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    NIFFF 14: DER SAMURAI von Till Kleinert

    Von Michael Sennhauser | 9. Juli 2014 - 14:53

    Der Samurai © salzgeber.de

    Der Samurai © salzgeber.de

    Es ist so wenig los rund um die deutsche Kleinstadt, in der Polizist Jakob aufgewachsen ist, dass er sogar angefangen hat, heimlich den Wolf zu füttern, der neuerdings durch die Gegend streift. So lange er ihn füttert, lässt er ja vielleicht die Hunde und den Abfall in Ruhe. Aber dann kommt aus dem Wald eine neue Figur: Ein Mann in langem weissem Kleid, mit aufreizenden Kinski-Lippen, blonder Mähne und mit einem Samurai-Schwert.

    Pit Bukowski spielt den schweigsam-spöttischen Schwertkämpfer mit einem Gesicht und einer Intensität, die extrem an Klaus Kinski erinnern. Er ist viel mehr als nur die Antithese zum jungen Ordnungshüter, wenn er gepützelte Vorgärten zerstört, im Monroe-Kleid gegen die Motorrad-Gang antritt und dabei die Leichtigkeit und Überlegenheit eines Erzengels ausstrahlt.

    Der Samurai Pit Bukowski © salzgeber.de

    ‚Der Samurai‘ Pit Bukowski © salzgeber.de

    Und der faszinierte und zunehmend panische junge Polizist tritt ganz offensichtlich vor allem gegen sich selber an, gegen die Welt, die ihn geprägt hat und die zu schützen er sich vorgenommen hat.

    Polizist Jakob: Michel Diercks © salzgeber.de

    Polizist Jakob: Michel Diercks © salzgeber.de

    Die Assoziationskette, welche dieser Film auslöst ist schier endlos, von Herzogs Kaspar Hauser-Film Jeder für sich und Gott gegen alle über Finchers Fight Club, Stephan Lacants Freier Fall vom letzten Jahr (wie Der Samurai bei Edition Salzgber) bis zu Mathieu Seilers Der Ausflug. Und zugleich ist Der Samurai im höchsten Grad originell, reif, furchtlos und wild entschlossen zum poetischen Spott.

    Dass der vom Berliner Kollektiv Schattenkante unter anderem mit Hilfe von Crowdfunding produzierte Film vor allem an phantastischen und schwullesbischen Filmfestivals auftaucht, ist nicht überraschend. Aber auch nicht zwingend. Die Motive sind da, der Samurai köpft nicht nur Hunde und Gartenzwerge, sondern schliesslich auch Menschen, der Polizist wehrt sich gegen die mehr als erotische Anziehung, die von dem Wesen ausgeht. Aber endgültig klassifizierbar ist dieser Film nicht, allenfalls als sehr originelles, eigenständiges Kunst-Werk mit Herz, Verstand, Mut und Schwert.

    'Der Samurai'-Regisseur Till Kleinert © salzgeber.de

    ‚Der Samurai‘-Regisseur Till Kleinert © salzgeber.de

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kommentare deaktiviert für NIFFF 14: DER SAMURAI von Till Kleinert

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