Filmpodcast Nr. 370: Bilanz der 49. Solothurner Filmtage

Reflexe live aus dem Solothurner Café Barock Foto © Marcy Goldberg
Reflexe live aus dem Solothurner Café Barock Foto © Marcy Goldberg

Kino im Kopf diese Woche von den 49. Solothurner Filmtagen, die am Donnerstag zu Ende gegangen sind. Eric Facon (Mitte) und Michael Sennhauser haben Bilanz gezogen mit Filmtagedirektorin Seraina Rohrer (rechts), das Gespräch fand im Solothurner Café Barock statt.

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Die Unverpassbaren, Woche 05 – 2014

'Philomena' von Stephen Frears © Pathé
‚Philomena‘ von Stephen Frears © Pathé

Noch eine Woche länger erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen.

  1. 12 Years a Slave von Steve McQueen. Der schwarze britische Künstler zeigt dem immer noch weissen Hollywood, wie ein Film über Sklaverei schon längst hätte sein sollen.
  2. Philomena von Stephen FrearsDie tragische Geschichte um Zwangsadoption im katholischen Irland der fünfziger Jahre hätte Frears vielleicht auch ohne Judi Dench verfilmen können. Aber er hat den Film mit ihr gemacht, und nun führt kein Weg mehr daran vorbei.
  3. Nebraska von Alexander Payne. Der Mann, der About Schmidt mit Nicholson erzählte, klaut uns jetzt das Herz mit Bruce Dern als altem Sack on the Road. Knochentrockene Contempo-Americana.
  4. A Touch of Sin von Zhangke Jia. Ein China-Neo-Gangster-Rache-Western, bzw. ein Wutfilm voller Witz und Zähne, dichte Satire aus dem Land des schnellen Aufstiegs.
  5. La vie d’Adèle von Abdellatif Kechiche. Ja, lesbischer Sex ist da auch drin. Vor allem aber die erste, die grosse Liebe, und der grosse Schmerz. Mehr Leben ist im Kino nicht zu haben.

Morgen im Filmpodcast die Bilanzrunde mit Seraina Rohrer zu den 49. Solothurner Filmtagen.

SFT 14: DAWN von Romed Wyder

Joel Basman in 'Dawn' von Romed Wyder © Dschoint Ventschr
Joel Basman in ‚Dawn‘ von Romed Wyder © Dschoint Ventschr

Manche Filme ewischen einen sozusagen kalt. Romed Wyder hat aus dem mittleren Teil von Elie Wiesels ‚Elisha‘-Trilogie ein fliessendes, manchmal statisches, manchmal dramatisches Kammerspiel gemacht. Der junge Holocaust-Überlebende Elischa (Joel Basman) hat sich 1947 dem zionistischen Untergrund in Palästina angeschlossen. Im Kampf gegen die britische Verwaltungsmacht wurde einer der Kämpfer gefangen genommen und soll gehängt werden. Um ihn freizupressen haben die Aktivisten im Gegenzug einen britischen Offizier entführt und drohen nun ihrerseits, diesen zu erschiessen, sollte kein Austausch zustande kommen.

Im Kern ist das eine dramatische Bühnenanlage. Da sind vier Männer und eine Frau während der Ausgangssperre in einem Haus zusammen, im Keller der Gefangene, von dem sie wissen, dass sie ihn wahrscheinlich im Morgengrauen erschiessen müssen.
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SFT 14: TINO – FROZEN ANGEL von Adrian Winkler

Matin 'Tino' Schippert © xenix
Matin ‚Tino‘ Schippert © xenix

Martin ‚Tino‘ Schippert, der legendäre erste Boss der Zürcher Hell’s Angels, ist zweifellos eine faszinierende Figur. Willi Wottreng hat seine Geschichte 2002 im Buch Tino – König des Untergrunds. Die wilden Jahre der Halbstarken und Rocker rekonstruirt. Und jetzt hat der Videojournalist und Filmemacher Adrian Winkler sein über Jahre zusammengetragenes Material zu einem Dokumentarfilm verdichtet. Man erfährt einiges über den zornigen jungen Mann, der erst bei der Schweizer Marine auf dem Rhein anheuerte, ein Töffli klaute und über erste Knasterfahrung schliesslich im Kreise gleichgesinnter Proto-Rocker in Zürich eine Karriere als Berufsrebell machte.

