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    Cannes 10: THE HOUSEMAID – HANYO von Sangsoo-Im

    Von Michael Sennhauser | 13. Mai 2010 - 22:29

    The Housemaid

    Am NIFFF letzten Sommer war in der Retrospektive Kim Ki-youngs legendäres Original Hanyo von 1960 zu sehen (heute in voller Länge bei The Auteurs). Der Sozialthriller um einen verheirateten Lehrer, der sein Hausmädchen schwängert und damit sich und seine Familie ihrem zunehmend abstrusen Terrorregime ausliefert, ist ein atmosphärischer Schwarzweissfilm, der von ambivalenten Stimmungen und moralischer Mehrdeutigkeit lebt. Lange Zeit ist man auf der Seite der jungen Frau, die sich dann zwar genregerecht als Familienzerstörerin gebärdet, aber auch das ist nicht eindeutig gezeichnet. Hanyo war im Original eine Sensation in Süd-Korea. Das lange erwartete Remake von Sangsoo Im steht nun im Wettbewerb um die Goldene Palme. Es ist ein saftiger Film geworden, ein giftiges Melodrama, das alle Register zieht und dabei jeder Eindeutigkeit eindeutig den Vorzug gibt.

    Sangsoo-Im hat aus der Musiklehrersfamilie eine neureiche Dynasty-Mischpoke gemacht, komplett mit plottender Schwiegermutter und übererzogenem Töchterchen. In den Palast dieser Reichen zieht das unschuldige Hausmädchen ein, ergibt sich geschmeichelt und willig den Avancen des Hausherrn, und wird damit für Schwiegermutter und Gattin zu Rivalin – vor allem, als sich herausstellt, dass sie schwanger ist. Im Original entwicklen sich die Dinge allmählich, die morlischen Zwickmühlen beginnen langsam zu mahlen und die Figuren machen etliche Stimmungs- und Gesinnungswandel durch. Das hält den Film in der Schwebe, auch wenn er von der Rahmenhandlung her vorgibt, klar die junge Frau als Zerstörerin einer Familie anzuprangern.

    Das Remake hält sich kaum mit Subtilitäten auf. Da steht ganz klar die korrumpierte, verdorbene Machtwelt der Reichen gegen die Unschuld des Mädchens. Dass der Film dennoch seine Spannung halten kann, liegt vor allem daran, dass einerseit auch die unschuldige Seite recht klarsichtig in die Geschichte rutscht, das Mädchen weiss genau, was sie tut, wenn auch ohne Arglist und Berechnung. Und die Gegenseite verblüfft mit dem Ausmass der Bösartigkeit und der Kälte. Insbesondere die Schwiegermutter ist eine zeitgenössisch-koreanische Kopie von Joan Collins‘ Alexis Carrington aus der legendären US-Serie Dynasty. Dabei inszeniert Sangsoo-Im stets haarscharf am Camp vorbei, etliche Sequenzen sind dermassen schamlos, dass man sich ein Lachen nicht mehr verkneifen muss – und beim Sex geht es selbst für koreanische Verhältnisse ordentlich zur Sache.

    Etliches aus dem Original hat Im in seine Version hinübergerettet, teilweise als Zitat, teilweise als Wink. So ist der Herr des Hauses ganz nebenbei ein begnadeter Pianist. Zugleich hat er aber auch das Personal erweitert, dem Hausmädchen noch einen altgedienten Hausdrachen zur Seite gestellt und eine gute externe Freundin.

    Und schliesslich wird der Film, der sich Zeit lässt und immer neue Infamitäten auffährt, zum eigentlichen Fanal – aber davon soll nichts verraten werden.

    Um wirklich in den Genuss der ganzen Absurditäten, feinen und vor allem auch der weniger feinen Plotwendungen zu kommen, lohnt es sich auf jeden Fall, den Originalfilm von 1960 auf The Auteurs anzusehen. Registrieren reicht, er gehört zu den Gratis-Filmen, welche Martin Scorseses Organisation restauriert und zugänglich gemacht hat.

    The Housemaid

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Gutes Timing: The Auteurs“ wurde heute umbenannt uns heisst neuerding mubi.com…

      Kommentar by PeeWee — 13. Mai 2010 @ 23:53

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