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    Locarno 12: JACK AND DIANE von Bradley Rust-Grey

    Von Michael Sennhauser | 3. August 2012 - 00:02

    Jack and Diane 1

    Jack and Diane ist ein Song von John Cougar Mellencamp und als Filmtitel absichtlich irreführend. Denn das Liebespaar des Songs (der nicht vorkommt im Film, dafür ist die „Only you“-Version der Flying Pickets zentral) ist noch keines hier, Diane ist ein sehr junges blondes Zwillingsmädchen. Und Jack ist ein nicht viel älteres, burschikoses Mädchen, eine butch lesbian. Es geht um die Schrecken und Verwirrungen der ersten grossen Liebe und Leidenschaft und dafür findet der Film Bilder, die überraschen – wenn man nicht gerade ein Liebhaber des Genrekinos ist. Denn schon die ersten Einstellungen zeigen Blut und suggerieren ein haariges Monster, welches in der einen oder der anderen jungen Frau lauert.

    Mich hat das an den Wermädchen-Film Ginger Snaps erinnert, auch wenn jener ganz klar Genrekino ist und Jack and Diane eine ziemlich feinfühlige coming of age-Geschichte mit ein paar groben Effekten.

    Jack and Diane 2

    Dass ein Mann die zwei jungen Mädchen inszeniert hat, ist doch einigermassen verblüffend, trägt aber wohl mit dazu bei, dass der Blick stets ein wenig irritierend bleibt. Der Realismus und vor allem die Leidenschaft dahinter erinnern an Léa Pool, insbesondere Lost and Delirious, aber zentral bleibt dabei die erste, erschreckende Leidenschaft, die Liebe, die schmerzt und noch mehr Projektion ist als Realität. Das zeigt sich am deutlichsten in den Szenen, in denen die kindliche blonde junge Frau ihre fürsorgliche Tante beschimpft mit der ganzen Absolutheit eines unzurechnungsfähigen Teenagers – bloss um Minuten später die Freundin mit altersweiser Abgeklärtheit zur Rede zu stellen.

    Jack and diane 3

    Dass Kylie Minogue eine kleine Rolle als lesbische Tätowiererin und mütterliche Liebhaberin von Jack innehat, ist dabei in erster Linie ein Promotionscoup für einen kleinen Film, der sonst wohl kaum weit in der Welt herumkommen würde. Und doch ist die immer auch ironisch gebrochene Teenagergeschichte anrührend und voller Nachklang. Und die Monstrositäten bleiben metaphorisch haften: Auch wenn sie in erster Linie auf die Sexualität und ihre Wirkung zielen, bleibt ihre Wirkung als Bild für das erratische Gefühlsleben in jungen Jahren haften. Diane mag träumen davon, wie sie Jacks Herz verschlingt. Die wahren Schrecken lauern anderswo und gehen auch viel leichter wieder vergessen.

    jack and Diane 4

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 12: JACK AND DIANE von Bradley Rust-Grey

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