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    Locarno 10: COLD WEATHER von Aaron Katz

    Von Michael Sennhauser | 9. August 2010 - 23:25

    Cold Weather

    An Hal Hartley erinnert dieser Wettbewerbsfilm, in seinem beharrlichen, langsamen, aber absolut unwiderstehlichen Spannungsaufbau. Aber auch mit der Zeichnung der Figuren. Die vier jungen Menschen, um die herum sich eine Geschichte spielerisch zusammenzieht wie ein Gummitwistgummi, zeichnen sich durch wenig aus. Allenfalls noch Gail, die Schwester des Hängertyps Paul, durch ihre Schönheit. In Portland, Oregon lebt Paul vorübergehend mit seiner Schwester, arbeitet vorübergehend in einer Eisfabrik und freundet sich, nicht vorübergehend, an mit Carlos, einem Kollegen, den er mit Sherlock Holmes – den Original-Geschichten – anfixt.

    Als dieser Carlos sich dann mitten in der Nacht beunruhigt meldet, weil Pauls Ex-Freundin nicht wie ausgemacht zu seinem DJ-Gig erschienen ist, kommt Bewegung in das Trio. Immer mehr und immer komplexere Hinweise tüfteln sie aus, Hinweise darauf, dass Rachel in etwas Seltsames verwickelt ist.

    Cold Weather 2

    Cold Weather setzt ein mit der absolut hinreissenden Musik von Keegan DeWitt und lässt einem lange rätseln, wo die Reise eigentlich hin gehen soll. Soll lange lässt sich in Hollywood niemand Zeit für die Zeichnung der Figuren, die Character-Exposition. Geschweige denn für die Ankündigung überhaupt einer Geschichte, die das standardisierte Kino grundsätzlich als Schuhlöffel braucht. Bei Aaron Katz lernen wir zuerst einmal ganz gemächlich die vier Menschen kennen, ein wenig. Sogar die Tatsache, dass Gail Pauls Schwester ist, erschliesst sich erst nach einiger Zeit und manchmal schlägt das Drehbuch Haken, die sich erst im Rückblick zu erkennen geben. Cold Weather ist ein Film, von dem man aufgrund der Schilderung denken könnte, dass er seinem Publikum viel Geduld abfordert. Das trifft allerdings nicht zu, es gibt keine langweilige Sekunde. Die Figuren sind vielschichtig wie Blumenzwiebeln, man rutscht in ihre Leben hinein ohne Widerstand und lässt sich bald treiben wie Paul, der sein Studium der forensischen Medizin ohne konkreten Ehrgeiz abgebrochen hat. Alles kommt gut, vielleicht, und Paul weiss sogar das fiese Messer einzusetzen, das er aus einem Impuls heraus gekauft hat.

    Dieser Film ist ausgezeichnet und sollte es auch werden – selbst wenn ich mir die zugehörige Jurydebatte nur schwer vorstellen kann, mit konkreten Argumenten ist so einem Scrapbook nicht wirklich beizukommen.

    Topics: Allgemein, Film, Filmbesprechung, Filmfestival | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Die Meinung teile ich absolut. Einer meiner Favoriten bislang.

      Kommentar by Urs — 10. August 2010 @ 10:56

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