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    Locarno 14: A BLAST von Syllas Tzoumerkas

    Von Brigitte Häring | 12. August 2014 - 14:00

    Angeliki Papoulia

    Angeliki Papoulia

    A Blast, das heisst «eine Explosion». Dieser Film des 36jährigen griechischen Regisseurs Syllas Tzoumerkas ist eine einzige eineinhalbstündige Explosion der Wut einer ganzen Generation. Schon seit einigen Jahren drehen die etwa 25 bis 40jährigen griechischen Filmemacher Werke, die von der Krise im Land erzählen, von der ausweglosen Situation, in der diese Generation praktisch unverschuldet gelandet ist.

    Aber ich habe noch keinen griechischen Film gesehen, der dies dies so ungeschminkt, unverstellt und wörtlich getan hat. A Blast ist weder Kommentar noch Allegorie auf die Misere Griechenlands. Er ist noch nicht einmal eine Übertreibung. Der Film ist ein schonungsloses Bild eines Landes, das schon lange nicht mehr am Abgrund steht, sondern schon hineingefallen ist.

    A Blast 2

    Alles beginnt mit einem Waldbrand, irgendwo an einer Küste Griechenlands. Der Brand ist der vorweggenommene Schluss einer krassen und tragischen Familiengeschichte, die vielleicht alle Schlüsselprobleme Griechenlands etwas zugespitzt, aber nicht wirklich übertrieben auf sich vereint. In recht wild und kunstvoll montierten Rückblenden (manchmal auch in doppelt verschachtelten) wird erzählt, warum die junge Ehefrau eines Kapitäns und dreifache Mutter Marie (eindrücklich: Angeliki Papoulia) die Kinder bei ihrer Schwester abgibt und – das ist schon nach einigen Minuten klar – warum sie für diesen Waldbrand verantwortlich ist.

    A Blast 5

    Es ist eine Geschichte, wie es sie zigtausendfach in Griechenland gibt: Die Eltern haben jahrzehntelang keine Steuern bezahlt, die nun erwachsenen Kinder sollen jetzt, in der Krise, die Fehler der Eltern ausbaden. Während die dreifache Mutter Marie versucht, die Steuerschulden der Familie mit allen Mitteln irgendwie zu tilgen, schläft sich ihr Mann Yannis als Frachterkapitän um die ganze Welt – mit Frau und Mann, um sich nur ja nicht mit den Problemen zuhause auseinander setzen zu müssen. Auch wenn er einmal zuhause ist, sieht man ihn fast nur bei leidenschaftlichen Liebesszenen mit seiner Frau Marie. Die Schwester Maries und deren Mann versuchen derweil, die Schuld der Eltern an die Immigranten weiter zu schieben und verkehren in ultranationalistischen Kreisen.

    A Blast 4

    Formal und stilistisch ist der Film wie ein Thriller gedreht – das wirklich Verstörende daran ist aber, dass man am Ende das Kino verlässt und merkt: Das ist eigentlich nur ein Abbild der Wirklichkeit, alles im Film kann praktisch wörtlich genommen werden. Da ist diese Generation, die von zwei Seiten betrogen und bedroht wird: die Eltern haben die Misere verursacht, die Kinder werden von der immer grösser werdenden nationalistischen Bewegung vereinnahmt. Wütender und wörtlicher als in A Blast von Syllas Tzoumerkas habe ich dieses Generationendilemma noch nicht erzählt bekommen.

    (67. Filmfestival Locarno, Concorso internazionale)

    Syllas Tzoumerkas

    Syllas Tzoumerkas

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 14: A BLAST von Syllas Tzoumerkas

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