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    NIFFF 16: PARENTS (Forældre) von Christian Tafdrup

    Von Michael Sennhauser | 5. Juli 2016 - 17:10

    'Parents' © outsidethebox

    ‚Parents‘ © outsidethebox

    Nach dem Auszug ihres erwachsenen Sohns ziehen Vibeke und Kjeld in die Kopenhagener Dachwohnung, in der sie einst als glückliches junges Paar hausten. Der Nostalgietrip gelingt, über Nacht verwandeln sich die zwei in ihr jüngeres Ich von damals. Plötzlich sind sie so alt wie ihr Sohn. Aber der Traum von der wiedererlangten Jugend entpuppt sich als Albtraum.

    Viele der originellsten NIFFF-Filme der letzten Jahre kamen aus Skandinavien. Lass den Richtigen rein, zum Beispiel, oder Blind. Oft sind das raffinierte Genre-Variationen wie bei der Vampirgeschichte. Aber im Falle von Blind und nun eben auch Parents ist die Erzählanlage schon für sich einiges origineller.

    Wir kennen den Schauer, den uns der eigene Nostalgietrip über den Rücken jagen kann. Die alte LP von damals, die man plötzlich wieder in den Händen hält. Oder eine Fotografie, auf der man sich selber entgegenlächelt wie der junge Dorian Gray, im schaudernden Bewusstsein, man nun selber das Bildnis ist, gealtert und verändert.

    Parents 2

    Dabei spielt Christian Tafdrup diesen Schreckenstrumpf erst mal gar nicht aus. Zunächst schraubt er am  Abschiedsschmerz der Eltern, die ihren Sohn ziehen lassen müssen. Mit der Peinlichkeit, wenn der Vater in des Sohnes neuen Wohnung Gestelle anschraubt, die Mutter den Standort der Couch bestimmen möchte und der Sohn zwar schnell die Wäsche nach Hause bringt, aber dann gleich wieder mit der Freundin loszieht.

    Die Peinlichkeiten, die Verlorenheit der Eltern, die mit sich selber nichts anzufangen wissen, die verschwinden erst nach dem Umzug in das renovierte Dachappartement. Plötzlich schweben die zwei in ihren Reminiszenzen, kommen sich näher und näher.

    parents 3

    Als der Sohn dem Vater erklärt, seine Freundin habe ihn verlassen, ist dieser nur halb bei der Sache, weil er nebenbei mit seiner Frau via SMS flirtet. „Es kommt immer wieder ein neues Mädchen“, muntert er den Filius auf und geht nach Hause, um mit Vibeke Spaghetti zu kochen, wie früher.

    Aber dann kommt die körperliche Verjüngung und mit ihr zunächst die Freude über den alten neuen Körper und seine Möglichkeiten. Selbst der Auftritt bei der Wohungseinweihungsparty des Sohnes geniessen die Eltern quasi inkognito: Sie sind im Alter von Esbens Freunden.

    Aber dann kommt die Ernüchterung, zumindest für Kjeld. Mutter und Sohn sitzen angeregt redend im Treppenhaus und sehen natürlich gar nicht aus wie Mutter und Sohn. Bei Kjeld setzt die Eifersucht ein.

    Ab jetzt spielt der Film seinen Grundeinfall konsequent ins Dunkel. Kjeld versucht krampfhaft, die Dachwohnung „wie damals“ umzugestalten – was auf konsequente Verwüstung hinausläuft. Und da beginnt der Film denn auch an Eskil Vogts Blind zu erinnern, an den Moment, da wir als Zuschauer die Wohnung der blinden Frau nicht mehr mit ihren inneren Augen sehen, sondern so, wie sie sich wahrscheinlich in Wirklichkeit präsentiert.

    Parents hat ein paar kleine Längen, Redundanzen, welche wohl den weniger aufmerksamen Zuschauern geschuldet sind. Und der Film spielt mit einer einzigen Idee. Aber das mit einer bewundernswerten Konsequenz und Rücksichtslosigkeit.

    Das dürfte aktive wie mittlerweile eher passive Eltern ansprechen, aber eben so ihre Kinder ab einem bestimmten Alter. Denn das, was dieser Film perfekt beherrscht, ist der Trick, jede liebenswerte Schwäche, jede Sehnsucht erst anzuspielen und dann auszuspielen, über die erste Peinlichkeit hinaus an den Punkt, wo der Schmerz einsetzt.

    Und keiner kann sagen, das geht mich nichts an. Wer noch nicht da war, der (oder die) hat es noch vor sich. Parents geht nicht nur unter die Haut, der Film versöhnt auch auf radikale Art mit dem Älterwerden. Indem er den Jugendlichkeitswahn zum Wahnsinn erklärt.

    Parents ist im Verleih von outsidethebox, Kinostart noch nicht fixiert

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival | Kein Kommentar »

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