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    Berlinale: Gescheiterte Söhne, schuldige Mütter

    Von Brigitte Häring | 13. Februar 2010 - 23:32

    George Pistereanu, Ada Condeescu in: 'Eu cand vreau sa fluier, fluier'

    George Pistereanu, Ada Condeescu in: 'Eu cand vreau sa fluier, fluier'

    Gleich zwei Filme im Wettbewerb hatten heute die gleiche Konstellation: jeweils zwei Brüder mit gebrochenen Biographien und dahinter eine Mutter, die offensichtlich versagt hat. Aber das ist eben das Tolle am Kino: wiederkehrende Themen in ganz unterschiedliche Werke. Der erste Film stammt aus Rumänien und heisst Eu cand vreau sa fluier, fluier (Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich) und ist von Florin Serban. Mit ganz einfachen Mitteln – Handkamera, Originalschauplatz, Laiendarsteller – setzt der junge rumänische Regisseur ein Bühnenstück der Autorin Andreea Valean um: Silviu sitzt als jugendlicher Straftäter in einer Anstalt. Die Verhältnisse sind hart: Silviu ist in der Rangordnung weit unten. Schon zu Beginn des Filmes schwant einem, dass die baldige Entlassung auf der Kippe stehen wird. Silvius Familienverhältnisse sind ebenfalls schwierig – er hat seinen kleinen Bruder praktisch allein aufgezogen, weil seine Mutter in Italien lebt. Er selber wurde als Kind von der unsteten Mutter immer wieder weggegeben.

    Jetzt, so kurz vor seiner Freiheit, taucht plötzlich diese Mutter wieder auf und will den kleinen Bruder nach Italien mitnehmen. Und der sensible Silviu sieht rot. Der Film verstört, weil das alles so ganz simpel und sehr realistisch inszeniert ist. Regisseur Serban hat die Szenen manchmal so lange stehen gelassen, dass man die Hilf- und Sprachlosigkeit des jungen Delinquenten fast körperlich spürt. Gespielt wird die Rolle ziemlich eindrücklich von einem jungen Laiendarsteller. Formal ist Eu cand vreau sa fluier, fluier in bester Dogma-Manier gemacht – und dieses dänische Manifest aus dem Jahr 1995 wiederum ist von Thomas Vinterberg mit unterschrieben worden. Vom Festen-Regisseur stammt der andere Film dieser kleinen thematischen Reihe: Submarino – kein Dogma-Film.

    'Submarino' von Thomas Vinterberg © Per Arnesen

    'Submarino' von Thomas Vinterberg © Per Arnesen

    Auch hier stehen im Zentrum zwei Brüder, und auch diese zwei Brüder finden sich im Gefängnis wieder. Aufgewachsen sind die beiden in total verwahrlostem Umfeld mit einer Alkoholikerin als Mutter, die absolut unfähig war, Verantwortung zu übernehmen. Nun ist der eine ein desillusionierter Alkoholiker und der andere ein drogensüchtiger, allein erziehender Vater geworden. Das ist alles so trist und hoffnungslos, dass es einem den Atem raubt – genau so wie in der Foltermethode, die man eben Submarino nennt und wo einem der Kopf so lange unter Wasser gedrückt wird, bis man glaubt, nie mehr Luft zu bekommen. Der Applaus nach dem Film war mässig – vielleicht, weil viele noch nach einem Taschentuch kramten oder aber, weil dermassen trost- und illusionslose Filme einen etwas ratlos zurück lassen. Das ist schonungsloser Realismus, ganz frei von Ironie, aus der Feder des gefeierten Dänischen Autors Jonas T. Bengtsson.

    Ich hatte heute etwas Mühe mit dem Thema der beiden Filme – Schuld waren immer die hilflosen Mütter, die weggelaufenen Freundinnen, die ablehnenden Huren. Und die Männer bleiben sprachlos, atemlos, hilflos und der Ausweg heisst: Gewalt. Schwere Kost am dritten Festivaltag.

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Berlinale: Gescheiterte Söhne, schuldige Mütter

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