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    Nifff 10: DIE EWIGE MASKE von Werner Hochbaum

    Von Michael Sennhauser | 5. Juli 2010 - 17:05

    'Die ewige Maske' von Werner Hochbaum (1935)

    Ein Kampf zwischen moderner Psychiatrie und altväterischem Spitalethos. Oder einer zwischen der Helligkeit und neuen Sachlichkeit einer Bauhaus-Spital-Architektur und einer expressionistisch verzerrten Art-Déco-Hölle, das sind nur zwei der vielen Ebenen in einer verblüffenden Schweizerisch-Österreichischen Koproduktion: Den Auftakt zur diesjährigen NIFFF-Reihe zum Fantastischen im Schweizer Film machte ein Biennale-Gewinner von 1935, das Psychiatrie-Drama Die ewige Maske von Werner Hochbaum. Es ist vordergründig das Drama eines Arztes, der glaubt, den Tod eines Patienten verschuldet zu haben und darüber schizophren wird.

    Für die Auswahl ans NIFFF waren wohl vor allem jene Szenen ausschlaggebend, in denen der Doktor Dumartin auf der Suche nach sich selbst durch einen Spitaluntergrund irrt, der von Licht und Schatten, verzerrten Senkrechten und gewellten Waagrechten bestimmt wird. Der Höllengang des Schuldbeladenen ist tatsächlich eine Augenweide – und eine Referenz an die Hochblüte des deutschen Stummfilms.

    Für die Schweiz und ihre Produktionsgeschichte aber mindestens eben so interessant sind ein paar andere Aspekte. Die Produktion der Basler EOS-Film spielt zwar in Basel, wurde aber, der Technik der Zeit entsprechend, vollständig im Studio gedreht – in Wien. Es gibt kaum Aussenszenen, zweimal ist durch Dumartins Laborfenster der Rhein und die mittlere Brücke zu sehen, die Szene, in der er sich ins Wasser stürzt, lässt Basel nicht einmal ahnen. Und sein Absturz im zwielichtigen Nachtclub-Milieu erinnert schon gar nicht an Basel. Die braven Revuemädchen schwingen ihre Beine vor eher neutralem Hintergrund. Aber der Film zeigt nicht zuletzt, dass zu einer Zeit, in der das europäische Kino noch durchaus ein kommerziell-künstlerisches Unterfangen war, Produktionsgesellschaften auch aus der Schweiz international dabei waren. Und dass Hochbaum, der sich von den Nazis nicht vereinnahmen liess, jenseits des Rheins praktisch Arbeitsverbot hatte (zumindest bis zum Erfolg der Ewigen Maske), führte natürlich auch beim Film, wie beim Theater und anderen Künsten, dazu, dass die Schweiz plötzlich talentierte Emigranten beherbergte – nominell oder tatsächlich, aber stets vorübergehend.

    Und auch nicht von der Hand zu weisen: Die ewige Maske liegt thematisch perfekt zwischen Doktor Caligari, Lars von Triers Riget – The Kingdom und unseren modernen Arztserien am TV.

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Nifff 10: DIE EWIGE MASKE von Werner Hochbaum

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