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    Venedig 15: ABLUKA (Frenzy) von Emin Alper

    Von Brigitte Häring | 11. September 2015 - 15:00

    Berkay Ates

    Berkay Ates

    Der Film Abluka des 41jährigen türkischen Regisseurs Emin Alper spielt in einem alptraumhaft düsteren Istanbul: ständig erschüttern Bombenexplosionen die Stadt, ganze Viertel sind abgeriegelt und nur per Checkpoint zu erreichen. Die Geheimpolizei rekrutiert Spitzel.

    Eine düstere Vision der Stadt Istanbul zeichnet Alper, sein Film ist düster und dunkel, seine Figuren einsam und unglücklich. Abluka beginnt als Drama und wird dann aber nach und nach zu einer albtraumhaften Parabel, in der die Wege der Protagonisten unheilvoll verknüpft werden.

    Mehmet Ozgur, Berkay Ates

    Mehmet Ozgur, Berkay Ates

    Es ist Winter und grau oder dunkel in der grössten Stadt der Türkei – in diesen Winter wird Kadir aus 20jähriger Gefängnishaft entlassen (warum er drin war, erfährt man nicht). Unter einer Bedingung: er muss für die Geheimpolizei den Müll in seinem Wohnviertel auf verdächtige Gegenstände untersuchen. Kadir hat einen jüngeren Bruder, Ahmet, der auch in diesem Teil der Stadt lebt und der für die Stadt streunende Hunde erschiessen muss.

    Berkay Ates

    Berkay Ates

    Trotz dem freundlichen Drängen Kadirs lässt sich Ahmet nicht auf eine Beziehung mit seinem lange abwesenden Bruder ein und nimmt stattdessen einen Hund auf, den er angeschossen hat. Er schliesst sich mit seinem Hund immer mehr ein, öffnet nicht mehr die Tür, ignoriert das Telefon und steigert sich langsam in eine Paranoia hinein. Und wir uns als Zuschauer fast mit ihm, denn das ständige Klingeln der Türglocke, das laute Klopfen, das Telefon sind so auch im Kino fast unerträglich, so dass man sich wie Ahmet hinter dem Sessel verstecken möchte und sich die Ohren zuhalten.

    Mehmet Ozgur

    Mehmet Ozgur

    Kadir wiederum macht sich Sorgen um den kleinen Bruder und wittert seinerseits ein Komplott von Terroristen gegen seinen Bruder – umso mehr, als ihn die Geheimpolizei drängt, nun endlich einen Terroristen in seinem Viertel aufzudecken.

    Das passiert aber alles ganz langsam: Abluka beginnt als düsteres Drama, als Geschichte eines lange abwesenden Mannes (grossartig als Kadir: Mehmet Özgür) der seinen Platz in der neuen/alten Nachbarschaft wieder sucht – und diese gleichzeitig verrät, weil er sie als potenzielle Terroristen sehen muss, wenn er ihren Müll durchsucht.

    Tulin Ozen, Mehmet Ozgur

    Tulin Ozen, Mehmet Ozgur

    Für Kadir, der trotz Unterbringung bei einem freundlichen Ehepaar eine unglaubliche Einsamkeit ausstrahlt, ist der Wiederbeginn schwierig – und er zählt auf seinen Bruder Ahmet (ebenfalls ganz gross: Berkay Ates). Dem wiederum sind soeben Frau und Kinder davon gelaufen und er erlebt seine ganz eigene Krise.

    In diesem Umfeld von Terroranschlägen, von Verdächtigungen und Denunziationen schaffen es die Brüder nicht, einander näher zu kommen und sich gegenseitig Halt zu geben. Stattdessen steigern sie sich beide, jeder für sich und gegenseitig, in den Wahnsinn, bis sie sich damit gegenseitig zerstören.

    Mehmet Ozgur

    Mehmet Ozgur

    Das ist mit langem Atem erzählt und hat doch unglaublich grosse Dringlichkeit. Eindrücklich zeigt der Film, was ein Klima von Misstrauen, Terror, unbedingtem Gehorsam mit Menschen anrichtet, sie zugrunde richtet. Emin Alpers Abluka ist meisterliche Erzählkunst, wie man sie im Wettbewerb von Venedig dieses Jahr selten gesehen hat.  Diesem Film ist durchaus ein Preisgewinn, wenn nicht gar der Goldene Löwe, zuzutrauen.

    Regisseur Emin Alper

    Regisseur Emin Alper

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kommentare deaktiviert für Venedig 15: ABLUKA (Frenzy) von Emin Alper

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