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    Eric Rohmer ist gestorben

    Von Michael Sennhauser | 11. Januar 2010 - 19:49

    LE GENOU DE CLAIRE

    'Le genou de Claire'

    Als Maurice Henri Joseph Schérer wurde er geboren, aber als Eric Rohmer ist er heute mit 89 Jahren in Paris gestorben. Rohmer gehörte zu den grossen Namen der nouvelle vague, war aber der letzte, der vom Schreiben für die Cahiers zum Filmen selbst gefunden hat. Wohl auch darum hat er ausserhalb der cinéphilen Kreise nie den mythisch überhöhten Ruf eines Godard erreicht. Darum, aber auch aufgrund seiner soliden Konsistenz und stilistischen Konsequenz. Rohmers Filme, das sind „die, in denen endlos über nichts geredet wird“, das war wohl einer der häufigsten Sätze, die man zu ihm zu hören bekam, wenn man seinen Namen irgend wo ins Gespräch brachte. Und meistens folgte dann von jemandem der lächelnde Hinweis, dass es aber nie jemand charmanter und verspielter fertig gebracht hätte, solch permanentes Reden vor der Kamera natürlicher, unterhaltsamer und vor allem geistreicher zu inszenieren. Und wenn jemand das sagte, durfte man davon ausgehen, dass der oder diejenige recht gut Französisch verstand, französische Lebensart goutierte und überhaupt ganz grundsätzlich die Causerie liebte.

    Eric Rohmer Le genou de Claire

    Mit den Freundinnen und Freunden von Rohmers Filmen sind bestimmt auch erbitterte, ja sogar ideologisch geprägte Diskussionen möglich, wie mit Godard-Jüngern, oder Alt-Maoisten. Aber nicht über Rohmer und schon gar nicht über seine Filme. Kommt die Rede auf die, kehrt Friede ein, in den Augen leuchtet es auf, ein Seufzer kann auch mal aufsteigen, und dann werden Filmtitel aufgezählt: Ma nuit chez Maud, Le genou de Claire, Pauline à la plage, oder seine Jahreszeiten, von Conte de printemps (1990), dem er kurioserweise zwei Jahre später erst den Winter folgen liess, dann 1996 den Sommer und erst dann, 1998, conte d’automne. In mancher Hinsicht war Rohmer ein Vorläufer der dänischen Dogma 95-Filmer. Er verzichtete in der Regel auf Filmmusik, die ihren Ursprung nicht in der filmischen Realität hatte, er bevorzugte übersichtliche Einstellungen und verzichtete vor allem auf Grossaufnahmen von Gesichtern. Seine Kamera war oft eine Art distanzierter Reisebegleiter, eine nicht immer völlig diskrete Chaperonne, die dem Spiel schöner junger Menschen an der Sonne beiwohnte und zuhörte.

    Pauline à la plage

    'Pauline à la plage'

    Mehr zu Rohmer morgen in DRS2aktuell.

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, Film, Film und Kunst, Filmgeschichte, Regisseur/in | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Schön, der kleine Nachruf auf Maurice Schérer alias Eric Rohmer!
      Allerdings stimmt es nicht, dass er der letzte gewesen ist, der vom Schreiben für die „Cahiers du Cinéma“ zum Filmen selbst gefunden hat. Da kommt mir nämlich sofort Alain Bergala in den Sinn, der in den 80er-Jahren Chefredaktor der „Cahiers“ war und zu den bedeutendsten französischen Cineasten („Faux Fuyants“, „Où que tu sois“) und Filmtheoretikern gehört. Oder der 2003 früh verstorbene Jean-Claude Biette, Filmkritiker bei den Cahiers in den 70er-Jahren und Autor von Filmen („Chasse gardée“, „Le complexe de Toulon“, etc.), die in cinephilen Kreisen zu den wichtige Beiträge zur Erneuerung des französischen Kinos zählen, aber leider ausserhalb von Frankreich kaum auf Beachtung gestossen sind.

      Kommentar by Micha Schiwow — 16. Januar 2010 @ 11:35

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