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    Weg mit den Filmträgern? Vom Glück des Verzichts.

    Von Michael Sennhauser | 26. Februar 2009 - 11:29

    Media Monster

    Mein Blogeintrag zu Whitnail and I letzte Woche hat unter anderem dazu geführt, dass mir Primo Mazzoni seine Criterion-DVD des Films geschickt hat, zum Behalten. Und auf meine Frage, warum er eigentlich angefangen habe, seine beträchtliche Filmsammlung zu verschenken, kam diese Antwort:

    Lieber Mick
    Das wäre ja auch mal ein Thema zur Diskussion unter geneigten Filmafficionados. Warum ich grosszügig DVDs weggebe?

    In einer fernen Welt und Zeit entdeckte ich meine Liebe zum Film. Als dann der Videorecorder ins elterliche Haus kam, waren die Regale bald voll – mit VHS. Das war mir später nicht gut genug, und ich war einer der Wenigen, die Laserdiscs anschafften – damals schon Criterion (und die habe ich alle noch hier).

    Wieder später fiel all das der DVD zum Opfer. Bis vor kurzem haben sich schon wieder die Wände damit gefüllt. Und in Wahrheit gucke ich einen Film einmal an (wenn überhaupt, es hat sogar noch verschweisste Exemplare). Bis zum nächsten Guckenwollen gibts bestimmt wieder eine bessere Version.

    Deshalb dachte ich mir nun: Schluss damit. Jetzt kommt die Blaustrahl-Scheibe (mit der ich mir, hoffentlich, keine Bücherwände füllen werde). Ich habe mich entschieden: „meine Sammlung“ steht in der Videothek meiner Wahl (lesvideos.ch) und dem legalen Miet-Download gehört die Zukunft. Jedenfalls für mich. Einmal ansehen, dafür bezahlen und weg. Klappt auf iTunes wunderbar. Beim nächsten Drang (oder Zwang) den Film zu sehen, wieder bezahlen, sehen und weg. SUPER. (by the way: Criterion bietet das als Online-Cinematheque nun auch an: criterion.com unter the auteurs – Filme in der Selection Festival sind sogar gratis und in DVD-Qualität gestreamt.)

    Natürlich weiss ich, dass all dies steht und fällt mit der Erhältlichkeit. Aber ich bin einigermassen optimistisch. Was alles auf DVD je rauskam, davon hätten wir zu VHS- und Laserdisczeiten nicht zu träumen gewagt. Der im positiven Sinne übelste Trash in Hochglanz-Remaster-Restaured-Version. Was es immer noch nicht gibt, wird weiterhin ein Problem bleiben – meistens aus rechtlichen Gründen. Das wird sich nie ändern.

    Lange Antwort auf kurze Frage. Merci fürs bis hierher lesen.
    Herzliche Grüsse,
    Primo

    Ich kann Primos Haltung gut nachvollziehen. Auch ich bin überzeugt, dass wir in zwei bis drei Jahren kaum mehr Datenträger brauchen werden. Obwohl viele Leute zur Zeit noch Musik in ihre eigene physische Sammlung integrieren, wenn auch bereits mehrheitlich über Download: Die online-Videothek ist schon da. Netflix in den USA streamt bereits einen guten Teil des Angebotes, auch wenn noch immer der grösste Teil über Miet-DVD-Versand unter die Leute kommt. Und auch in der Schweiz etablieren sich neben den grossen Anbietern wie Cablecom, Bluewin TV oder Teleclub die Newcomer. So hat Paul Grau von Star TV gestern bekannt gegeben, dass auch seine Firma ins on-demand-Geschäft einsteigen will. Apple bastelt mit iTunes daran, seine Marktdominanz bei der Musik auch im Filmbereich zu etablieren. Gleichzeitig tun sich überall Nischen auf. Matthias Bürcher hat für die Schweizer Filmakademie ein Video-Streaming-System mit Verschlüsselung entwickelt, das es erlaubt, das Quicktime-Format im Browser und damit auf verschiedenen Plattformen zu nutzen. Ende letzten Jahres konnten die Mitglieder der Akademie so die zur Nominierung für den Filmpreis vorgesehenen Filme bequem zu Hause ansehen. Und an den Solothurner Filmtagen wurde das System zur kompletten Visionierungsstation. Bürcher ist im Gespräch mit Schweizer Produzenten und Verleihern und geht davon aus, seinen Web-DVD-Shop über kurz oder lang mit einem grossen Angebot an gestreamten Schweizer Filmen ergänzen zu können.

