Diagonale 09: Liebe und andere Verbrechen

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In der Reihe „Spektrum“, einer Art Sammelbecken für koproduzierte Perlen, zeigt die Diagonale Filme, die schon anderswo zu entdecken gewesen wären, es aber nicht in allen Fällen wirklich geschafft haben. Eines dieser Kleinode ist Ljubav i drugi zlocini (Liebe und andere Verbrechen) von Stefan Arsenijevic aus Belgrad. Die wunderbar spröde Anica Dobra spielt Anica, die Geliebte von Milutin, einem alternden Quartiergangster in Neu-Belgrad. Sie will ein neues Leben beginnen und am Abend des vom Film erzählten Tages in ein Flugzeug steigen. Heimlich nimmt sie Abschied, von der dementen Grossmutter im Altersheim, von der autistischen Tochter des Milutin. Aber da ist noch Stanislav, die rechte Hand von Milutin, ein schüchterner Träumer, heimlich in Anica verliebt seit zwölf Jahren.

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Diagonale 09: ‚7915km‘ und ‚Der erste Tag‘

Der erste Tag Andreas Prochaska ORF ARTE
'Der erste Tag' von Andreas Prochaska (ORF/ARTE)

Unter den Filmen des ersten Diagonale-Tages sind mir zwei besonders aufgefallen, weil sie beide um etwas herum gebaut sind, das sie nicht zeigen. Nikolaus Geyrhalter (Unser tägliches Brot) taucht mit seinem Dokumentarfilm 7915km tief in den Afrikanischen Kontinent ein, auf der Strecke, welche die Rally Paris-Dakar in 14 Tagen durchrast. Die einzigen Rally-Bilder sind am Anfang zu sehen, auf den Leinwänden einer Sponsorenpromotion. Geyrhalter besucht die Orte und die Menschen, an denen die motorisierten Dekadenzbolzer vorbeirasen. Der zweite Film, der seinen Kondensationskern nicht ins Bild rückt, ist Der erste Tag, eine ORF-ARTE-Fernsehproduktion von Andreas Prochaska (In drei Tagen bist Du tot). Es ist ein Katastrophenfilm mit unsichtbarer Katastrophe: Der GAU in einem grenznahen tschechischen Atomkraftwerk löst in Niederösterreich die Katastrophenalarmorganisation aus und führt zur Evakuierung.

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Diagonale 09: Kleine Fische

Kleine Fische Sabrina Reiter Michael Steinocher

Es ist in Österreich nicht anders als in der Schweiz: Wenn sich der Film feiert, sind auch die zugewandten Orte dabei, die Politiker, die Seiten-, Neben- und die Rundum-Künstler. Zur Eröffnung der 12. Diagonale in Graz (der ersten unter der neuen Leitung von Barbara Pichler) war die List-Halle hinter den sieben Geleisen wieder dicht gefüllt mit tout Graz und halb Wien. Schliesslich ist der österreichische Film wieder wer, die Ausländer habens schon gemerkt, und allmählich fällt es auch den Österreichern auf, spottete Josef Hader, der zur Eröffnung den Schauspielerpreis der Diagonale bekommen hat – für alle seine Rollen, nicht nur für den Knochenmann. Für ihre Rolle im Knochenmann hat den Preis aber Birgit Minichmayr gekriegt (und ihn eben so kurz und herzlich dankend entgegen genommen wie letzten Monat ihren Berlinale-Bären).

So richtig eröffnet wurde das diesjährige Festival des österreichischen Films dann aber mit Kleine Fische, dem charmanten Spielfilmdebut von Marco Antoniazzi. Der Film spielt in einem Wiener Quartier, in einem kleinen Fischladen. Gleich zu Beginn stirbt der Ladeninhaber, seine beiden unterschiedlichen Söhne versuchen zusammen mit der Mutter das Geschäft am laufen zu halten. Der jüngere ernsthaft und mit einem gewissen Groll gegen den älteren, der als 13jähriger die Familie verlassen hatte und jetzt eigentlich nur gekommen ist, um allenfalls etwas zu erben.

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Last Chance Harvey

Dustin Hoffman, Emma Thompson in 'Last Chance Harvey' (c) Ascot-Elite
Dustin Hoffman, Emma Thompson in 'Last Chance Harvey' (c) Ascot-Elite

Vor zwei Jahren sahen wir die beiden zum ersten Mal im gleichen Film. Emma Thompson spielte in Marc Forsters Stranger than Fiction die leicht hysterische Schrifstellerin („I killed eight people. I counted.“) , Dustin Hoffman war der desillusionierte Literaturprofessor. Ihre beiden Nebenrollen waren die eigentlichen Highlights des Filmes. Als ich im Dezember in San Francisco den Trailer zu Last Chance Harvey sah, ging mir gleich das Herz auf. Leider ging es den Amerikanern offenbar anders: Der Film ist bald nach seinem limitierten Start in den USA wieder verschwunden und kommt im Mai bereits auf DVD in den Verkauf. Bei uns dagegen startet die romantische Komödie diesen Mittwoch in der Westschweiz und Anfang April in der Deutschschweiz. Die Chancen stehen gut, dass das Schweizer Publikum die Paarung von Thompson und Hoffman besser goutiert, denn der Film ist eine eigentümliche Mischung aus künstlich aufpoliertem amerikanischem Drehbuch und britischer Sophistication. Im Kern lebt Regisseur Joel Hopkins‘ schamlos hingebogene Story von Emma Thompsons spielerischer Grosszügigkeit und Dustin Hoffmans unbändigem Bedürfnis, im Alter noch einmal zu gefallen.

