Home Sennhausers Filmblog Home Sennhausers Filmblog
  • RSS abonnieren


  • Newsletter Radiomailing:

    Wenn Kontext auf SRF 2 Kultur ein Filmthema behandelt, erhalten Sie am Vorabend eine Email (max. 4 pro Monat):

  • Mailformular (mit Upload)

  • Schlagwörter

  • « | Home | »

    Cannes 16: CAFÉ SOCIETY von Woody Allen (Eröffnungsfilm)

    Von Michael Sennhauser | 11. Mai 2016 - 14:15

    Kristen Stewart und Jesse Eisenberg in 'Café Society' von Woody Allen © frenetic

    Kristen Stewart und Jesse Eisenberg in ‚Café Society‘ von Woody Allen © frenetic

    Woody Allens jüngster Film ist altersmilde, nostalgisch, zuweilen leicht komisch und jederzeit wunderschön gefilmt. Die bittersüsse Liebesgeschichte wird die Welt nicht erschüttern.

    Cannes_Balken_2016

    In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts kommt der junge Jude Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg) aus der New Yorker Bronx nach Hollywood zu seinem Onkel Phil (Steve Carell), einem erfolgreichen Schauspieler-Agenten.

    Steve Carell als Phil © frenetic

    Steve Carell als Phil © frenetic

    Phil lässt ihn erst mal tagelang im Vorzimmer warten. Das erinnert ein wenig an Barton Fink von den Coens. Und es gibt Woody Allen die Gelegenheit, eine doch recht komische Hotelzimmer-Begegnung zwischen dem linkischen Bobby und einem angehenden Callgirl bei seinem allerersten Einsatz zu inszenieren. Ein Einsatz, der natürlich vollkommen unschuldig bleibt, aber zu etlichen Kalauern Gelegenheit bietet, zumal sich auch noch herausstellt, dass die angebliche Candy (Anna Camp) ein jüdisches Mädchen ist. Diese Szene wirkt in sich wie Vintage-Allen und ist eigentlich ein Sketch.

    Kristen Stewart und Jesse Eisenberg

    Kristen Stewart und Jesse Eisenberg

    Dann aber fasst sich der Agent ein Herz, gibt seinem Neffen einen Job als persönlichen Laufburschen und seiner Assistentin Vonnie (Kristen Stewart) den Auftrag, dem Jungen Hollywood zu zeigen.

    Kristen Stewart © frenetic

    Kristen Stewart © frenetic

    Bobby verliebt sich Hals über Kopf in die aparte junge Dame, und er lässt auch nicht locker, als sie ihn warnt, sie habe einen Freund.

    Es gibt ein paar Überraschungen, vor allem für Bobby, aber ein wenig auch für das Publikum. Der Film ist eine doppelte Dreiecksgeschichte, einerseits um die komplizierte Liebe zwischen Bobby und Vonnie, die sich dann doch für den anderen entscheidet. Und anderseits zwischen Hollywood und Bobby, der sich schliesslich doch für New York entscheidet.

    Jesse Eisenberg und Kristen Stewart © frenetic

    Jesse Eisenberg und Kristen Stewart © frenetic

    Letztlich steckt dahinter Woody Allen selbst, mit seiner Liebe für das klassische Hollywoodkino der Periode und seiner Verbundenheit mit New York. Allen inszeniert sowohl Hollywood wie auch New York im Glamour-Stil der dreissiger Jahre, unterstützt von seinem langjährigen Ausstatter Santo Loquasto und den absolut hinreissend ausgeleuchteten Bildern von Vittorio Storaro.

    Jesse Eisenberg und Blake Lively © frenetic

    Jesse Eisenberg und Blake Lively © frenetic

    Die Hollywood-Bilder erinnern daran, wie sich Tinseltown selber inszeniert hat, und wie es sich in die Erinnerung einbrennt über endlos wiederholte Inszenierungen, zuletzt etwa wieder bei den Coen-Brüdern in Hail, Cesar!.

    Und New York zwischen Nachtclub, Gangstertum, jüdischer Familienküche und Reihenhäuschen ist auch noch nicht das New York von Martin Scorsese, sondern eher die Traumlandschaft eines Filmliebhabers, der sich sogar in den Gangsterfilmen jener Jahre heimischer fühlt als im hier und jetzt.

    Bei einer Begegnung in New York etliche Jahre später, Bobby ist mittlerweile verheiratet und Vater, gesteht er Vonnie im Central Park, dass er nie aufgehört habe, sie zu lieben. Und sie erklärt, dass sie immer wieder von ihm träume. Aber Träume sind Träume, sagt sie dann.

    Jesse Eisenberg

    Jesse Eisenberg

    Jesse Eisenberg spielt die Woody Allen Figur in diesem Film. Seine Sätze sind oft so geprägt von Allen Duktus, dass man den Filmemacher im Hintergrund mitmurmeln zu hören glaubt. Und tatsächlich ist auch Allen präsent, denn er hat sich entschlossen, den gesamten Films als Kommentator mit zu erzählen. Er habe das Gefühl gehabt, die Geschichte, die er hier erzähle, sei eigentlich ein Roman. Und er sei nun eben als Erzähler, als Autor präsent.

    Schwer zu sagen, ob das dem Film hilft oder nicht. Allen ist präsent, tönt aber hölzern, als ob er seinen Text tatsächlich einfach vorlesen würde. Und das wiederum erhöht den Kontrast zu Jesse Eisenberg, der zuweilen tönt, als ob er den frühen Woody Allen imitieren würde.

    Hinter jeder Entscheidung wartet eben die nächste. Und Träume bleiben Träume. Auch für einen grundsätzlich skeptischen Berufsträumer wie Woody Allen.

    Dafür sind sowohl Steve Carell wie auch Kristen Stewart hinreissend. Nicht zuletzt, weil eigentlich nur ihre beiden Rollen wirklich etwas zu spielen geben. Alle anderen Figuren, inklusive Eisenbergs Jesse, sind eher Teil des Dekors.

    Blake Lively © frenetic

    Blake Lively © frenetic

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kein Kommentar »

    Keine Kommentare »

    No comments yet.

    RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

    Leave a comment

    Simple Share Buttons