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    SFT10: ZWERGE SPRENGEN

    Von Michael Sennhauser | 22. Januar 2010 - 11:57

    'Zwerge sprengen' von Christof Schertenleib © Filmcoopi

    Zur gestrigen Eröffnung der Solothurner Filmtage war Christof Schertenleibs Zwerge sprengen fast der ideale Film. Die Geschichte zweier Pfarrerssöhne (Michael Neuenschwander und Max Gertsch) aus dem Emmental, ihrem jährlichen Familienritual und der familiären Tendenz, Negatives unter dem Deckel zu halten, lässt sich leicht als Parabel auf den langjährigen Zustand der politischen Schweiz lesen. Zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, als die SVP begann, die Konkordanz in Frage zu stellen. Das zentrale Bild des Films, das ritualisierte Sprengen von Gartenzwergen, ist eines, das hängen bleibt. Die Figuren der beiden Brüder mit ihren Ehe- und Beziehungsproblemen sind durchaus aktuelle Schweizer. Die Umgebung allerdings, das Dorf im Emmental, das Pfarrhaus, die grünen Hügel, das alles erinnert dann doch wieder an den „alten“ Schweizerfilm, den das nostalgische Unterhaltungskino wie Die Herbstzeitlosen so erfolgreich beschwört.Christof Schertenleib hat die Idee lange mit sich herum getragen und er hat die Rolle des einen Bruders von Anfang an für Michael Neuenschwander geschrieben, wie er sagt. Entsprechend hat er natürlich 2006 bei Stina Werenfels‘ Nachbeben ein wenig gestaunt, als Neuenschwander in einer doch ähnlich gelagerten Rolle als Finanzspekulant auftrat. Aber auch diese Brücke hilft dabei, Zwerge sprengen in die Schweizer Filmlandschaft einzubetten. Der Film passt gut in Schertenleibs Gesamtwerk, und mir sind etliche der familiär verkorksten Szenen recht nahe gegangen. Wenn nun doch neben der denkbaren Kritik, dass das Figurenarsenal ausufere, dass der Film Längen habe, dass nicht jede der Szenen und Entwicklungen mit der gleichen Konsequenz entwickelt wurde, auch wieder ganz generell Unmutsbezeugungen geäussert werden, ist das nicht zuletzt wieder eine Nachwehe der von Nicolas Bideau propagierten „Lokomotivenpolitik“. Wenn alle auf den grossen Wurf warten, wird jeder Film, der diese Erwartung nicht erfüllt, zwangsläufig als weitere Enttäuschung wahrgenommen. Möglicherweise hat auch diese Haltung der Rezensenten zur konstatierten allgemeinen Mutlosigkeit der Filmemacher beigetragen. Wer will schon dieses Risiko eingehen, dafür geprügelt zu werden, schon wieder nicht das ultimative Meisterwerk geschaffen zu haben … Zwerge sprengen ist auch nicht diese neue Ikone des Schweizer Films. Aber ein schöner, unterhaltsamer, witziger und vor allem sehr liebevoll gemachter Ensemblefilm. Allein schon die unglaublich sorgfältige Gestaltung der Tonspur zeugt von Leidenschaft in allen Departementen.

    Topics: CH Film, Film, Filmfestival, Regisseur/in | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. „ein schöner, unterhaltsamer, witziger und vor allem sehr liebevoll gemachter Ensemblefilm“ greift entschieden zu kurz. Es ist ein unheimlicher Film des „Jein“ – als Zuschauer wird man immer wieder hineingezogen, genau wie die verschiedenen Figuren, die wissen, dass da etwas gar nicht stimmt, und dann – meistens – doch ja sagen. Das geht sehr nah, wenn man es denn an sich heran kommen lässt, und wirft unzählige kluge Fragen auf.

      Kommentar by Silvia Kraus — 25. März 2010 @ 21:44

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