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    Berlinale 11: MARGIN CALL

    Von Brigitte Häring | 12. Februar 2011 - 08:59

    Kevin Spacey in 'Margin Call' von JC Chandor

    Kevin Spacey in 'Margin Call' von JC Chandor

    Kann man nach drei Filmen (davon nur zwei im Wettbewerb) schon von einem Trend sprechen? Einem Minitrend vielleicht. Berlinale-Chef Dieter Kosslick ist bekannt dafür, dass er dem Wettbewerb jeweils eine thematische Färbung verleiht. Bis jetzt war diese Färbung „Vergangenheitsbewältigung“: Im Eröffnungsfilm True Grit sahen wir die Auseinandersetzung mit dem Wilden Westen und dessen Demontage bzw. Domestizierung durch Bürokratie und Buchhaltertum. Im ersten Wettbewerbsfilm, Margin Call von JC Chandor wird ein Stück jüngster Geschichte verarbeitet: die Finanzkrise von 2008. Oder es wird zumindest der zaghafte Versuch gemacht, wenigstens eine Ahnung zu vermitteln, was denn nun eigentlich geschah an der Wall Street in den Hypothekenbanken, das zu dieser historischen Krise geführt hat und viele „normale“ Menschen mit kleinen und mittleren Hypotheken in den Ruin getrieben hat. Von denen allerdings ist nicht die Rede im Film des jungen Regisseurs und Autors, der für sein Projekt eine illustre Schauspielerriege gewinnen konnte:

    Demi Moore in 'Margin Call'

    Demi Moore in 'Margin Call'

    Kevin Spacey, Jeremy Irons, Paul Bettany, Demi Moore und Stanley Tucci. Sie sind das Personal einer grossen Bank, deren Geschäfte in einer Nacht den sprichwörtlichen Bach hinunter gehen. Der Film möchte gerne erklären, was da eigentlich passiert ist – und wer die Menschen hinter den dämonischen Bankermasken eigentlich sind. Beides gelingt nicht wirklich: Denn wer, wie ich und wahrscheinlich ganz viele normale Kinogänger, keine Ahnung von Finanzgeschäften hat, wird hier auch nur Bahnhof verstehen. Was man als Zuschauer merkt, ist, dass irgendwelche Analysen und Prognosen, die mit einer Formel und vor allem mit vielen Zahlen zu tun haben, ganz gehörig beängstigende Resultate liefern. Darüber hinaus wird weiterhin nicht klar, was da eigentlich passiert ist. Zum Glück gibt’s Pressekonferenzen. Denn da erklärte Paul Bettany in wenigen Worten, was der Film in vielen nicht konnte: „Banker sind kreative Menschen. Ihre Kreativität besteht darin, dass sie viel mehr Geld erfunden haben, als tatsächlich existiert.“ Danke, Paul. Der Film wolle – wie es laut Regisseur und Schauspielerteam ein Anliegen war – diese seit der Krise dämonisierten Banker als normale Menschen zeigen. Da stellt sich die Frage: Was ist normal? Die einzige Szene, die versucht, diese Figuren ausserhalb ihrer abstrakten Bankengeschäfte zu etablieren, zeigt Kevin Spacey, wie er um seinen Hund trauert, der eingeschläfert werden muss. Ansonsten wird das Universum Bank nie verlassen.

    Vielleicht ist diese Vergangenheit noch zu sehr Gegenwart, um sie schon filmisch überzeugend bewältigen zu können.

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Berlinale 11: MARGIN CALL

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