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    Cannes 09: Looking for Eric

    Von Michael Sennhauser | 18. Mai 2009 - 12:06

    looking for eric ken loach

    Das Team LavertyLoach bringt es immer wieder fertig, sein klassisches Thema von der Solidarität der kleinen Leute zu variieren. Looking for Eric ist der bisher vergnüglichste Film im diesjährigen Wettbewerb, mit Figuren, einer Geschichte und einem Höhepunkt, der ihm Full-Monty-Potential verleiht. Im Zentrum steht der Briefträger Eric, dem das Leben über den Kopf gewachsen ist. Aber während er in seinem Schlafzimmer heimlich einen Joint raucht, den er seinem älteren Sohn geklaut hat, taucht plötzlich sein Held bei ihm auf, der Fussballer Eric Cantona, und beginnt, ihn wieder aufzubauen. Erics schwacher Punkt ist seine grosse Liebe Lily, seine Frau, die er vor dreissig Jahren hat sitzen lassen.

    All die bekannten Elemente der besten Filme von Loach sind in dieser Komödie vereinigt: Der kleine Mann, der seinen Mut erst wieder finden muss, seine Freunde, die da sind, wenn er sie braucht, Fussball, Pub, eine Liebesgeschichte und ein soziales Umfeld, das echt und zeitgenössisch gezeichnet ist. Und zugleich packen Laverty und Loach all ihre Anliegen unaufdringlich in die Geschichte ein. Bildung ist wichtig: Die ältere Tochter macht trotz Kind ihren Abschluss. Bücher sind gut: Freund Meatball kommt zum Gelächter der Mates immer wieder mit schlauen Ratgebern aus der Bücherei und findet darin auch Lösungen. Solidarität überwindet alles: Zusammen bekommen die Freunde Lösungen hin, die einem der vielen Wahlsprüche ihres Fussballhelden entsprechen: Wer sich vor dem Würfeln fürchtet, wird nie einen Sechser werfen.

    Szenenapplaus ist selten in Cannes, dieser Film hat ihn gleich ein paar Mal ausgelöst. Dazu konstantes Lachen über die wirklich drolligen Einfälle, welche samt und sonders einer sorgfältigen und klugen Figurenzeichnung zu verdanken sind. Wenn der dramatische Twist dann nicht hundertprozentig überzeugt, macht das auch nichts, denn die Effekte sind grossartig, die Rührung und das Vergnügen ebenfalls.

    Ich kenne keinen anderen Filmemacher, der seine sozialen Anliegen, seinen Glauben an das Machbare und die Kraft der Solidarität so beharrlich in Filmen ausdrückt und es damit auch immer wieder fertig bringt, genau jene Leute zu erreichen, die er auch porträtiert. Loach ist am besten, wenn er seine Filme in der Gegenwart spielen lässt, und das trifft auf Looking for Eric zu. Und darüber hinaus hat der Film etwas fertig gebracht, was bei mir bisher noch keiner geschafft hat: Ich, als Fussball-Ignorant, habe plötzlich verstanden, worin der Reiz für die Fans liegt, die angebliche Poesie, die Metaphorik und das gemeinsame Erlebnis.

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, Film, Filmfestival, Regisseur/in | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Saugut geschrieben und mit ganz persönlichem touch! Auf diesen Film freue ich mich riesig. Schmutz: Meuder

      Kommentar by dede — 18. Mai 2009 @ 16:44

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