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    Nifff 10: STRIGOI von Faye Jackson

    Von Michael Sennhauser | 7. Juli 2010 - 16:26

    Strigoi von Faye Jackson

    Es ist erstaunlich, wie viele Variationen das Vampir-Thema zulässt, und wie flexibel das Genre sich in verwandte einzumischen versteht. Faye Jacksons Strigoi sind rumänische Vampire, die jeder vernünftige Mensch für Zombies halten würde. Und dann gibt es noch die Unterscheidung zwischen Strigoi morti und Strigoi vivi, toten und lebenden, das heisst, geborenen Strigoi, suggeriert der Film. Die rumänischen Sagenwesen sind faszinierend. Aber auch der Film der Britin ist nicht ohne. Die Mischung aus makabrem Witz und saftiger Balkanisierung fängt schon damit an, dass die Eröffnungeinstellung die Erschiessung des Ehepaars Ceausescu nachinszeniert. Bloss sind es diesmal die Dorfbewohner, die den vormaligen kommunistischen Bürgermeister und jetzigen Grossgrundbesitzer und dessen Frau umbringen. Mangels einer funktionierenden Flinte allerdings mit einer Schaufel. Aber damit fäng die Sache ja erst an.

    Da ist nämlich der junge Vlad, der in Italien sein Glück gesucht hat, aber nur als Hühnerbrater in einer fastfood-Bude untergekommen ist. Der erkennt sein Dorf nicht wieder und ist der einzige, der nicht merkt, dass die Hälfte der Leute, mit denen er zu tun bekommt, schon tot sind. Faye Jackson inszeniert deftig und sehr filmisch, dabei erinnern Dramaturgie und Setting nicht von ungefähr an Roman Polanskis The Fearless Vampire Killers. Die durchwegs grossartigen rumänischen Charakterdarsteller reden ein akzentschweres Englisch, und wenn sie teilweise ein wenig zu viel reden, macht Jackson das mit vielen Details wieder wett. Strigoi ist eine Dorfintrige mit Menschen, die nicht umzubringen sind. Wer das als satirisches Echo auf die Securitate-Diktatur Ceausescus lesen möchte, den wird bestimmt niemand daran hindern. Dass eine Britin den Stoff umsetzt, hat auch seine Richtigkeit, schliesslich hat schon Bram Stoker Vlad den Pfähler geklaut, zum Grafen Dracula gemacht und nach London geholt. Und in einer Szene, in der junge Vlad von der Schönheit der italienischen Städte schwärmt, meint der tote Polizist/Strigoi bloss, das sei nichts für ihn, diese Städte seien alle voller Rumänen.

    Strigoi ist wohl nicht der Wettbewerbsfavorit des NIFFF in diesem Jahr, aber ein würdiges neues und originelles Mitglied in der globalisierten Vampirfilm-Community.

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Nifff 10: STRIGOI von Faye Jackson

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