Ken Russell gestorben

Mit 84 Jahren ist gestern der britische Regisseur Ken Russell gestorben. Russell war der grosse Provokateur des britischen Kinos, mit der sexuell freizügigen D.H. Lawrence-Verfilmung Women in Love hat er 1970 Sittenwächter und den Vatikan provoziert, den internationalen Durchbruch geschafft und seiner Hauptdarstellerin Glenda Jackson zum Oscar verholfen. Mit der opulenten filmischen Umsetzung der Rock-Oper Tommy von «The Who» wurde Bad-Boy-Russell selber zu einer Art Rockstar des Kinos, das exaltierte, provozierende Element, das die Bürgerschreck-Pose der 70er Rock-Musik prägte, fand in seinen Filmen ein kinematografisches Aequivalent. Russell hat sich in vielen filmischen Genres getummelt, vom phantastischen Drogen-Thriller bis zur Musikerbiographie, etwa zu Gustav Mahler, dabei blieb die Provokation stets sein Markenzeichen.

Filmpodcast Nr. 261: Der Italiener, Once Upon A Time in Anatolia, Paolo Poloni.

Der Italiener vegafilm
©vegafilm

Kino im Kopf mit Brigitte Häring. Heute: Der Schweizer Dokumentarfilm Der Italiener von Paolo Poloni und das langsame türkische Road-Movie Once Upon A Time in Anatolia von Nuri Bilge Ceylan. Michael Sennhauser hat beide gesehen. Regisseur Paolo Poloni war ausserdem zum ausführlichen Gespräch zu Gast bei Susanne Brunner im Tagesgespräch. Und dazu wie immer die fünf Kurztipps und eine Tonspur zum erraten.

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Die Unverpassbaren, Woche 47

Es war einmal in Anatolien... ©trigon
Es war einmal in Anatolien... ©trigon

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen.

  1. Bir Zamanlar Anadolu’da – Once Upon a Time in Anatolia von Nuri Bilge Ceylan. Eine Art Maigret in einem türkischen Antonioni-Post-Western. Oder auch nicht. Jedenfalls 150 Minuten, in denen nichts dem Zufall überlassen wird, aber viel der Phantasie.
  2. Melancholia von Lars von Trier. Wo die Welt in so viel Schönheit untergeht, wollen wir nicht hinten anstehen.
  3. This Must Be The Place von Paolo Sorrentino. Sean Penn als kindlicher Altrocker on the road. Eine Coming of Age-Geschichte in feinstem Autoreverse.
  4. Day is Done von Thomas Imbach. Hypnotisch visueller, akustisch privater, in der Gesamtwirkung überwältigender Blick auf ein Leben in Zürich.
  5. A Dangerous Method von David Cronenberg. Überraschend kühl und zugleich komisch zeichnet Cronenberg das psychoanalytische Dreieck Jung-Spielrein-Freud als als ironische Geisterbeschwörung.

Im Filmpodcast morgen mehr. Zu Anatolia und zu Der Italiener von Paolo Poloni.

Filmpodcast Nr. 260: Melancholia, This Must Be The Place, Campo nomadi, David Cronenberg.

Sean Penn in 'This Must Be The Place' ©frenetic
Sean Penn in 'This Must Be The Place' ©frenetic

Kino im Kopf: Heute mit Lars von Triers Melancholia, Paolo Sorrentinos This Must Be The Place und mit Campo nomadi, einem neuen Tessiner Dokumentarfilm. Ausserdem das ausführliche Gespräch mit David Cronenberg zu A Dangerous Method. Und dazu wie gewohnt Kurztipps und Soundtrack-Spiel.

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Die Unverpassbaren, Woche 46

Justine (Kirsten Dunst) in 'Melancholia' (Klick für Vollbild/Screenshot)

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen.

  1. Melancholia von Lars von Trier. Wo die Welt in so viel Schönheit untergeht, wollen wir nicht hinten anstehen.
  2. This Must Be The Place von Paolo Sorrentino. Sean Penn als kindlicher Altrocker on the road. Eine Coming of Age-Geschichte in feinstem Autoreverse.
  3. Day is Done von Thomas Imbach. Hypnotisch visueller, akustisch privater, in der Gesamtwirkung überwältigender Blick auf ein Leben in Zürich.
  4. A Dangerous Method von David Cronenberg. Überraschend kühl und zugleich komisch zeichnet Cronenberg das psychoanalytische Dreieck Jung-Spielrein-Freud als als ironische Geisterbeschwörung.
  5. Off Beat von Jan Gassmann. Ein Schweizer Rohdiamant, schrieb Brigitte Häring von der letzten Berlinale.

