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    Cannes 11: BIR ZAMANLAR ANADOLU’DA von Nuri Bilge Ceylan

    Von Michael Sennhauser | 21. Mai 2011 - 09:54

    BIR ZAMANLAR ANADOLU'DA par Nuri Bilge CEYLAN (1)

    Es war einmal in Anatolien… das ist der Titel des Films. Aber es ist absolut kein Märchen, das Nuri Bilge Ceylan dieses Jahr erzählt, es sind zwei Geschichten, eingebettet in eine dritte. Die eine wird erzählt von einem anatolischen Staatsanwalt, der zusammen mit einem Amtsarzt, ein paar lokalen Polizisten, zwei Männern mit Schaufeln und ein paar Soldaten unterwegs ist im anatolischen Niemandsland, auf der Suche nach einer vergrabenen Leiche. Den mutmasslichen Mörder und seinen nicht ganz entwickelten Bruder haben sie auch dabei, aber die Suche zieht sich in die Länge, weil der vermutliche Mörder nicht mehr genau weiss unter welchem Baum, bei welchem Brunnen er sein Opfer vergraben hat.

    Der weit über zwei Stunden lange Film ist zunächst vor allem ein sehr langsames Roadmovie. Mit einem Konvoi von zwei Personenwagen und einem Militärjeep sind die Männer unterwegs, von Kurve zu Kurve. Dabei lernt man einige von ihnen ein wenig kennen. Das braucht viel Zeit und viele kleine Szenen, so viele, dass im Saal in Cannes jemand spontan zu applaudieren begann, als einer der Polizisten schliesslich erklärt: „Jetzt wissen wir, wo wir hin müssen.“

    BIR ZAMANLAR ANADOLU'DA par Nuri Bilge CEYLAN (4)

    Faszinierend ist vor allem das Gefühl, dabei zu sein. Mit seinen schönen, dunklen Bildern erinnert der Film an die früheren Werke Ceylans, mehr noch aber als diese erzeugt er die Verbindung zu den Figuren dadurch, dass er einen einfach in ihre Gesellschaft stellt. Als Identifikationsfigur entpuppt sich schliesslich der Arzt, der als humaner Skeptiker immer mehr zu einer Art Maigret-Figur wird.

    Es ist ein seltsames, fast traumartiges Erlebnis, das der Film erzeugt, aber verwurzelt in einem fassbaren Realismus. Wo andere Filme verdichtet, verknappt, dramatisiert ihre Geschichten erzählen, fühlt sich dieser eher an wie ein suchendes Wochenende mit wenig Schlaf und in Gesellschaft von Menschen, die man sich nicht ausgesucht hat. Erst im Rückblick gibt man sich Rechenschaft über die Ungeheuerlichkeiten, von denen man erfahren hat – und die man noch lange nicht ganz begriffen haben wird.

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Der Schluss ist unbefriedigend, weil er so plötzlich endet. Man erfaehrt nicht, welches die Todesursache war, warum er ermordet wurde.

      Kommentar by Monika Friedrich-Bilen — 25. Oktober 2011 @ 20:20

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