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    Locarno 13: EL MUDO von Daniel und Diego Vega

    Von Michael Sennhauser | 8. August 2013 - 14:00

    El mudo (5)

    Dass der Mann, der in Daniel und Diego Vegas zweitem Spielfilm (der erste war Octubre) den Namen Constantino trägt, ist kein Zufall. Constantino Zegarra (Fernando Bacilio) ist ein gewissenhafter, pedantischer Richter, der stets die volle Härte des Gesetzes spielen lässt – in einer Gesellschaft, in der sich alle anderen konstant arrangieren, bis hin zu seinem Vater, seiner Frau und seiner Tochter.

    In der ersten Szene des Films wird er von der Mutter eines von ihm Verurteilten verflucht und beschimpft. Er findet seine Autoscheibe eingeschlagen und am nächsten Tag stellt er fest, dass er versetzt worden ist, weg aus Lima, zurück in die Provinz. Und auf dem Weg nach Hause wird er durch die eingeschlagene Autoscheibe hindurch angeschossen.

    El mudo (1)

    Zegarra ist überzeugt, dass jemand es auf ihn abgesehen hat. Während seine ganze Umgebung und die Polizei von einer verrirrten Kugel von einer Schiesserei ausgeht. Und so wird Constantin Zegarra zu einem modernen Michael Kohlhaas – die Gerechtigkeit ist blind, aber die Ungerechtigkeit ebenfalls heisst es im Trailer zum Film.

    El mudo (2)

    Die Brüder Vega inszenieren das als aberwitzige Mischung aus Realismus und leichter Überzeichnung. Das zeitgenössische Peru erscheint dabei als ein Land, das sich weder seiner Vergangenheit noch seinen Problemen stellt. Und Zegarra, der einzige, der die Korruption und Kungelei nicht schweigend hinnehmen oder gar aktiv betreiben will, verliert durch den Schuss, der ihn am Hals trifft, die Stimme. Daher der Titel des Films, El mudo, der Stumme.

    El mudo (3)

    Die Ironie ist doppelt, denn in seinem unbedingten Wunsch nach Aufklärung und Bestrafung der Täter versteigt er sich in genau jene illegalen, aber alltäglichen Beziehungs- und Intrigensysteme, die er eigentlich verachtet. Als Schauspieler ist Fernando Bacilio der weitgehend stummen Rolle mehr als gewachsen, zumal er meistens nur griesgrämig aussehen muss. Seine Figur lebt vom Paradox, dass er zwar der einzige aufrechte Mensch im Spiel ist, dadurch aber für seine Umgebung und uns im Publikum nicht zum Sympathieträger wird. Eigentlich tut er einem auch nur einmal wirklich leid, als er in Tränen ausbricht über den Entschluss seiner Tochter, nicht Jura zu studieren.

    Die filmische Inszeniereung setzt auf mittlere Nähe und eine weitegehend unauffällige Kamera, bis auf eine Szene an einer Geburtstagsfeier für die Tochter, die mit subjektiver Kamera so gefilmt wird, dass man zuerst glaubt, als Zegarra druch die Gäste zu gehen, bis er ins Bild kommt.

    El mudo (4)

    Und noch auffälliger ist das Spiel mit der sparsam eingesetzten Musik von Oscar Camacho. Die ist fast nur zu hören, wenn Zegarra die von ihm Verdächtigten beschattet und der Film sich ein klein wenig genremässig gebärdet, mit wahrhaft musikalischem Gusto.

    El mudo ist einer dieser Pechvogelfilme, welche die Tragik einer Hiobsfigur mit der lakonischen Komik eines Buster Keaton verbinden. Manchmal umweht die verbohrte Hauptfigur gar ein Hauch von Donald Duck.

    Daniel Vega

    Daniel Vega

    Kein Film, der sich einfach wieder aus dem Gedächtnis stiehlt. Eher schon einer, der es sich bei etlichen anderen solcher Seltsamkeiten in den hinteren Winkeln einnistet und einen mit einem leisen, verzweifelten Lachen später wieder heimsucht.

    Diego Vega

    Diego Vega

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Locarno 13: EL MUDO von Daniel und Diego Vega

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