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    So ein Quartz! Immerhin: Alles ist Home, was glänzt

    Von Michael Sennhauser | 7. März 2009 - 23:29

    kacey-mottet-klein-quartz-2009

    Es war eine Mischung aus Charme und kleineren Peinlichkeiten, die wir heute Abend im KKL in Luzern erlebt haben. Zum einen ist jede derart geraffte Preisverleihung einfach eine Reihung des Immergleichen. Zum anderen werden sich die Veranstalter im nächsten Jahr wohl gut überlegen, ob sie wieder stolz auf prominente Präsentatoren verweisen sollen, wenn sie die dann am Abend selber wieder entschuldigen müssen. Luc Bondy war verhindert, Geraldine Chaplin hat abgesagt, aufgrund des Todes ihres Bruders, und Maurice Jarre ist gar selber im Spital gelandet. Dass Präsentatorin Kunz diese Gäste immer ab- und dann den Ersatz ansagen musste, trug etliches zur gemischten Heiterkeit bei.

    Dass Home von Ursula Meier gleich drei Preise einheimste, führte zu einer minimalen Oscar-Frenzy im Saal: Bestes Drehbuch, Bester Spielfilm und dann noch der hinreissende Zehnjährige Kacey Mottet Klein als beste Nachwuchshoffnung … besonders knuddelig, als er die Jury zu seiner Wahl beglückwünschte. Normale, non?

    Übrigens schaffte es kurz vor dem jungen Preisträger auch Bruno Cathomas als Verkünder des Preises, vorübergehend die gediegene Halbtotenstarre auf der Bühne zu brechen. Er erzählte, wie er mitten aus einem anderen Engagement heraus nach Luzern gebeten wurde (auch er ein Ersatz), und sich da auf Kosten des Schweizer Fernsehens einen Anzug gekauft hat. Und dass er natürlich nicht ganz normal sei, als Schauspieler, sonst wäre er ja keiner, sondern bei der UBS. Oder so ähnlich, sinngemäss.

    Als grosses Fest des Schweizer Films hat die Gala in Luzern wahrscheinlich ihren Zweck erfüllt, auch wenn die eigentliche Preisvergabe zwischen nett und ein klein wenig peinlich schwankte. Der vorangegangene Empfang mit dem roten Teppich hat nicht zuletzt auch den geladenen Politikern eine angenehme Gelegenheit geboten, sich ernst genommen zu fühlen, und in Tuchfühlung mit den Kreativen des Schweizer Films. Und mittelfristig ist es ja genau dieses politische Heimatgefühl, das bei Budgetdebatten in Bern den nötigen Ausschlag geben kann.

    Rund 800’000 Franken, das Budget eines mittleren Dokumentar- oder kleinen Schweizer Spielfilms, hat der Abend gekostet, für 1300 Gäste. Und den Programmverantwortlichen der SRG SSR idée suisse Fernsehsender dürfte darüber hinaus noch der Kopf ein wenig zu schmerzen angefangen haben, als sie sich überlegen mussten, wie man aus den knapp zwei Stunden Preismarathon mit nur zwei drei Highlights mehr als zehn Minuten Sendezeit herausmelken könnte. Oder auch nicht, schliesslich gibt es immer noch die Möglichkeit, die glücklichen Preisträger nach ihrer Dankesrede noch vors Mikrofon zu holen. Zumindest im Fall der sehr beredten Ursula Meier immer eine dankbare Aufgabe. Und im Fall des Kacey Mottet Klein ein sicherer Jöh-Effekt in allen guten Schweizer Stuben.

    Wird es nächstes Jahr auch wieder eine solche Gala geben? Ziemlich sicher schon, auch wenn der eine Patron, Pascal Couchepin, dann zu mal vielleicht nicht mehr im Amt sein wird. Und der andere, Armin Walpen, mit den Konvergenz-Plänen innerhalb seiner SRG SSR idée suisse anderweitig am Vordenken. Die Finanzierung muss dann wieder „irgendwie“ geregelt werden, der Bund leistet seinen Anteil vor allem über die Nominationssummen, die Preisgelder für sämtliche Nominierten (welche den effektiv besten Teil der ganzen Organisation darstellen), die Schweizer Filmakademie muss sich weiter konstituieren und ihre Mitglieder wohl weiterhin happige Beiträge leisten für das Privileg.

    War das eine gute Show? Nein. War es ein guter Abend in Luzern? Für die meisten der geladenen Gäste bestimmt. Ist der PR-Effekt für den Schweizer Film den Aufwand wert? Wahrscheinlich schon. Denn hier dabei gewesen zu sein dürfte für die meisten Entscheidungsträger doch bauchpinselig genug gewirkt haben, dass sie sich als Teil eines grösseren Ganzen fühlen konnten. Und das ist doch was: Man fühlte sich Home. Oder zumindest sahen die vielen angeregt tafelnden Menschen im grossen Ballsaal sehr heimisch aus da.

    Topics: CH Film, Filmbusiness, Filmpolitik, Leute | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Bist Du jetzt zu den Fragerednern übergegangen? Es scheint so. Stört das die Leserschaft? Erst, wenn es penetrant wird.

      Kommentar by Pit — 8. März 2009 @ 19:48

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