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    Locarno 16: OSTATNIA RODZINA von Jan P. Matuszyński (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 5. August 2016 - 14:00

    Andrzej Seweryn, Dawid Ogrodnik, Aleksandra Konieczna

    Andrzej Seweryn, Dawid Ogrodnik, Aleksandra Konieczna

    Die Beksińskis sind keine gewöhnliche polnische Familie. Oder vielleicht eben doch. Der Vater Zdzisław Beksiński ist Maler, bekannt für seinen Spät- bis Neosurrealismus. In den 1980er Jahren, als der Film einsetzt, ist er etwas über fünfzig.

    Pardobalken2016

    Am Ende des Films geht er auf die Neunzig zu. Und da spielt auch die allererste Szene, in welcher der Maler einem Bewunderer und Freund freimütig von seinen sadomasochistischen Phantasien erzählt, milde lächelnd und im Bewusstsein, dass er das alles höchstens in seinen Bildern ausgelebt hat.

    Und genau das wirft ihm dann irgendwann in den 1990er Jahren sein manisch-depressiver Sohn Tomasz vor: Er habe ihm als Kind keine Grenzen gesetzt, darum sei er vom Leben enttäuscht. Als DJ, Radiomacher, Spezialist für Britpop und Kinoübersetzer hat sich Tomasz eine Nische geschaffen, und einen Fankreis. Aus diesem tauchen auch hin und wieder Groupies auf, die ganz gerne Sex hätten mit dem manischen Jungen. Aber über partielles Ausziehen kommt er nie hinaus.

    Dawid Ogrodnik, Aleksandra Konieczna, Andrzej Seweryn

    Dawid Ogrodnik, Aleksandra Konieczna, Andrzej Seweryn

    Es ist Zofia Beksińska, die Mutter von Tomasz, welche als gute Katholikin die Familie zusammenhält und sich auch gleich noch um ihre Mutter und die Schwiegermutter kümmert, die beide ebenfalls im Familienhaushalt leben.

    Es ist eine einigermassen irre Familie, welche der vergleichsweise junge Regisseur Jan P. Matuszyński mit seinem Film nach dem Vorbild einer realen Familie nachzeichnet, über rund fünfundzwanzig Jahre hinweg.

    Allerdings stellt man bald fest, dass sich diese jede Norm sprengenden Beksińskis in ihren alltäglichen Wirrungen nicht so sehr von anderen Familien unterscheiden. Natürlich liegt es auch genau daran, dass einem der Film irgendwann mit Haut und Haaren gepackt hat, ein wenig nach dem Grundprinzip aller neuen Fernsehserien, der Etablierung einer virtuellen Familie voller ungewöhnlich faszinierender Mitglieder, die man bald nicht mehr missen möchte.

    Ostatnia rodzina (1)

    Gefilmt ist das mit jenem Vintage-Realismus, wie er vor allem das rumänische Kino der letzten Jahre geprägt hat, mit liebevollen Details von den Wohnblöcken über die Fotoapparate und schliesslich den Videokameras und am Ende Computer, welche vor allem Vater Zdzisław dauernd einsetzt.

    Dass einem der liebenswerte Freigeist Zdzisław mit seiner zuweilen rücksichtslosen Ehrlichkeit schneller ans Herz wächst, als sein ewig suizidgefährdeter Sohn, gehört zu den vielen kleinen Heimtücken, die dieser Film zu bieten hat.

    Wenn Du auf einem Boot sitzt, das seinem unabwendbaren Untergang zusteuert, findet Zdzisław einmal sinngemäss, dann ist es doch sinnvoller, auf dem bequemen Sessel zu sitzen, als auf dem Kaktus. Tomasz dagegen wählt fast immer den Kaktus.

    Ostatnia Rodzina ist beeindruckend selbstbewusst inszeniert und von den Darstellern auch hinsichtlich ihrer Figurenentwicklung und -Alterung grossartig gespielt.

    Jan P. Matuszynski

    Jan P. Matuszynski

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kein Kommentar »

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