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    Berlinale 13: GLORIA von Sebastián Lelio

    Von Michael Sennhauser | 10. Februar 2013 - 18:52

    Paulina García

    Paulina García

    Die bleibende Einstellung dieses chilenischen Filmes ist ein kurzes Bild gegen Ende hin: Eine nackte Frau und eine nackte Katze auf einem Bett. Beide sind nicht ins Auge springend schön. Und beide sind in ihrem Leben ein wenig verloren. Die Katze hat sich verlaufen, sie gehört in die Wohnung einen Stock höher. Und Gloria ist sich selber abhanden gekommen in ihrer kurzen Beziehung zu einem Mann, der nicht auf die Abhängigkeit seiner Ex-Frau und seiner Töchter verzichten kann.

    Gloria ist einer dieser Filme, die eigentlich nur aus Exposition bestehen. Von der ersten Einstellung an zeigt er die Lebensumstände der Titelfigur. Sie ist seit zehn Jahren geschieden, geht auf die sechzig zu und verbringt ihre Freizeit mit Yoga, Enkel hüten und abendlichen Tanzveranstaltungen für Singles. Da lässt sie sich auch immer wieder kurz mit Männern ein, bis sie auf diesen Rodolfo trifft.

    Paulina García, Sergio Hernández

    Paulina García, Sergio Hernández

    Der ist charmant und scheu zugleich, hat dank einer Magenband-Operation massiv an Gewicht verloren und eindeutig Lust auf ein neues Leben. Nur lässt ihn das alte offensichtlich nicht los. Seinen beiden erwachsenen Töchtern gegenüber verheimlicht er die Beziehung zu Gloria. Und die permanenten Anrufe nimmt er entgegen mit dem Hinweis, die beiden seien von ihm ebenso abhängig, wie seine Ex-Frau, die auch nicht arbeite.

    1 Paulina García

    An einem Familienabend, zu dem ihn Gloria mitnimmt, geniesst er zunächst ausdrücklich das, was er bei sich nie hatte: Zusammenhalt und Wärme. Verlässt aber die Wohnung abrupt, als Gloria und ihr Ex-Mann gemeinsam leicht angetrunken von früher schwärmen.

    Gloria

    In vielen, zum Teil sehr schmerzlichen Szenen wird das Leben der Titelfigur eingekreist und skizziert. Das kommt einem mitunter ziemlich nahe, sowohl ihre Angst vor der Einsamkeit wie auch ihre Trauer über die verlorene Jugend. Die dringt immer wieder ein, vor allem über die Tanz- und Discoschlager der 70er und 80er Jahre, die an den Singles-Abenden laufen und die Gloria im Auto hingebungsvoll mitsingt.

    Paulina García Sergio Hernández

    Lelio erweist sich als klares Talent im Aufbau der Sequenzen, im Einkreisen von Stimmungen und beim Umschlag derselben. Allerdings läuft der Film erst zu einer inszenatorischen Hochform auf, als er schon fast vorbei ist. Zur eingangs skizzierten Einstellung gesellen sich noch ein paar mehr, eine etwa, die Glorias Kopf unter einem kreisenden Haartrockner zeigt, der wie ein Roboterheiligenschein wirkt. Oder die wahrhaft kathartische Szene, in der sie sich endgültig von ihrem zaudernden Liebhaber löst und ihre Rache mit herzhaftem Lachen feiert.

    3 Paulina García Sergio Hernández

    Am Ende des Films sehen wir sie wieder tanzen, natürlich zu dem Song, der dem Film wohl den Titel gegeben hat. Und irgendwie wirkt das ein wenig wie ein Verrat des Regisseurs an seiner Figur: Sie ist wieder dort, wo wir sie am Anfang getroffen haben, mit dieser konservierten Begeisterung für ein Lebensgfühl, das ein Sommerhit in uns allen noch Jahrzehnte später auslösen kann… und das Kinopublikum reagiert genau wie die Figur mit nostalgischer Verzückung. Das ist entweder sehr abgefeimt vom Regisseur Sebastián Lelio. Oder ein bisschen billig.

    Sebastián Lelio

    Sebastián Lelio

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Berlinale 13: GLORIA von Sebastián Lelio

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