Bienen“, erklärt er in einer Pressemitteilung, die es hier im Original zu lesen gibt, „für Bäume ist das etwas weniger natürlich“. Darum sei ihm die Idee mit dem Kino für Pflanzen gekommen. Die Filme werden direkt auf die Blätter projiziert. Und da es sehr schwer sei, herauszufinden, was Pflanzen gerne sehen möchten, ist Keats davon ausgegangen, dass auch bei ihnen die Fortpflanzung zu den zentralen Themen gehört.

Filmpodcast 41: Chicken Mexicaine, Delirious, Hairspray, Woody Allens Pure Anarchie.

Herzlich Willkommen zum 41. Filmpodcast mit Michael Sennhauser. Heute stellen wir Ihnen den Schweizer Gefängnisfilm «Chicken Mexicaine» vor, Tom di Cillos Paparazzi-Groteske «Delirious», die Musical-Fassung von John Waters «Hairspray» und ein neues Buch mit Kurzgeschichten von Woody Allen. Dazu, wie immer, Kurztipps und Filmhörspiel. Eine geballte Ladung Kino im Ohr – gut investierte 20 Minuten, hoffentlich!