Im Filmpodcast morgen mehr. Zu Melancholia, This Must Be The Place und mit David Cronenberg.

David Cronenberg zu A DANGEROUS METHOD

David Cronenberg ©universal
David Cronenberg ©universal

Eigentlich habe er mit filmischen Mitteln eine Wiederauferweckung (resurrection) seiner Figuren erreichen wollen. Also nichts weniger, als Freud, Jung und Spielrein wieder zum Leben zu erwecken. Meint David Cronenberg im Interview. Und auch wenn er es nicht wörtlich sagen mag: Freud steht ihm näher als Jung.

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Duisburg 11: DIE HERDE DES HERRN von Romuald Karmakar

Die Herde des Herrn

Karmakar ist unerbittlich. Da machen zwei Jungs Faxen in die Kamera, während er 2005 die Schaulustigen und Wander-Pilger filmt, welche Ratzingers Geburtsort Marktl stürmen, in den Tagen, in denen Deutschland Papst geworden ist. Und Karmakar fragt hinter der Kamera ganz sachlich, warum sie feixen. Und auf die Erklärung des einen, „um auch einmal am Fernsehen zu kommen“: Ob das denn wichtig sei? Wann haben wir den letzten Dokumentarfilm gesehen, der schon bei seiner Entstehung didaktisch wirksam wurde? „Duisburg 11: DIE HERDE DES HERRN von Romuald Karmakar“ weiterlesen

Duisburg 11: NICHTS FÜR DIE EWIGKEIT von Britta Wandaogo

Nicht für die Ewigkeit

Ein Film wie ein Rückfall. Oder stimmt das doch nicht? Es kommt selten vor, dass es mich so schüttelt im Kino, und noch seltener, dass ich an einer der Duisburger Diskussionen emotional Achterbahn fahre. Ist die Frau da oben auf dem Podium, die uns eben das Leben und das Sterben ihres heroinsüchtigen Bruders vorgeführt hat, bei Trost? Ist der Film Trost? Ich weiss nicht, was mich mehr fasziniert: Die ruhige, klare und direkte Art, wie Britta Wandaogo mit den Fragen zu ihrem Film umgeht, oder der Gedanke daran, was die Frau für eine Entwicklung hinter sich hat, wie sie es geschafft hat, nicht nur zu überleben, sondern dies gleichzeitig innerhalb und ausserhalb der kleinbürgerlichen Vorgaben ihrer Herkunft. Am Ende der Diskussion bin ich hingerissen, mehr als her. Und ich habe in meiner eigenen Arroganz wieder einmal einen Dämpfer erfahren: Man kann die Welt offensichtlich auch spüren, nicht nur klassifizieren. „Duisburg 11: NICHTS FÜR DIE EWIGKEIT von Britta Wandaogo“ weiterlesen

Duisburg 11: DER SCHATTEN DES PROPHETEN von Christian Kobald und Philippe Mayrhofer

Der Schatten des Propheten

Das Bild des Mannes mit dem Kopftuch und dem finsteren Blick ist im Senegal, vor allem in Dakar, allgegenwärtig. Es geht zurück auf die einzige erhaltene Fotografie des Religionsgründers der Muriden, Scheich Amadou Bamba Mbacké, von den Anhängern seiner Sufi-Bruderschaft auch Sériñ Touba genannt. Bevor ich diesen Film gesehen hatte, wusste ich nichts über ihn. Das einzige, was ich schon gelesen hatte: die Muriden stellen den grössten Anteil der Emigranten aus dem Senegal. Auch den beiden Filmemachern war nicht viel bekannt über ihn, aber beide waren fasziniert von der Logo-artigen Qualität des Bildes. Wie kommt ein Mann, der vor über hundert Jahren geboren wurde, zu dieser Omnipräsenz? Denn sein Konterfei ist in Dakar allgegenwärtig, auf Wänden, in Schaufenstern, auf Reklametafeln, auf Amuletten. „Duisburg 11: DER SCHATTEN DES PROPHETEN von Christian Kobald und Philippe Mayrhofer“ weiterlesen