Die 100 Besten Filme
(Stand Januar 2017 für «Le Temps»)

Showdown zum Auftakt: ‚C’era una volta il West‘ von Sergio Leone

Kollege Stéphane Gobbo plant für die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» eine Liste der besten Filme nach Meinung der Schweizer Filmjournalistinnen und Filmjournalisten. Er hat daher alle Kolleginnen und Kollegen unseres Verbandes SVFJ angeschrieben. So habe ich mir diesen Sonntagmorgen meine Liste abgekämpft. Ein Vergnügen einerseits. Weil es gut tut, sich ein paar Stunden selber zu fragen, was einem eigentlich so bleibt in all den Jahren der Beschäftigung mit dem Kino. Und eine Qual, weil hundert Filme viel zu wenige sind, weil die Rangliste sich mit der Tagesstimmung ändert, weil jüngere Filme es schwerer haben, sich an den immer zahlreicheren Klassikern messen zu lassen.

Aber nun denn, hier sind meine Hundert. Für den Augenblick:

„Die 100 Besten Filme
(Stand Januar 2017 für «Le Temps»)“
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Filmpodcast Nr. 502: Solothurner Filmtage, Schweizer Oscar-Nominationen, Jackie

‚Ma vie de Courgette‘-Regisseur Claude Barras und Produzent Max Karli mit ihrem oscarnominierten Helden © Solothurner Filmtage

Diese Woche feiern wir den Schweizer Film. Wir freuen uns über die Schweizer Oscar-Nominationen und Michael Sennhauser schaut zurück auf die Solothurner Filmtage. Ausserdem gibts von Hannes Nüsseler eine Besprechung des Films Jackie von Pablo Larraín und von Brigitte Häring die fünf Kurztipps und eine Tonspur zum Erraten.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 502 (Rechtsklick für Download)


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Die Unverpassbaren, Woche 4 – 2017

Natalie Portman als ‚Jackie‘ Kennedy © Pathé Films

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Jackie von Pablo Larraín. Jackie Kennedy in den Stunden und Tagen nach dem Mord an ihrem Mann, zwischen Existenzangst, Entschlossenheit, Medienbewusstsein und Inszenierungswut. Ein beklemmend subjektiver, analytischer Film mit einer starken Natalie Portman.
  2. Personal Shopper von Olivier Assayas. Eine junge Amerikanerin in Paris zwischen Luxus und Jenseits. Kein grosser Film. Aber ein vielseitiges Vergnügen mit Chic, Schock und Stewart. Das kann sich sehen lassen.
  3. La La Land von Damien Chazelle. Eine grosse Verbeugung vor den Hollywood-Musicals der 50er Jahre, ein Traum in Cinemascope und Technicolor. Die Nostalgie ist immer da und spürbar, aber sie ist klug reflektiert und gebrochen.
  4. Forushande – The Salesman von Asghar Farhadi. Eine erschreckte Frau, ihr hilflos wütender Mann und das schleichende Misstrauen. Ein starker Film, der seiner transparenten Konstruktion zum Trotz in der Erinnerung noch stärker wird.
  5. Aquarius von Kleber Mendonça Filho. Gentrifizierung und Profitmaximierung und der Kampf einer starken Frau dagegen. Sehenswert dank der sensationellen Sonia Braga, mit 66 Jahren schöner und stärker denn je.

Im Filmpodcast morgen: Jackie, Schweizer Oscar-Nominationen, Timo von Gunten, Filmtage Solothurn.

SFT 17: MISÉRICORDE von Fulvio Bernasconi

‚Miséricorde‘ © outside the box

Der Kanada-Urlaub eines Schweizer Polizisten wird zur Jagd auf einen fahrerflüchtigen Trucker. Was nach Roadmovie klingt, ist tatsächlich eines. Und noch viel mehr.

Thomas Berger aus der Schweiz hat ein paar Wochen in Kanadas Wäldern Urlaub gemacht, schweigend gefischt mit dem pensionierten Polizisten, der ihm seinen Bungalow vermietet hat. „SFT 17: MISÉRICORDE von Fulvio Bernasconi“ weiterlesen

SFT 17: ZAUNKÖNIG – TAGEBUCH EINER FREUNDSCHAFT von Ivo Zen

Martin Felix © Vincafilm

Packend und rührend an diesem Dokumentarfilm ist seine Rekonstruktion der Jugend- und Freundschaftsjahre zwischen Filmemacher Ivo Zen, dem drogensüchtigen und mittlerweile verstorbenen Martin Felix und ihren anderen Freunden.

