Home Sennhausers Filmblog Home Sennhausers Filmblog
  • RSS abonnieren


  • Newsletter Radiomailing:

    Wenn Kontext auf SRF 2 Kultur ein Filmthema behandelt, erhalten Sie am Vorabend eine Email (max. 4 pro Monat):

  • Mailformular

  • Schlagwörter

  • « | Home | »

    Cannes: Der neue Woody Allen

    Von Michael Sennhauser | 17. Mai 2008 - 01:11

    Woody Allen bei den Dreharbeiten zu "Vicky Cristina Barcelona"

    Woody Allen bei den Dreharbeiten zu 'Vicky Cristina Barcelona'

    Seit Woody Allen seine Filme in Europa leichter finanzieren kann als in den USA, hat er sich räumlich verjüngt. Und seit er kaum mehr selber mitspielt, reden immer mehr seiner Figuren genau wie er zuvor. Noch nie ist mir das deutlicher aufgefallen als in Vicky Cristina Barcelona, einer transatlantischen Tragikomödie mit Scarlett Johansson, Penelope Cruz, Javier Bardem und Rebecca Hall, in der alle vier Hauptfiguren je mindestens einen Woody-Moment haben. Am irrsten wirkt das in einer Szene, in der Scarlett Johansson als leicht verwirrte Cristina aufgeregt vor sich hin plappern muss. Da fehlen nur noch das leichte Überschnappen der Stimme und die dunkle Hornbrille. Ansonsten ist «Vicky Cristina Barcelona» ein echtes Vergnügen, die Geschichte um zwei gegensätzliche junge Amerikanerinnen, die einen Sommer in Barcelona verbringen und dem gleichen, von Javier Bardem gespielten Latin Lover verfallen, ist ein typisches Allen-Manöver, in dem die Variationen durchgespielt werden. Johansson spielt den experimentierfreudigen blonden Freigeist, Hall ist die verlobte Spiesserin und beiden geraten ihre Konzepte dank Javier Bardem gründlich durcheinander. Es gibt wunderbare Momente ganz unterschiedlicher Komik. Nur schon die erste Einstellung, in der die Kamera Javier Bardem an eine Säule gelehnt zeigt, löst ein Echo aus: Der stoische Killer der Coen-Brüder ist jetzt plötzlich ein faunischer Picasso. Woody Allen macht einen Film pro Jahr, gehauen wie gestochen, und die Routine des talentierten Profis merkt man auch «Vicky Cristina Barcelona» deutlich an. Etliche Situationsgags sind reziklierte Elemente früherer Filme, dafür arbeitet er neuerdings auch mit Einstellungs- und Bildwitz, etwas, das ihm früher sehr selten gelungen ist. Wenn die zwei jungen Frauen über eine ménage-à-trois reden und die Kamera den spiessigen jungen Ehemann quasi von ihnen gerahmt, aber auf der anderen Seite des Tisches zeigt, dann löst dieser «Sight-Gag» Gelächter aus im Kino. Der Film ist ein echter, gelungener, routinierter Woody Allen, Javier Bardem ist so komisch wie charismatisch und Penelope Cruz ist einmal mehr sensationell als explosive Latina mit Haaren auf den Zähnen.

    Topics: Film, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Cannes: Der neue Woody Allen

    Keine Kommentare

    No comments yet.

    RSS feed for comments on this post.

    Sorry, the comment form is closed at this time.

    Simple Share Buttons