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    Locarno 16: AL MA’ WAL KHODRA WAL WAJH EL HASSAN (Brooks, Meadows and Lovely Faces) von Yousry Nasrallah (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 7. August 2016 - 14:00

    Al mawal Khodra (6)

    Entweder steckt in dieser bollywoodmässig aufgeblasenen ägyptischen Dorfposse des 65jährigen Nasrallah eine Menge für uns unverständlicher politischer Sprengstoff. Oder aber die Auswahl dieses Films für den diesjährigen Wettbewerb von Locarno ist sein eigentliches Geheimnis.

    Pardobalken2016

    Die Geschichte zweier kochender Brüder, die zusammen mit ihrem Vater Hochzeitsgesellschaften und Trauerfeiern be-catern, spielt alle Irrungen und Wirrungen der Standardliebeskomödien durch. Der ältere Bruder ist seiner Cousine versprochen, liebt aber eine eben zurückgekehrte Witwe. Ein jüngerer Bruder ist Witwer, Frauenheld, und liebt eigentlich die Cousine.

    Al mawal Khodra (3)

    Die reiche Nachbarsfamilie will das Stammlokal und den Betrieb der Kochfamilie übernehmen, Drogenhändler zwingen den jungen Sänger, der heimlich mit der Schwester des Bösewichts verheiratet ist, auf dem Studiencampus Drogenkurier zu spielen.

    Al mawal Khodra (5)

    Angereichert ist das ganze mit freizügigen Gesängen, farbigen Kleidern, wogenden Busen unter viel Stoff und schmachtenden Blicken. Wenn es heftig zur Sache geht, wackelt der bereitgestellte Pudding auf dem Tisch.

    Al mawal Khodra (7)

    Man könnte vermuten, dass all die freizügigen Andeutungen und die offensichtliche Sinnenfreude des Films im zeitgenössischen Ägypten ein politisches Sprengpotential haben. Aber alles in allem ist das tatsächlich einfach ein zwei Stunden langes Bollywoodmusical mit einer kurzen, heftigen Gewalteruption gegen das Ende hin. Und einem handgemalt wirkenden CGI-Bienenschwarm, der in ein forciertes in ein Happy-End überleitet.

    Al mawal Khodra (12)

    Nun war auch Yousry Nasrallahs Cannes-Wettbewerbsbeitrag After the Battle (2012) nicht frei von den schmachtenden Konventionen des alten aegyptischen Kinos. Aber als Versuch, die Ereignisse rund um den Tahrir-Platz und Mubaraks zum Gegenschlag aufgehetzte «Volks»-Gruppen filmisch zu verarbeiten, war das einigermassen nachvollziehbar. Populäres Kino für die Aufklärung.

    Al mawal Khodra (10)

    Dieser Film aber wird seinem Titel gerecht. Flüsschen, Wiesen und liebreizende Gesichter werden versprochen. Und das alles steckt auch drin. Dazu Witz, Musik, amouröses Geplänkel und viel an Schauwerten.

    Al mawal Khodra (8)

    Vielleicht ist ist ja auch diese betont harmlose, irgendwie zeitlos-zeitgenössisch wirkende Dorfposse auch tatsächlich eine zynische Reaktion auf all das, was nicht mehr erzählt werden kann oder soll in Ägypten. Zumal der brutale Mord gegen den Schluss hin den Ton für kurze Zeit radikal verändert.

    Al mawal Khodra (4)

    Wie auch immer: Der Film ist ein zügiges, sattes, nahrungsreiches Sinnenspiel mit Musik, Männern und Frauen. Und wenn sonst nichts zu haben war aus Ägypten… warum denn auch nicht.

    Yousry Nasrallah

    Yousry Nasrallah

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kein Kommentar »

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