Sein im Film immer wieder beschworenes Charisma führte ihn in Gesprächsrunden mit Friedrich Dürrenmatt und Sergius Golowin, bei den Globus-Krawallen spannten die linken Aktivisten mit den kampferprobten Rockern zusammen, die Hell’s Angels wurden zu einem Medienphänomen, dem sie schliesslich selber erlagen. Und Tino flüchtete vor zunehmender staatlicher Repression schliesslich nach Südamerika, wo er zwischen Flucht, Gefängnis und Dschungel schliesslich unter einem Mangobaum frühzeitig starb. „SFT 14: TINO – FROZEN ANGEL von Adrian Winkler“ weiterlesen

SFT 14: VIELEN DANK FÜR NICHTS von Stefan Hillebrand und Oliver Paulus

Nikki Rappl, Joel Basman, Bastian Wurbs © Praesens-Film
Nikki Rappl, Joel Basman, Bastian Wurbs © Praesens-Film

Rüpel im Rollstuhl, ein überraschend wirkungsvolles Konzept für einen Film. Stefan Hillebrand und Oliver Paulus, seit Jahren mehrheitlich gemeinsam tätig, nehmen den Schongang aus der filmischen Weichspülmaschine raus und setzen darauf, dass ein Film mit Behinderten nur dann nicht herablassend sein kann, wenn den Protagonisten zumindest theoretisch die gleiche Handlungsfreiheit zusteht wie allen anderen Figuren.

Der von Joel Basman gespielte Valentin findet sich nach einem Snowboardunfall querschnittgelähmt im Rollstuhl wieder. Seine Wut darüber lässt er an seiner Umgebung aus, auch und gerade an den anderen Behinderten im Südtiroler Reha-Zentrum. Die allerdings waren wohl allesamt schon an dem Punkt und reagieren mit überraschendem Gleichmut auf das Ekelpaket. Bis Valentin merkt, dass er in den „Spastis“ loyale und humorvolle Verbündete gefunden hat, gegen die Zumutungen des Alltags. „SFT 14: VIELEN DANK FÜR NICHTS von Stefan Hillebrand und Oliver Paulus“ weiterlesen

SFT 14: TRAUMLAND von Petra Volpe

Traumland © Filmcoopi
Traumland © Filmcoopi

Dieser Film ist so etwas wie das Gegenstück zu Men Lareidas Viktoria – A Tale of Greed and Grace, der ebenfalls gestern in Solothurn gezeigt wurde. Er ist aber auch eine Art Antwort auf Christoph Schaubs Happy New Year von 2008. Traumland spielt am Tag von Heiligabend in Zürich und folgt den Schicksalen von einzelnen Menschen und ihren Angehörigen. Vier von ihnen haben im Verlauf des Tages zu tun mit einer jungen Prostituierten aus Bulgarien, und alle verraten sie und sich irgendwann direkt oder indirekt.

Da ist die von Ursina Lardi gespielte Frau eines Kunden von Mia, die erst ihren Mann zur Rede stellt und später bei der jungen Frau in Erfahrung zu bringen sucht, was genau den Mann angezogen haben könnte. Ein anderer Kunde wird von André Jung gepielt. Er lädt Mia aus lauter Einsamkeit gegen Bezahlung zum Essen zu sich nach Hause ein und verleugnet sie dann absolut erbärmlich, als sich wenigstens ein Teil seiner Familie doch noch am Tisch einfindet. „SFT 14: TRAUMLAND von Petra Volpe“ weiterlesen

SFT 14: VIKTORIA – A TALE OF GRACE AND GREED von Men Lareida

Franciska Farkas © HesseGreutert Film AG
Franciska Farkas © HesseGreutert Film AG

