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    Cannes 12: COSMOPOLIS von David Cronenberg

    Von Michael Sennhauser | 25. Mai 2012 - 15:52

    Robert Pattinson

    Robert Pattinson

    „Ihre Prostata ist asymmetrisch.“ Das erklärt der Ersatzarzt dem 28jährigen Milliardär Eric Packer (Robert Pattinson) beim Checkup in der weissen Stretchlimousine. Der Mann mit den Gummihandschuhen ist zu der Diagnose gelangt, während sein Klient sich mit seiner Analystin Vija Kinsky (Samantha Morton) über Währungsveränderungen und Geldflüsse unterhielt.

    Kurz davor ist Juliette Binoche für einen Quickie zugestiegen, und um Packer einen Rothko schmackhaft zu machen. David Cronenberg packt den Roman von Don DeLillo in ein stockend durch New York cruisendes Roadmovie mit unablässig dialogenden Figuren. Dabei hält er sich, so weit ich das auf die Schnelle überprüfen konnte, an die vorgegebenen Dialoge des Romans, was beim Publikum hier in Cannes zu etwelchem Schnaufen und Stöhnen geführt hat.

    Juliette Binoche

    Juliette Binoche

    Dabei ist der Film ein echter Cronenberg. In seiner Fiebrigkeit erinnert er an frühe Werke wie Videodrome, auch in seinem souverän wirkenden Blick auf die Läufe der Finanzwelt. Schwer zu sagen, wie viel Bluff hinter den Sätzen der Hauptfigur und seiner Gesprächspartner steckt. Den Masters of the Universe-Ton haben sie jedenfalls mindestens so gut drauf wie seinerzeit die Yuppies in Tom Wolfes „Bonfire of the Vanities“.

    Keine Ahnung, wie dicht Cronenberg an DeLillos Roman bleibt. Ich werde es aber bald wissen, denn zehn Minuten nach Verlassen des Kinos habe ich mir das Buch auf den eReader geholt. Cronenbergs Films fasziniert, die Bilder und der Rhythmus hämmern einen vorwärts, sogar Robert Pattinson wirkt für einmal wie ein souveräner Schauspieler und nicht bloss wie ein abgekämpfter Vampir. Aber was wirklich trägt, sind die Dialoge, die Wort- und Satzkaskaden, die sich um Ideen winden, Moral und Zuständigkeit und Abhängigkeiten erforschen.

    Robert Pattinson Gun

    Robert Pattinson

    Cronenberg ist ein Film gelungen, der für sich selber besteht, und gleichzeitig Lust auf den Roman macht. Und da die wenigen handlungsgetriebenen Plotpoints nicht im Zentrum stehen, gibt es auch keinen Grund, sich nicht ausgiebig auf die Lektüre zu freuen.

    Packer stellt übrigens im Film die Frage, welche Leos Carax in Holy Motors beantwortet: Wo gehen all die Limousinen hin in der Nacht, welche tagsüber in der Stadt umherfahren?

    Und ja, Packer wäre am Ende nicht am Ende, wäre er dem Beispiel seiner Prostata gefolgt. Erklärt Paul Giamatti in einer rund zwanzigminütigen Rede- und Gegenredesequenz am Ende des Films. Da hat er wahrscheinlich recht.

    David Cronenberg

    David Cronenberg

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | 1 Kommentar »

    1 Kommentar

    1. Habe das Buch gelesen und das war wirklich genial.Ich finde es aber schwierig, das in einen Film zu transportieren. Werde mir den Film aber auf jeden Fall anseheen.

      Kommentar by ChuckyEleven — 12. Juni 2012 @ 09:40

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