Mindestens vier mal wurde Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich alleine“ bereits verfilmt, am bekanntesten wurde wohl Alfred Vohrers Version mit Hildegard Knef von 1975.
Aber jetzt heisst der neue Film Alone in Berlin, hat mit Brendan Gleeson und Emma Thompson einen Iren und eine Engländerin in den Hauptrollen, und Regie führt der Schweizer Schauspieler Vincent Perez. Und selbstverständlich sprechen alle Englisch, für mindestens eighty Pfennig, mein Fjurer.
Es ist schwer zu sagen, wie dieses sauber geschriebene und handwerklich recht ordentlich gemachte Stück Europudding in deutscher Synchronisation wirken wird. Wahrscheinlich etwas besser. Der ganze Fundus von Babelsberg ist drin, Potsdam, der ehemalige Flughafen Tempelhof und viele viele Autos, Fahrräder, Kleinvehikel und nachgedruckte Originalplakate aus Hitlers Deutschland.
Und Daniel Brühl als Komissar Escherich, das ist der Kriminalist, der den Quangels mit modernen Rasterfahndungsmethoden schliesslich auf die Postkartenschliche kommt.
Im Plot hält sich das Drehbuch recht eng an den Roman. Otto Quangel (Brendan Gleeson) ist Werkmeister in einer industriellen Schreinerei, seine Frau Anna mit abnehmender Begeisterung in einer Quartier-Frauengruppe für Hitlers Rüstungskampf. Und beide haben mit dem Kriegstod ihres Sohnes den letzten Rest Verständnis für Hitlers Deutschland verloren. Quangel beginnt anonyme Widerstandspostkarten zu schreiben und verteilt sie mit Hilfe seiner Frau bald in der ganzen Stadt.
Das ganze Gruselkabinett vom Denunzianten über die Kleinkriminellen, die brutalen SS-Offiziere und die duckmäuserischen Nachbarn ist versammelt; was in Falladas Roman noch eine genuine Aufarbeitung der Zustände gewesen ist, wirkt hier grossenteils wie direkt aus der Nazifilm-Kasperle-Kiste zusammengeklaubt. Natürlich hat das mit der Ausstattung zu tun, und mit dem Umstand, dass es schon so viele bessere und noch viel mehr schlechtere Filme zum Thema gegeben hat.
Aber nichts wirkt eben staubiger und künstlicher als ein auf maximalen Realismus getrimmter Spielfilm mit detailreicher originalgetreuer Ausstattung und dann der falschen Sprache. Es gibt viele starke Momente, insbesondere zwischen Brendan Gleeson und Emma Thompson. Aber bezeichnenderweise sind die stärksten davon genau jene, in denen die beiden unter sich sind.
Alone in Berlin ist Publikumskino, einer jener Filme, die uns daran erinnern, was passiert ist, und vor allem wie es passiert ist und wie niemand wirklich unbeteiligt bleiben konnte. Die einen machen sich durch Schweigen und Wegschauen schuldig, die anderen durch Opportunismus, und insofern ist auch dieser Film nicht ohne Wert und Aufgabe und potentiellen Nutzen.
Aber das Gefühl, das alles schon ein paar Mal gesehen zu haben, und vor allem, schon ein paar Mal stärker beeindruckt worden zu sein, das bleibt. Und daran sind weder Brendan Gleeson noch Emma Thompson schuld. Denen kann man immer und immer wieder zuschauen. Bei allem.