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    Locarno 14: PAUSE von Mathieu Urfer

    Von Michael Sennhauser | 14. August 2014 - 21:30

    André Wilms und Baptiste Gilliéron © filmcoopi

    André Wilms und Baptiste Gilliéron © filmcoopi

    Manchmal ist es einfach gut, keine allzu grossen Ambitionen zu hegen. Musiker Sami ist zufrieden damit, mit seinem alten Alkoholikerfreund Férnand durch die Lokale zu ziehen und seine Country-Musik zu spielen. Er komponiert und tüftelt an Songs. Und er lebt eben gerade wieder in seinem Auto, weil ihn seine Freundin nach vier Jahren rausgeschmissen hat.

    Das erklärt er Julia, die er an einer Tankstelle trifft. Und vier Jahre später ist er mit Julia am gleichen Punkt. Manchmal ist es einfach gut, keine allzu grossen Ambitionen zu hegen, hat sich glücklicherweise wohl auch Drehbuchautor, Regisseur und Musiker Mathieu Urfer gesagt, als er sich auf seinen ersten Spielfilm vorbereitet hat.

    Baptiste Gilliéron, Julia Faure © filmcoopi

    Baptiste Gilliéron, Julia Faure © filmcoopi

    Das ist darum ein Glück, weil er aus der Verquickung der romantischen Komödie und dem Musikerfilm ein erstaunliches Maximum herausholt. Was der Geschichte an Exotik abgeht, ersetzt er durch szenische Einfälle, originelle Erzählweise, charmante Szenen, starke Schauspieler und seine eigene, mitreissende Musik.

    Julia Faure, Baptiste Gilliéron © filmcoopi

    Julia Faure, Baptiste Gilliéron © filmcoopi

    Der Titel ist auch fast schon der Plot. Wenn die Frau davon läuft, oder einen anderen hat, erklärt der Alte dem Jungen, dann ist das nicht so schlimm. Dramatisch wird es erst, wenn sie dich schonen will und nach einer Beziehungspause verlangt. Und das tut Julia dann natürlich und Sami geht in Overdrive, bzw. versinkt in Selbstmitleid, abwechlungsweise.

    Irgendwo in Pause steckt der Geist eines Berliner oder New Yorker Szene-Films, der sich nach Lausanne verirrt hat. Und dem es da gefällt. Zwischen dem grossartigen Veteranen André Wilms und Aki Kaurismäkis Kameramann Timo Salminen entfalten eine ganze Reihe von Jungschauspielern ihre Talente, versprühen borstigen Charme und einen Unterton von Wahrhaftigkeit und Wehmut.

    André Wilms, Baptiste Gilliéron © filmcoopi

    Urfer schreckt auch vor den billigeren Drehbuchkonventionen der romantischen Komödie nicht zurück. Um die Liebe seiner Protagonisten wieder zu kitten, greift er zum bewährtesten Mittel der Filmgeschichte und peppt das dann mit seiner eingängigen Musik wieder auf. Aber man soll Komödien ihre Konventionen nicht übel nehmen. Sie sind die Wegweiser auf dem Vitaparcours des Kinos. Und von Mathieu Urfer darf man wohl weitere und wachsende Filme erwarten. Pause macht schon mal durchaus Freude.

    (67. Filmfestival Locarno, Piazza Grande)

    Mathieu Urfer

    Mathieu Urfer

    Topics: CH Film, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 14: PAUSE von Mathieu Urfer

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