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    Cannes 12: ON THE ROAD von Walter Salles

    Von Michael Sennhauser | 23. Mai 2012 - 12:27

    Sam Riley, Kristen Stewart, Garrett Hedlund

    Sam Riley, Kristen Stewart, Garrett Hedlund

    Was für ein Jammer. Es ist traurig, wenn Vorfreude enttäuscht wird. Aber es ist, zumindest in Cannes, noch trauriger, wenn Vorurteile sich bestätigen. Und bei diesem Film ist die „gepflegte Langeweile“ welche mein geschätzter Kollege L befürchtet hat, nur gerade der Vorname. On the Road ist ein lebender Leichnam, ein Film, der bestenfalls die Farben des Buches durchschimmern lässt, wie unter Schutzatmosphäre abgepacktes Gemüse durch die Klarsichtfolie einer Vakuumverpackung.

    ‚On the Road‘ galt und gilt wie die meisten Kultbücher als unverfilmbar. Francis Ford Coppola hat sein Leben lang versucht, den Stoff zu knacken; sein Sohn Roman als Produzent ist nun zusammen mit dem einschlägig vorbestraften Walter Salles (Diarios die Motocicleta, 2004) definitiv gescheitert.

    Marylou 'On The Road': Kristen Stewart

    Marylou ‚On The Road‘: Kristen Stewart

    An den Schauspielern liegt das nicht. Sam Riley bringt als Sal Paradise alias Jack Kerouac eine zurückhaltende Intensität auf die Leinwand. Sein Gesicht erinnert nicht nur physisch manchmal an den jungen Leonardo DiCaprio. Garrett Hedlund als Dean Moriarty hat sowohl den Charme und das Charisma, wie auch die kaum verdeckte Verantwortungslosigkeit. Kristen Stewart bringt wieder die wilde Sehnsucht und Unbekümmertheit, mit der sie in Sean Penns Into the Wild überrascht hatte. Und selbst Kirsten Dunst funktioniert als Camille, gewinnt der heroisch farblosen Rolle eine gewisse Tiefe ab.

    Sam Riley als Sal Paradise

    Sam Riley als Sal Paradise

    Der Film scheitert am gleichen Fehler, den viele Literaturverfilmungen machen: Er versucht, das Lebensgefühl der Protagonisten in nachgestellten Szenen zu evozieren. Dazu fährt er hunderte von authentischen 40er Jahre Autos auf, geht an exotische Drehorte, konzentriert sich auf Schlüsselszenen und ist fast schon obsessiv in seinem Blick auf die sexuellen Experimente der Figuren. Solche Wörtlichkeit funktioniert nur bei Büchern, die von der Erzählung leben, von der chronologischen Abfolge von Ereignissen.

    Dean (Garrett Hedlund) und Sal (Sam Riley) in Mexico

    Dean (Garrett Hedlund) und Sal (Sam Riley) in Mexico

    Der Wert und die Faszination von Kerouacs Buch aber liegt in seiner Wirkung. Spannend ist das, was während des Lesens in meinem Kopf passiert. Die Sehnsucht, die er weckt, die Begeisterung für Wörter, Bilder, Gefühle.

    Wer ein Kultbuch verfilmt, muss das Erlebnis seiner Lektüre umsetzen, nicht den Text. Und sich bewusst sein, dass dieses Erlebnis ein individuelles ist, und zeitgebunden. David Cronenberg ist dem 1991 sehr nahe gekommen mit seiner Burroughs-Umsetzung von Naked Lunch. Und sieben Jahre später ist Terry Gilliam mit Fear and Loathing in Las Vegas eine Lektüre von Hunter S. Thompsons Buch gelungen, die noch immer nachwirkt bei jüngeren Generationen.

    Walter Salles hat Illustrationen gebaut, Szenen nachgestellt, Momente fabriziert. Aber das Leben, das Kerouacs Figuren suchen, leben, verlieren, sich wünschen: Von dem ist keine Spur in diesem Film.

    Walter Salles

    Regisseur Walter Salles

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Stimme vollkommen zu, obwohl ich das Buch nicht gelesen habe und nur seine Legende kenne.
      Welch großer (finanzieller) Aufwand mag in dem Film stecken!? Dafür kommt er aber dem Feeling leider nicht auf die Spur.
      Dabei ist Salles einer meiner Lieblingsregisseure, angefangen bei Central Station. Die Schauspieler sind allesamt gut ausgesucht und die Musik ist spitze.

      Kommentar by Sonia — 6. Juli 2012 @ 23:02

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