Cannes 12: KILLING THEM SOFTLY von Andrew Dominik

Brad Pitt
Brad Pitt als Auftragskiller

Andrew Dominik hats mit den amerikanischen Mythen. Und mit Brad Pitt. Der war schon in The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford von 2007 Geschmackssache. Diesmal bezieht sich der Titel (auch) auf seine Figur. Der Film spielt in der Zeit des Wahlkampfes, Bush und Obama sind abwechselnd auf allen Bildschirmen zu sehen und zu hören. Aber im Vordergrund kämpfen ein paar Loser ums Überleben, überfallen ein illegales Spielcasino und ziehen damit den Zorn eines nicht näher definierten Syndikates auf sich.

Brad Pitt spielt den Killer, der schliesslich für die Aufräumarbeiten herbeigezogen wird. Er seinerseits zieht aus New York den nicht mehr ganz taufrischen Micky (James Gandolfini) bei, der sich aber als völlig abgehalftert erweist.

Der Film fängt mit endlosen Dialogen an, die sich fast schon wie Parodien auf Tarantino anhören, aber nicht nur nie mehr aufhören, sondern auch noch von Figr zu Figur überspringen. Alle haben sie Loghorrhoe, selbst jene Figuren, welche von der Charakterzeichnung her eigentlich als Lakoniker einzuschätzen wären.

James Gandolfini
James Gandolfini

Schon früh macht der Film seinen einzigen Angelpunkt fest: Den Vergleich des wirtschaftlichen Niedergangs von Corporate America mit der von anonymen CEOs geführten Welt des Syndikats. Wenn das endlose, wenn auch oft sehr amüsante und auf jeden Fall packend gespielte Gelaber der Figuren dauernd mit Bush und Obama parallel geschnitten wird, ist das nach spätestens zwanzig Minuten vor allem aufdringlich.

Richard Jenkins
unverwüstlich: Richard Jenkins

Und wenn dann am Ende Brad Pitt all die schönen Worte der Politiker und jene seines Kontaktes mit der simplen Aussage „America is a business“ kontert, dann ist das nicht mehr wirklich der angestrebte Höhepunkt des Films, sondern bloss noch das Reader’s Digest.

Killing them Softly ist dermassen stilwütig und auf cool getrimmt, dass der Film über weite Strecken eher langweilt. Style over Substance. Und die wenigen wirklich gelungenen Höhepunkte wirken ihrerseits wieder wie Zitate. Andrew Dominiks neuer Film kommt daher wie ein intellektualisierter Tarantino und ist damit ein Widerspruch in sich selber.

Andrew Dominik
Regisseur Andrew Dominik

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