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    Locarno 11: HELL von Tim Fehlbaum

    Von Michael Sennhauser | 5. August 2011 - 08:45

    'Hell' von Tim Fehlbaum ©vega

    'Hell' von Tim Fehlbaum ©vega

    Erstlingsgfilme schaffen es in Locarno nur selten auf die Piazza Grande. Aber Tim Fehlbaums Hell ist eine dermassen geglückte Variation auf ein bekanntes Thema, dass man den Film auch im Wettbewerb begrüsst hätte. Fehlbaum begleitet Marie (Hannah Herzsprung) und ihre kleine Schwester Leonie (Lisa Vicari), welche zusammen mit Phillip (Lars Eidinger) in einem alten Volvo unterwegs sind in die Berge. Dort soll es noch Wasser geben. Überall sonst hat die Sonne das Land getötet, die meisten Menschen sind verhungert und verdurstet. Bald schliesst sich ein zweiter Mann der kleinen Truppe an, und ein grosser Vogel, den Phillip in der Luft fliegen sieht, lässt Hoffnung aufkommen, dass in den Bergen tatsächlich noch Leben möglich ist.

    John Hillcoats The Road nach dem apokalyptischen Roman von Cormac McCarthy hat das Szenario vor zwei Jahren schon mit Viggo Mortensen als Vater mit einem kleinen Sohn durchgespielt – bis in die letzte Konsequenz des menschlichen Überlebenskampfes in einer Zeit drastisch reduzierter Ressourcen. Aber The Road war ein Riesenfilm in fast jeder Beziehung, während Hell nicht nur täuschend einfach gemacht ist, sondern vor allem unglaublich nahe geht. Das liegt am dokumentarisch-realistischen Konzept und an der eindringlichen Leistung der Darsteller.

    Hanna Herzsprung in 'Hell' von Tim Fehlbaum ©vega

    Hanna Herzsprung in 'Hell' von Tim Fehlbaum ©vega

    Insbesondere Hannah Herzsprung spielt ihre Marie mit einer Direktheit und einer Energie, welche einen mitten ins Geschehen zieht. Und wenn in der zweiten Hälfte des Films Angela Winkler als unheimliche Patriarchin auf einem zur Überlebensanlage gewordenen Hof auftritt, dann wirkt deren manieriertes Spiel für einmal absolut perfekt – vor allem im Kontrast zu Herzsprung.

    Fehlbaum hat vor allem in Bayern gedreht, der Film spielt im Jahr 2016, und die glaubwürdige Gnadenlosigkeit der alles verbrennenden Sonne wird in erster Linie durch extreme Überbelichtung erzielt. Die Bildgestaltung folgt der wunderbaren Doppeldeutigkeit des Filmtitels, den man sowohl Deutsch wie Englisch verstehen kann. Die bayrische Landschaft wirkt gespenstisch bekannt, auch wenn für etliche Szenen eine Waldbrandzone in Mallorca benutzt wurde.

    Die Dramaturgie des Films ist fast perfekt, die Szenen sind gespenstisch dicht und in seiner Drastik steht der Film in einzelnen Sequenzen den härtesten Genrefilmen nicht nach. Was um so stärker wirkt, da alle übrigen Szenen und die Dialoge intensiv und glaubwürdig alltäglich wirken. Auch in Hell, wie in jedem Genrefilm, gibt es einzelne Figuren, welche bloss Funktionen sind. Aber die zentralen Charaktere sind minimalistisch real und so leidet und fürchtet man von der ersten Minute an mit.

    Tim Fehlbaum und Hannah Herzsprung waren gestern  zu Gast in unserer ersten Locarno-Runde, hier nachzuhören.

    Tim Fehlbaum

    Tim Fehlbaum

    Topics: Allgemein, Film, Filmbesprechung, Filmfestival | 3 Kommentare »

    3 Comments

    1. Hallo,
      ich habe es leider nicht ins Kino geschafft und hoffe daher jetzt auf eine Ausgabe auf DVD. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, u.a. auch deswegen, weil die Handlung eine gewisse Aehnlichkeit aufweist mit einem Manuskript, das ich vor ca. 40 Jahren geschrieben habe und vielleicht, vielleicht nächstes Jahr als Hörspiel vertonen werden. SF-Romane habe ich in meiner Kindheit und Jugend verschlungen. Und eigentlich haben sie mich heute noch nicht los gelassen. Und wenn es sich dann auch noch um eine Nicht-Hollywood-Produktion handelt, wächst mein Interesse zusätzlich.
      Viele Grüsse
      Olaf Eggert

      Kommentar by Olaf Eggert — 31. Oktober 2011 @ 13:19

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