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    Locarno 11: TANATHUR von Tawfik Abu Wael

    Von Michael Sennhauser | 11. August 2011 - 16:15

    Tanathur 1

    Oh je. Der zweite Wettbewerbsfilm aus Israel, gedreht vom palästinensischen Theatermacher Tawfik Abu Wael, ist eine Tortur. Und für einmal liegt das nicht daran, dass es sich um einen in die länge gezogenen Kurzfilm handeln würde: Das wäre auch als Kurzfilm nicht besser geworden. Im Kern geht es um ein gut situiertes palästinensisches Paar in Jerusalem. Er ist Chirurg und hat sich in sie verliebt, als sie ihn um eine Abtreibung bat – mit diesen Szenen setzt der Film ein.

    Sie ist Schauspielerin, eine schlechte übrigens, im Film wie in der Rolle, und ausgesprchen kapriziös. So unaustehlich egozentrisch und egoistisch tatsächlich, dass ich fast eine Stunde lang dachte, es sei vielleicht gar nicht der Film, der mir so sehr auf die Nerven ging, sondern bloss die Figur.

     

    Tanathur 2

    Das kommt vor, langjährige Erfahrung hat mir gezeigt, dass unangenehme Figuren in guten Filmen ungemein spannend sein können. Aber Tanathur ist schon darum kein guter Film, weil er einem keine Chance lässt, die angebliche grosse Liebe zwischen der jüngeren Frau und dem älteren Chirurgen zu glauben. Sie möchte man am liebsten schon nach zehn Minuten zum Teufel jagen (er schafft es erst am Ende des Films, sie in Paris endlich sitzen zu lassen), er tut einem leid, weil zum Nervenwrack geworden ist und somit auch als Chirurg nicht mehr taugt. Sie träumt vom Auswandern nach Paris, kann sich aber nicht wirklich von einem Jungregisseur losreissen, der ihr Rollen anbietet, auch wenn sie auf der Bühne versagt.

    Tanathur 3

    Geschichten von leidenschaftlichem Anziehen und Abstossen haben Kinotradition, die amour fou ist und bleibt ein zentraler Sehnsuchtsort auf der Leinwand. Aber in Tanathur bleibt das alles Behauptung. Dass die Schauspielerin Lana Haj Yahia ein Gesicht hat, auf dem ein permanentes spöttisches Lächelnl eingebrannt ist, dafür kann sie nichts. Aber dieser Gesichtsausruck ist ihr einziger. Viel schlimmer allerdings wiegt der Umstand, dass der palästinensische Hintergrund dieser missratenen Woody-Allen-Figuren palästinensisch ist. Da wird die Trennmauer ins bild gerückt, sie verlieben sich, nachdem sie an einer Strassensperre aus dem Auto geholt wurden, und er schwankt offenbar zwischen ärztlichem Pflichtbewusstsein und ihrem Auswanderungswunsch.

    Tanathur 4

    Die theatralischen Elemente kommen auch nicht zu kurz, bis hin zu einer Szene, welche zumindest das Echo von Harvey Keitel und Kate Winslet in Jane Campions Holy Smoke trägt: Er brinbgt ihr Ohrringe, sie weist sie zuerst zurück und hängt sie dann doch ein, dann schminkt sie erst sich und dann ihn mit Lippenstift und er beginnt für sie zu tanzen – bis sie schon wieder die Nase voll hat und sich langweilt.

    Tanathur 5

    Ich bin zweimal erschrocken in diesem Film. Das erste Mal, als ich dem Chirurgen am liebsten zugerufen hätte: „Schmeiss die Frau doch einfach raus und lebe dein Leben“. Und das zweite Mal am Schluss, als ich vollkommen zynisch dachte: Schön zu sehen, dass es in Israel auch Palästinenser mit echten Problemen gibt…

    Vielleicht ist das ja die heimliche Absicht des Films, mich auf meine zynisch-bösartige Seite zu reduzieren. Dann har er hervorragend funktioniert.

    Tawfik Abu Wael

    Tawfik Abu Wael

    Topics: Allgemein, Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Locarno 11: TANATHUR von Tawfik Abu Wael

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