Jetzt, da der Zürcher Strassenstrich geschlossen (oder von der Strasse verdrängt) worden ist, taucht er im Film auf. Und ganz ähnllich wie dies in der aktuellen Diskussion um Freierverbote oder Prostitutionsverbote abläuft, scheint es fast unmöglich, sich für eine bestimmte Perspektive zu entscheiden. Men Lareida (von ihm stammt der Dokumentarfilm über den Schweizer Rennfahrer Jo Siffert – Live Fast Die Young) versucht es in seinem Spielfilmdebut mit der Perspektive einer schönen jungen Frau aus den Randquartieren von Budapest, die sich vom Zürcher Strassenstrich das schnelle Geld erhofft.

Viktoria weiss ziemlich genau, worauf sie sich einlässt, als sie nach dem Vorbild zweier protzender Kolleginnen nach Zürich aufbricht, von Zwangsprostitution kann da zunächst mal keine Rede sein. In Zürich gerät sie allerdings schnell in eine Spirale von Druck, Gewalt, Erpressung, Medikamentenmissbrauch und gezielt geschürter Konkurrenz.

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SFT 14: DER GOALIE BIN IG von Sabine Boss

© Ascot-Elite
Kein Neo-Bug, sondern ein echter Käfer © Ascot-Elite

Mit einem schiefernden Geräusch auf der Tonspur fängt es an. Dann kommen die Beine ins Bild, die Stiefel, welche einen Kiesel über die nasse Strasse kicken. Eigentlich habe alles schon viel früher angefangen, stösst die Erzählerstimme dazu. Und dann: Zigarette anzünden, das Gesicht von Marcus Signer wird farbig erleuchtet, ein kurzer Blick in die Kamera, und eine Slide Guitar beginnt zu singen.

Ein traumhafter Anfang für die Verfilmung eines Romans, die eigentlich gar nicht hätte gelingen dürfen. Ein paar Bilder, Sätze, Töne und man ist drin. „SFT 14: DER GOALIE BIN IG von Sabine Boss“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 369: 12 Years A Slave, Steve McQueen

Steve McQueen auf dem Set von '12 Years A Slave' © ascot-elite
Steve McQueen auf dem Set von ’12 Years A Slave‘ © ascot-elite

Kino im Kopf mit Michael Sennhauser. Ausgerechnet in der Auftaktwoche der 49. Solothurner Filmtage haben wir eine eher kurze Filmrolle – was vor allem daran liegt, dass wir mit den Filmtagen eben erst loslegen. Hier geht heute sozusagen exklusiv um die Sklaverei und Steve McQueens 12 Years A Slave. Aber Kurztipps und Tonspur habe ich natürlich auch heute.

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SFT 14: AKTE GRÜNINGER von Alain Gsponer

Paul Grüninger (Stefan Kurt)
Paul Grüninger (Stefan Kurt) © Disney Schweiz

Akte Grüninger ist für die Solothurner Filmtage ein beinahe idealer Eröffnungsfilm: Es ist eine Spielfilm-Uraufführung von einem Schweizer Regisseur. Kinostart ist gleich im Anschluss an die Filmtage, was bedeutet, dass der Filmverleiher Disney den grössten Teil der Medienarbeit schon geleistet hat. Und der Film wurde ursprünglich von C-Films, SRF und Arte als Fernsehfilm konzipiert – das schliesst eine mögliche Publikumsüberforderung nicht völlig aus, minimiert aber doch das Risiko erheblich.

Vor allem aber ist der „Fall“ Grüninger nur noch pseudobrisant. Ähnlich wie beim 2012 überaus erfolgreichen Film Der Verdingbub geht es auch in Akte Grüninger um ein einst kontroverses Thema, zu dem mittlerweile fast vollständige Einigkeit herrscht: Um Paul Grüninger, den „Oskar Schindler von St. Gallen“. „SFT 14: AKTE GRÜNINGER von Alain Gsponer“ weiterlesen