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    Noch ein Sennentuntschi-Kommentar

    Von Michael Sennhauser | 6. Juli 2009 - 16:01

    Zeigt dem 'Sennentuntschi' vorerst die kalte Schulter: Nicolas Bideau © Fotomontage sennhauser

    Kalte Schulter für 'Sennentuntschi': Nicolas Bideau © Fotomontage sennhauser

    Wenn die UBS in Finanznöte kommt, eilt der Bundesrat zu Hilfe. Was aber, wenn ein teures, vom Bund unterstütztes Filmprojekt in Schieflage gerät? Michael Steiners Verfilmung des «Sennentuntschi»-Stoffes steht mit 2,8 Millionen Franken im Minus, und die Förderstellen sind im Dilemma: Abschreiben oder noch mehr Geld einschiessen?

    Mit Grounding und Mein Name ist Eugen wurde Regisseur Michael Steiner zur Verkörperung der Erfolgshoffnungen von Nicolas Bideau: Populäre, erfolgreiche Filme wollte der Chef der Sektion Film im Bundsamt für Kultur, Filme, die es ermöglichen sollten, auf dem politischen Parkett die Bedürfnisse des Schweizer Films besser durchzusetzen.

    Nun steht Michael Steiners Firma «Kontraproduktion» vor der Pleite. Die Zürcher Filmstiftung und das Schweizer Fernsehen wären bereit für den Versuch, ihre Investitionen von 600‘000 respektive 300‘000 Franken mit noch mehr Geldern zu retten. Vom Bundesfilmkredit steckt eine Million im Sennentuntschi -Projekt, der Maximalbetrag, den die Bundesfilmförderung theoretisch sprechen kann. Verständlich, dass Nicolas Bideau nicht so ohne weiteres bereit ist, dem fast verlorenen Geld noch neues nachzuwerfen, zumal der Bund in der normalen Rückzahlungskette der letzte wäre, der nach einem eventuellen Erfolg des Projekts Geld zurückbekäme. Zuerst kommen die privaten Gläubiger, Kopierwerke, Techniker. Und darum fordert Nicolas Bideau den Konkurs von Kontraproduktion, die Einreihung des Bundes in die Gläubigerliste, und einen Neustart danach.

    Das passt weder den anderen Geldgebern, noch den beteiligten Koproduzenten, und schon gar nicht den aktuellen Gläubigern des Projektes, denn sie alle haben auf den Bund als Retter in der Not gehofft.
    Aber Nicolas Bideau ist ein Bundes-Beamter, er hat einen Laden zu verwalten und Regeln einzuhalten, und wenn er die Regeln dehnt, braucht er Rückendeckung von seinen Vorgesetzten.

    Im Prinzip erwarten Bideaus Kritiker von ihm derzeit genau das, was sie ihm ansonsten seit seinem Amtsantritt vorwerfen: Er soll sich nicht wie ein Beamter verhalten, sondern wie ein Produzent. Spätestens in dem Moment, da in dieser kritischen Situation wieder einmal der Ruf nach einem Intendanten laut wurde, der die angeblich so kompromisskompromitierte Kommissionwirtschaft ablösen soll, beisst sich die Argumentation in den Schwanz. Man kann Bideau nicht Selbstherrlichkeit vorwerfen und gleichzeitig einen Diktator auf Zeit fordern.
    Natürlich wäre es schön, wenn der Bund den von der Sennentuntschi-Pleite bedrohten Kleinbetrieben und Filmtechnikern zu Hilfe eilen könnte, wie den trudelnden Banken. Aber dafür bräuchte es eine Entscheidung des Bundesrates, vielleicht ein letztes Machtwort von Pascal Couchepin.

    (Der Text ist mein Kommentar in der Sendung DRS2aktuell von heute)
    Ganze Sendung downloaden oder  hören:

    Topics: CH Film, Filmbusiness, Filmpolitik, Filmtechnik/er, Regisseur/in, Sendungshinweis | Kommentare deaktiviert für Noch ein Sennentuntschi-Kommentar

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