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    Cannes 16: JULIETA von Pedro Almodóvar (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 17. Mai 2016 - 17:16

    Emma Suárez ist die ältere Julieta © Pathé

    Emma Suárez ist die ältere Julieta © Pathé

    «Julieta, bist Du es wirklich? Ich habe deine Tochter getroffen, am Lago di Como…» die Jugendfreundin von Julietas Tochter Antía hat keine Ahnung, was sie auslöst, als sie Julieta in Madrid von dieser Begegnung erzählt.

    Cannes_Balken_2016

    Denn Julieta hat ihre Tochter seit Jahren nicht mehr gesehen, nichts von ihr gehört, seit diese kurz nach ihrem 18. Geburtstag die Mutter völlig überraschend verlassen und jeden Kontakt zu ihr abgebrochen hat.

    Emma Suárez © Pathé

    Emma Suárez © Pathé

    Verzweifelt zieht sich Julieta zurück in ihre alte Wohnung und beginnt, ihrer Tochter, von der sie nun zumindest weiss, dass sie noch lebt und offenbar drei Kinder hat, einen langen Brief zu schreiben – ohne die geringste Ahnung, wo sie den allenfalls hin schicken soll.

    Adriana Ugarte ist die jüngere Julieta © Pathé

    Adriana Ugarte ist die jüngere Julieta © Pathé

    «Ich will Dir erzählen, wie ich deinen Vater getroffen habe», schreibt sie, «er war ein Fremder in einem Zug…, Xoan sagte mir, er heisse Xoan. Und ich sagte, ich sei Julieta, er war Fischer und verheiratet mit Ana, die seit fünf Jahren im Koma lag.»

    Xoan (Daniel Grao) © Pathé

    Xoan (Daniel Grao) © Pathé

    Und damit beginnt Almodovar eine lange Rückblende … im Zentrum steht der Schmerz über den Tod Xuans auf dem Meer. Die Trauer bringt Mutter und Tochter einander nicht näher, er entfremdet sie über die Jahre, bis Antía verschwindet.

    Pedro Almodovars jüngster Film ist eine Rückkehr zur alten Form. Nach seiner Flugbegleiterkomödie und seinem schönen, aber kalten Thriller La piel que habito ist er nun wieder beim satten Melodram, mit all seinen grossartigen Farbpaletten, den starken Gefühlen und den umwerfenden Frauengesichtern.

    Das Drehbuch hat Almodóvar auf der Basis von drei Geschichten der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munroe geschrieben.

    Adriana Ugarte und Emma Suarez spielen die junge und die ältere Julieta, beide hinreissend, und die grossgewachsene Rossy de Palma, Stammschauspielerin bei Almodovar, ist fast nicht zu erkennen als strenge, ruppige Haushälterin im Haus von Xoan.

    Adriana Ugarte und Rossy De Palma © Pathé

    Adriana Ugarte und Rossy De Palma © Pathé

    Julieta ist ein Film, der im Gedächtnis bleibt, nicht nur wegen seiner Schönheit, sondern vor allem, weil er die eigenartige Ambivalenz in jeder Mutter-Tochter-Beziehung mit grosser Intensität spürbar macht, voller Schmerz und dann doch noch mit etwas Hoffnung.

    Ob sich Almodóvars Hoffnungen auf eine Palme in Cannes damit endlich erfüllen, bleibt allerdings noch ein paar Tage offen. Sein stärkstes Werk ist Julieta jedenfalls nicht. Aber er wäre nicht der erste Filmemacher, der in Cannes schliesslich für einen schwächeren Film und die Erinnerung an früher übergangene Meisterwerke geehrt würde.

    Julietta startet in den Deutschschweizer Kinos bereits am 19. Mai 2016

    Pedro Almodóvar mit Adriana Ugarte © Pathé

    Pedro Almodóvar mit Adriana Ugarte © Pathé

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kein Kommentar »

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