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    Nyon 10: GIALLO A MILANO – Made in Chinatown von Sergio Basso

    Von Michael Sennhauser | 20. April 2010 - 19:42

    'Giallo a milano'

    Integration macht Spass. Nicht unbedingt im realen Leben und wahrscheinlich noch viel weniger in Italien. Aber dieser Dokumentarfilm zum Leben und Denken der Chinesen in Europas grösstem Chinatown, dem von Mailand, der ist ein Vergnügen. Ein kluges, witziges, charmantes, einnehmendes Plädoyer, ein Film, der seinen Schalk schon im Titel trägt. Der „giallo“, das ist der Krimi, der Schundroman, Pulp Fiction in Italien, abgeleitet vom gelben Umschlag einer einst extrem populären billigen Krimireihe eines italienischen Verlagshauses. Wörtlich heisst Giallo a Milano natürlich „gelb in Mailand“, aber auch Krimi in Mailand. Und wie einen Krimi hat der Sinologe und Dokumentarfilmer Sergio Basso seinen Film strukturiert. 15 Elemente brauche ein guter Thriller verkündet der Film am Anfang, und dekliniert die dann durch, vom „jungen Verräter“ bis zur „singenden Puppe“ oder der Verfolgungsjagd.

    Dabei verwendet der Filmemacher neben den üblichen dokumentarischen Methoden, den Interviews und Talking Heads, vor allem rasante Montagen, sei es von begeistert turnenden Mädchen, jungen Schülerinnen und Schülern, oder einem jungen chinesischen Schauspieler, der seine Eltern herausfordert. Aber auch wunderbar animierte Sequenzen, wenn ein mehrfach in die Kriminalität abgestürzter junger Mann von seiner Odyssee von China über Russland nach Mailand erzählt.

    Im Zentrum stehen zwei chinesische Paare im Bett, bei denen sich Mann und Frau gegenseitig ihre Träume und Ängste anvertrauen. Was auf den ersten Blick dermassen natürlich wirkt, dass man unwillkürlich an gestellte Szenen mit Schauspielern denkt, ist in Wirklichkeit in monatelanger Arbeit mit dem Regisseur und den Paaren entstanden, als dokumentierte Realität für fremde Augen – ein Verfahren für die Integration „über den Bauch“ wie es der Regisseur nennt: Die sind ja wie wir, die gleichen Träume, Ängste, Sorgen und Hoffnungen.

    Das funktioniert hervorragend, und viele andere Szenen im Film ebenfalls, weil sie fast alle weder ernst noch dozierend oder predigend daherkommen, sondern mit Schalk und vor allem viel Selbst-Ironie der Protagonisten.

    Dass Mailands Chinatown eine relevante Grösse haben muss, lässt sich unter anderem daran ablesen, dass die Website des corriere della serra eine chinesische Sektion aufweist und zudem das Materialdossier zu dem Filmprojekt hostet.

    Integration und der Aufruf zu menschlicher Verbundenheit haben selten so viel Spass gemacht und so viel Wirkung gezeigt wie bei diesem Film. Und dann hat der Regisseur hier vor dem Publikum in Nyon noch den wichtigsten Hinweis von allen gegeben: Oft habe das Publikum, das sich solche Filme ansehe, gar am Morgen um elf an einem normalen Dienstag in Nyon, das Gefühl, sich persönlich engagiert zu haben. Das sei natürlich ein Trugschluss. Nach dem Film gelte es, nach Hause zu gehen, und sich zu überlegen, ob die eigenen Nachbarn nicht vielleicht doch Menschen seien wie wir auch.

    Giallo a milano

    Topics: Dokumentarfilm, Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Nyon 10: GIALLO A MILANO – Made in Chinatown von Sergio Basso

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