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    Locarno 14: FIDELIO – L’ODYSSÉE D’ALICE von Lucie Borleteau

    Von Michael Sennhauser | 10. August 2014 - 10:35

    Fidelio

    Ein Mädchen in jedem Hafen und Kameraden auf hoher See. Die Schiffer-Romantik weht wie ein Kindergespenst durch diesen ansonsten fast dokumentarisch präzisen Hochseefilm. Und die wunderbare Ariane Labed spielt die Hauptrolle, den zweiten Schiffsingenieur, die einzige Frau an Bord des rund dreissig Jahre alten Containerschiffs „Fidelio“.

    In den ersten Einstellungen sehen wir sie nackt im Wasser schwimmen, eine Meerjungfrau, aber aufs Land zu, an den Strand, wo ihr neuer norwegischer Freund auf sie wartet. Später, auf dem Schiff, auf dem sie angeheuert hat, ist der Kapitän ein Mann ihrer Vergangenheit, ihre erste grosse Liebe, aus ihrer Kadettenzeit.

    Danielsen Lie und Ariane Labed

    Anders Danielsen Lie und Ariane Labed

    Ein Mann an Land und einer auf See: Für Alice scheint das möglich, auch wenn sie zunächst den Kapitän zurückweist, die Vergangenheit lieber abstreifen würde. Aber es gibt da noch den Toten, der ihre Kabine zuvor bewohnt hat und ein Tagebuch zurückgelassen hat. Es gibt eine Dieselmotorgruppe, die zu Unregelmässigkeiten neigt und den Tod ihres Vorgängers verursacht hat. Und es gibt philippinische Matrosen, die vor dem Ablegen mit Ritualen die Maschine zu bändigen versuchen.

    Fidelio

    Es ist dieses ganz selbstverständliche Aufeinandertreffen von präzise dokumentiertem Schiffsalltag auf einem dieser von winzigen Mannschaften betreuten Ozeanriesen, den anachronistischen Gebräuchen und Ritualen der Seeleute und der ewigen Frage nach Wahlverwandschaft und Freiheit des Liebens, welche diesen Film von Lucie Borleteau so unwiderstehlich macht.

    Alice im Motorenland

    Alice im Motorenland

    Eine moderne junge Frau in einem Männerberuf unter Männern, in aller Selbstverständlichkeit, und zugleich beiläufig realistisch in den Alltag skizziert, das entwickelt eine ungeahnte Faszination. Ob sie sich taktisch geschickt einer sexuellen Belästigung entzieht oder ganz selbstverständlich unter den Männern ihre Rolle als einer der ihren und doch anders einnimmt: Die Szenen wirken stimmig alltäglich.

    Ariane Labed als Alice

    Ariane Labed als Alice

    Borleteau macht sich die dokumentarische Faszination für diese Welt maximal zu Nutzen, um darin eingesponnen Geschichten um das Lieben mit Optionen und die absolute Liebe ohne Garantien zu zeichnen, poetisch, realistisch, feinfühlig und packend.

    Melvil Poupaud

    Melvil Poupaud

    Der Film nutzt wie der ebenfalls im Wettbewerb von Locarno laufende Ventos de Agosto die dokumentarischen Grundlagen, das detailliert recherchierte Umfeld, für die Einbettung seiner fiktiven Versuchsanordnungen. Insofern ist die so flexible Alice eine Schwester der sehnsüchtig zupackenden Shirley in Ventos de Agosto.

    (67. Filmfestival Locarno, Concorso internazionale)

    Lucie Borleteau

    Lucie Borleteau

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 14: FIDELIO – L’ODYSSÉE D’ALICE von Lucie Borleteau

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