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    Duisburg 15: PISTOLEROS von Karin Becker, Silvia Wolkan & Aline László

    Von Michael Sennhauser | 5. November 2015 - 12:50

    Ionutz_Rondo

    «Western Leone» heisst die Geisterstadt in Spanien. Und bevölkert ist sie von ein paar wenigen Menschen, Pferden und Hunden. Und dem Geist der grossen Vergangenheit. Denn hier, in Spanien, wurde einst nicht nur Sergio Leones C’era una volta il West gedreht, sondern hunderte von Italowestern.

    Einst war das brettergenagelte Kulissenstädtchen eine lukrative Location, später immerhin noch eine Touristenattraktion mit Saloon, Show-Duellen und Pferdeausflügen. Aber die Zeiten sind vorbei.

    Ionutz_Kassenhaus

    Bei ihrem ersten Besuch fanden die drei Filmemacherinnen bloss Leere vor, übersetzte Eintrittspreise für das Echo stiller Verzweiflung – und einen rauchenden Cowboy im Kassenhäuschen.

    Ladenfrau

    Zum Glück sind sie trotzdem wieder hingefahren, haben unrealistische Forderungen für Drehgenehmigungen heruntergehandelt und die paar wenigen übrig gebliebenen Menschen der verbliebenen Minimalshow allein schon dadurch verblüfft, dass sie keine Schauspieler mitbrachten.

    Cowboy

    Pistoleros könnte genau so gut oder noch besser Desperados heissen. Der halbstündige Dokumentarfilm zeigt das Leben des verbliebenen Besitzerpaares und seiner drei oder vier Angestellten in der Kulissenstadt. Etwas unterhalb der grossen Überlandstrasse sitzen sie in ihren Bretterbuden, beim Ton eines herannahenden Autos dreht der Chef hoffnungsvoll die Lautsprechermusik auf und die Duellanten gehen in den Standby-Modus.

    Ionutz_tot

    Aber meist kommt keiner. Und der junge Mann aus Rumänien möchte längst wieder nach Hause, bevor er sich hier im Niemandsland zu Tode langweilt. Andrerseits ist der winzige Lohn, den er mit der Warterei auf seinen Einsatz als sterbender Pistolero vor dem Saloon verdient, offenbar immer noch so hoch, dass ihn die Angehörigen zu Hause am Telefon anflehen, auszuharren.

    Genara

    Die Frau des Besitzers erinnert an ihre frühere Schönheit, an die glorreichen Zeiten, und daran, dass ihr Mann von seinen Mitbesitzern im Stich gelassen worden sei, als es vorbei war mit dem Boom. Das Los habe ihm «Western Leone» zugesprochen, mit dem ganzen Schuldenberg, der dazu gehörte.

    Genara_Interview

    In angemessen schönen Breitwandbildern zeigen die Filmemacherinnen das abgehalfterte Städtchen und seine stoischen Bewohner und Protagonisten. Der Hauch des Western ist stets da, der Mythos, die Künstlichkeit der gnadenlosen Welt von Django und Nobody.

    Antonio

    Das Warten auf potentielle Kunden erinnert an die nervöse Glorie von Gary Cooper in High Noon eben so wie an unzählige Geier aus unzähligen Italo-Western aus längst vergangenen Tagen.

    Pistoleros geht ans Herz.

    www.chrfilmproduktion.de

    Topics: Dokumentarfilm, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Duisburg 15: PISTOLEROS von Karin Becker, Silvia Wolkan & Aline László

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