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Sennentuntschi mit Geldsorgen?

Sennentuntschi Roxane Mesquida
Roxane Mesquida in 'Sennentuntschi' (c) superfilm at

Tages-Anzeiger online-Kultur-Redaktor Rico Bandle berichtet heute Nachmittag von den Geldsorgen bei der nächsten grossen Schweizer Spielfilmhoffnung, Michael Steiners Sennentuntschi. Dass es bei Schweizer Filmproduktionen hin und wieder zu Liquiditäts-Engpässen kommt, liegt in der Natur der Schweizer Produktion: Die meisten Produzenten müssen ihre aktuellen Produktionen mit dem gesprochenen Geld für die nächste finanzieren. Aber im Fall von Sennentuntschi schreibt Bandle nun von möglichen Unregelmässigkeiten und einer anstehenden Revision. Erfreulich an der Geschichte ist immerhin, dass offenbar selbst die potentiell klagenden Gläubiger, die Schauspieler, dem Film möglichst nicht schaden wollen. Der geplante Herbst-Filmstart wird wohl ins nächste Jahr rücken.

Filmpodcast Nr. 120: La forteresse, FIFF, The Birds, Filmzensur.

The Birds Publicity Montage

Herzlich Willkommen zu Kino im Kopf mit Michael Sennhauser. Heute stellt uns Brigitte Häring den Dokumentarfilm La forteresse von Fernand Melgar vor, ich habe mit dem Direktor des Filmfestivals von Freiburg geredet; wir werfen einen Blick zurück auf Alfred Hitchcocks Klassiker The Birds, und auf die Anfänge der Filmzensur. Dazu Tonspur und Kurztipps, wie gewohnt.

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Luki Friedens ‚Tausend Ozeane‘ in Variety

Tausend Ozeane von Luki Frieden (c) Frenetic

Früher oder später finden die meisten Filme ihr Echo im amerikanischen Branchenblatt Variety. Bei Schweizer Filmen dauert es meistens ein wenig länger, weil die in der Regel erst an einem grösseren Festival im Ausland zu sehen sein müssen, um wahrgenommen zu werden. Zu Luki Friedens Tausend Ozeane (Trailer) meint Boyd van Hoeij, der ambitiöse Film hänge etwas durch, bevor die grosse Enthüllung komme. Aber die Schauspieler und die Ideen seien stark genug, dass sich die Indie-Filmfestivals den Film sichern dürften, bevor er von den europäischen Fernsehanstalten verschluckt werde.

Geld verdienen mit einem Flop

Penelope Cruz, Matthew McConaughey, Steve Zahn in 'Sahara' (c) paramount
Penelope Cruz, Matthew McConaughey, Steve Zahn in 'Sahara' (c) paramount

Die Geschichte, wie Mel Brooks‘ Producers absichtlich einen Broadway-Flop planen, um damit Geld zu verdienen, findet immer wieder ihr Echo in der Realität. Vor Gericht haben sich Roman-Autor Clive Cussler und die Produktionsfirma Crusader Entertainment um den Kinoflop Sahara von 2005 gestritten. Der Autor hat offenbar geklagt, weil ihm das final approval des Drehbuchs vorenthalten worden sei (gemäss anderen Berichten, weil er eine Option auf eine weitere Romanverfilmung hatte), worauf die Produzenten ihrerseits klagten, er hätte sie mit aufgeblasenen Verkaufszahlen für das Buch in das Produktionsabenteuer geritten.

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So ein Quartz! Immerhin: Alles ist Home, was glänzt

kacey-mottet-klein-quartz-2009

Es war eine Mischung aus Charme und kleineren Peinlichkeiten, die wir heute Abend im KKL in Luzern erlebt haben. Zum einen ist jede derart geraffte Preisverleihung einfach eine Reihung des Immergleichen. Zum anderen werden sich die Veranstalter im nächsten Jahr wohl gut überlegen, ob sie wieder stolz auf prominente Präsentatoren verweisen sollen, wenn sie die dann am Abend selber wieder entschuldigen müssen. Luc Bondy war verhindert, Geraldine Chaplin hat abgesagt, aufgrund des Todes ihres Bruders, und Maurice Jarre ist gar selber im Spital gelandet. Dass Präsentatorin Kunz diese Gäste immer ab- und dann den Ersatz ansagen musste, trug etliches zur gemischten Heiterkeit bei.

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