    Ein weiterer Grund für den kommenden Triumph des Streamings ist die Verschlüsselungstechnik. Wenn nämlich die persönliche Videosammlung via DRM dermassen vernagelt ist, wie zur Zeit bei Blu Ray, dann besteht keine Systemsicherheit, niemand kann mir garantieren, dass ich diese Scheiben in zehn Jahren noch abspielen kann.

    YouTube ist längst die Gratis-Plattform für kürzere Filme, und auch da bietet die Mutterfirma Google bereits auch längere Videos an. Der Wettlauf um die dominante Plattform läuft, es gibt unzählige Flash-basierte Videoplattformen und über kurz oder lang werden die meisten Filmemacher nicht nur eine Website betreiben, sondern auch ihre Werke online global verfügbar machen können. Und ähnlich wie Russ Meyer mit jedem technischen Systemwechsel seine Filme erneut verkaufen konnte, meist an die gleichen Leute, die sie schon zweimal gekauft hatten, wird auch da jeder noch so obskure Studio-Backkatalog wieder unter die Leute kommen. Die VHS-Grabbelkiste, welche Kollege Beni Eppenberger vor Jahren schmerzlich vermisst hat, ist im Begriff, online wieder aufzuerstehen. Ganz abgesehen von den Beständen der grossen Cinematheken und den allerorten spriessenden online-Filmfestivals.

    Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Horten Sie noch Filme zuhause? Hat die persönliche Videothek noch eine Zukunft?

    Topics: Allgemein, Film, Filmgeschichte | 4 Kommentare »

    4 Comments

    1. ja, ich horte sie digital – als avi files (leider halt in mittelmässiger qualität). neben diesem aspekt hat für mich der filmdownload zwei weitere wichtige aspekte: man findet filme, die man niemals auf dvd (evtl. auf VHS) gefunden hätte. und – jetzt wirds illegal – man stösst auf filme, die bei uns erst in ein paar monaten im kino laufen. gut, mein bruder würde jetzt fragen: warum reicht es dir nicht, die filme zu sehen, wenn sie bei uns offiziell released werden? ich finde dann jeweils: als regelmässiger internetnutzer klinkt man sich halt in die globale diskussion ein – und da werden filme besprochen und getauscht wenn sie veröffentlicht sind. als es im dezember einen rummel um „let the right one“ in gab, da er am tribeca filmfestival gewonnen hat, wollte ich mir den unbedingt ansehen – was ich auch tat, da eine pre-screening-kopie im netz war. hier läuft er im april an?

      Kommentar by tom — 26. Februar 2009 @ 12:28

    2. Für neue Filme ist das ohnehin die nahe Zukunft: global release auf allen Kanälen gleichzeitig. Stoppt die Piraten und macht die Werbekampagne effizientert. Lass den Richtigen rein habe ich letzten Juli am NIFFF in Neuenburg gesehen, und ja: Ascot-Elite bringt ihn am 2. April im Gefolge von Twilight ins Kino.

      Kommentar by mis — 26. Februar 2009 @ 14:15

    3. hmmm…. obwohl ich füs unterrichten mittlerweile auch schon utube-kanäle anlege z.B.: http://www.youtube.com/user/Cinemaexpanded
      schätze ich dvds nach wie vor – allerdings in einem zustand, der es erlaubt, ausschnitte herauszuschnippeln und in keynote oder powerpoint einzufügen.
      streams wie jenen von criterion schaue ich mit spannung entgegen – allerdings wird das rausschnippeln auch da so aufwändig wie bei den dvds – nehme ich jetzt mal an. erhältlichkeit ist alles. wenn du also noch ein paar criterions loszuwerden hast, primo: in meinem regal, das ich neulich erst von den vhs zugunsten der dvds befreit habe, hätte es noch ein bisschen platz ;-)
      greetz nach tsüri aus luzern :-)

      Kommentar by trefzer — 26. Februar 2009 @ 14:33

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