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    Cannes 10: RIZHAO CHONGQING von Wang Xiaoshuai

    Von Michael Sennhauser | 13. Mai 2010 - 14:26

    Chongqing Blues boot

    Wang Xiaoshuai ist kein Unbekannter, einer seiner bisherigen Filme hat sogar einen Schweizer Verleih gefunden: Beijing Bicycle von 2001. Und Zuo you (2007) brachte ihm den silbernen Berliner Bär für das beste Drehbuch. Sein neuer Film spielt nun allerdings in jener anderen chinesischen Stadt, welche ebenfalls seit Jahren die Fantasie der Filmemacher beflügelt, in Chungking (wie sie in Chungking Express von Wong-Kar Wei hiess) oder eben in Chongqing, wie der Name diesmal transkribiert worden ist. Übersetzt heisst der Titel Chongqing Blues und diesen Blues hat ein Vater, der, 14 Jahre nach dem er Frau und Kind verlassen hat, zurückkommt in die Stadt, um herauszufinden, wie es dazu kam, dass sein mittlerweile 25jähriger Sohn in einem Supermarkt als Geiselnehmer erschossen worden ist.

    Väter, welche versuchen, ihre Kinder kennenzulernen, vor allem dann, wenn es dafür eigentlich zu spät ist, das hat durchaus Kinotradition. Und abwesende Väter, beziehungsweise der Schmerz der Söhne über ihre Abwesenheit, das funktioniert wohl universal. Der Twist in Chongqing Blues besteht aus zwei Komponenten: zum einen rekonstruiert der Vater den Ablauf der Vorgeschichte über Begegnungen mit Zeugen, der Geisel, der Ex-Freundin und gar dem Polizisten, der den Jungen erschossen hat. Das erinnert an den Film Lola von Brillante Mendoza, in dem zwei Grossmütter sich mit ihren Enkeln als Opfer beziehungsweise Täter auseinandersetzen müssen. Andererseits folgt der Vater den Freunden seines toten Sohnes in ihre moderne Welt, was zu faszinierenden Sequenzen führt: Der staunende, leicht verlorene Mann in einem Tanzpalast unter lauter jungen Leuten, die er kaum zu begreifen vermag – auch das ein beliebtes filmisches Motiv, von Paul Schraders Hardcore bis zu Costa Gavras‘ Missing.

    Leider aber ist nicht nur der Film eher gemächlich inszeniert, mit Ausnahme des Hauptdarstellers Xueqi Wang sind auch die meisten Akteure leicht überfordert, bzw. eine Spur zu theatralisch im Auftritt. So bleibt am Schluss der Eindruck einer Vater-Sohn-Schmonzette mit ein paar starken ruhigen Momenten und einem zuerst grossartig zurückhalten eingesetzten musikalischen Score, der aber im verlauf des Films von wenigen zarten Klängen zu etlichen zu viel davon aufgeblasen wird.

    Eine französische TV-Station hat sich heute morgen übrigens den Spass geleistet, am Fuss der Treppenstufen die ins Palais strömenden Leute nach dem Titel des Films zu fragen, den sie gleich sehen würden. Fast alle haben leicht verlegen „ein Film von einem Chinesen gesagt“.

    Chongqing Blues

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | 1 Kommentar »

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