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    Cannes 12: THE PAPERBOY von Lee Daniels

    Von Michael Sennhauser | 24. Mai 2012 - 12:00

    Nicole Kidman

    Nicole Kidman

    Nicole Kidman im „oversexed Barbiedoll“-Modus (Zitat aus dem Film) ist so ziemlich die einzige wirklich interessante Figur in diesem überwürzten, überstürzten, zu einem Brei verkochten Sumpfland-Thriller. Der lokale Zeitungsverleger (Scott Glenn) und seine beiden Söhne, Journalist Ward (Matthew McConaughey) und der von der Schule geflogene Schwimmer Jack (Zac Efron) sind eher Funktionen als Charaktere. Der von John Cusack gespielte widerliche Todesstrafe-Kandidat Hillary Van Wetter, um dessen Schuld oder Unschuld am Mord an einem rassistischen Sheriff sich die Geschichte dreht, lehrt einen zwar das Fürchten, sonst aber gar nichts.

    Die einzige Figur, an welcher Regisseur Lee Daniels wirklich ein Interessen zu haben scheint, ist das langjährige schwarze Hausmädchen der James-Familie. Sie ist es auch, die in einer ansonsten völlig unmotivierten Rahmenhandlung als Erzählerin eingeführt wird.

    Matthew McConaughey, Zac Efron

    Matthew McConaughey, Zac Efron

    Die von Kidman gespielte „White Trash“-Vierzigerin Charlotte Bless hat es sich in den Kopf gesetzt, den Todeskandidaten aus dem Gefängnis zu holen und zu heiraten. Der Journalist will Schlampereien in der Prozessführung aufdecken und dafür ebenfalls die Unschuld des Verurteilten beweisen. Sein kleiner Bruder will zunächst eigentlich gar nichts, dann aber unbedingt die Sex-Barbie heiraten – wohl wegen seines Mutterkomplexes, wie das Hausmädchen es sich erklärt.

    Und, eh ich es vergesse, Van Wetter und sein noch widerlicherer Vater sind echte Sumpfmänner; sie leben vom Töten und Häuten wilder Alligatoren. Die Themen des Films sind Rassismus, Lust an sexueller Gewalt und Gewalt überhaupt und ein wenig vielleicht noch das Justiz-System und das Newspaper-Business.

    John Cusack

    John Cusack

    Lee Daniels machte 2009 mit Precious Furore, der Geschichte eines übergewichtigen, illliteraten, häuslicher Gewalt ausgesetzten schwarzen Mädchens. Der Film war so drastisch wie sein Thema, hat schockiert und eingeschlagen.

    Aber The Paperboy ist nun nicht viel mehr als Trash-Kino. Nicole Kidman ist mit Herz und Körper dabei, pisst auf Zac Afrons Gesicht (vom Drehbuch wohl motiviert notabene), spreizt die Beine und zerreisst sich die Strumpfhose im Schritt für ihren Gefängnis-Beau. Das ist alles kalkuliert schockierend gemeint, wirkt aber eher peinlich. Zumal die gute Charlotte im letzten Drittel des Films ihr wahres, trauriges Gesicht zeigen darf, und Nicole Kidman damit Gelegenheit bekommt, schauspielerische Breite zu demonstrieren.

    Irgendwie hätte das mit Nicolas Cage, ein paar aufgemotzten Autos und einem Cajun-Soundtrack Spass machen können. Aber der Film will ernst genommen werden … das ist fast schon tragisch.

    Lee Daniels

    Regisseur Lee Daniels

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | 2 Kommentare »

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