Der emotionale und inszenatorische Aufwand, den der Filmemacher betreibt, ist dabei beträchtlich. Im Zentrum stehen die minutiös geführten Tagebuch-Hefte des verstorbenen Freundes und der Versuch, seine und die eigene Wahrnehmung abzugleichen. „SFT 17: ZAUNKÖNIG – TAGEBUCH EINER FREUNDSCHAFT von Ivo Zen“ weiterlesen

SFT 17: MIRR von Mehdi Sahebi

‚MIRR‘ von Mehdi Sahebi © cinéma copain

„Mirr“ heisst offenbar „Feld“ auf Khmer Bunong. Es geht um die Felder, welche kambodschanischen Bauern von grossen Firmen weggenommen werden, um das Ende eines halb-sesshaften Agrarsystems, bei dem die Bauern mal da mal dort ein Feld bewirtschaften konnten. Bis eben, zum Beispiel, riesige Kautschuk-Plantagen das vorher weitgehend frei genutzte Land der Allgemeinheit entrissen.

Auf den ersten Blick ein Film und ein Thema, das wir kennen. Landenteignung bei Ureinwohnern, Elend, Alkoholismus. Den ethnographischen und den anthropologische Zugriff haben wir gesehen, die Aktivisten-Filme, die engagierten, involvierten, anwaltschaftlichen Dokumentarfilme. Aber Mehdi Sahebis Film bringt eine zweite Ebene ins Spiel, die viel stärker wirkt.  „SFT 17: MIRR von Mehdi Sahebi“ weiterlesen

SFT 17: ALMOST THERE von Jacqueline Zünd

‚Almost There‘ von Jacqueline Zünd © First Hand Films

Pensionär Bob aus Seattle kauft ein gebrauchtes Wohnmobil und bricht auf in die kalifornische Wüste. Dragqueen Steve tauscht das graue England ein gegen das sonnige Altersghetto Benidorm. Und der verkniffene japanische „Salaryman“ Yamada beginnt, Kindern Bilderbücher vorzulesen.

Drei Männer, drei Kontinente, drei ungewisse, aber wohl finale Lebensentwürfe: Jacqueline Zünds schöner, melancholischer Dokumentarfilm zeigt Aufbrüche, drei Menschen, die das sichere Verlöschen in Schach halten, indem sie noch einmal etwas komplett Neues wagen. „SFT 17: ALMOST THERE von Jacqueline Zünd“ weiterlesen

SFT 17: USGRÄCHNET GÄHWILERS
von Martin Guggisberg

Philippe Nauer, Ruth Schwegler in ‚Usgrächnet Gähwilers‘ © filmcoopi

Die Gähwilers kennen wir. Nettes Haus, SUV, FDP, und nun, als Krönung, die lokalpolitische Karriere für Ralph. Da darf natürlich nichts passieren vor den Wahlen. Saublöd, wenn der schwarz gärtnernde, untergetauchte Flüchtling Ngundu aus dem Sudan ausgerechnet bei den Gähwilers von der Leiter stürzt und sich mit der Motorsäge ins Bein schneidet.

Ralph will nicht, dass der Mann gesehen wird, schon gar nicht von den Nachbarn. Ngundu will unter keinen Umständen zum Arzt. Also wird er im Keller versteckt und der befreundete Veterinär gerufen. „SFT 17: USGRÄCHNET GÄHWILERS
von Martin Guggisberg“
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SFT 17: DER FROSCH von Jann Preuss

Liliane Amuat (Gina) und Urs Jucker (Jonas) © Vinca Film

Jonas (Urs Jucker) geht auf die Fünfzig zu. Seine Ehe ist gescheitert, den Schweizer Buchpreis hat er vor langer Zeit gewonnen (mit dem Reiseroman „Fucking Burma“), seine Depressionen hält er mit Psychopharmaka knapp in Schach, und sein Geld verdient er mit Schreibworkshops in der Clubschule. Bis dort die quirlige Gina (Liliane Amuat) mit ihren Sudelheften voller unbekümmerter Tagebucheinträge auftaucht.

Ein ausgebrannter, depressiver Schriftsteller, eine neue Verliebtheit und seine filmisch umgesetzten Tag- und Nachtträume: Ein Gerüst, das schon manche Tragikomödie über ihre eigenen Untiefen getragen hat. Der Klassiker des Genres ist Le magnifique mit Jean-Paul Belmondo, am bekanntesten die Romancing the Stone-Komödien mit Michael Douglas, Kathleen Turner und Danny DeVito in den Hauptrollen. „SFT 17: DER FROSCH von Jann Preuss“ weiterlesen

SFT 17: QUAND J’ETAIS CLOCLO
von Stefano Knuchel

Papa Knuchel am Ende. ‚Quand j’etais Cloclo‘ © outside the box

Zusammen seien sie 395 Jahre alt und hätten Alkoholismus, Gefängnis, Drogen, Betrügereien und Depressionen überlebt, sagt Stefano Knuchel von seiner Familie. Das Überleben verdanken sie der Mutter, die Katastrophen dem Vater. Das wäre das vordergründige Fazit dieses verspielten, charmanten Dokumentarfilms.

Bloss betont Knuchel, Moderator und Showman beim Tessiner Radio und Fernsehen RSI, immer wieder, wie wunderbar das Leben auf der Flucht gewesen sei. Wie glamourös die ersten Jahre in der Villa in Locarno Monti. Ein wenig zu oft. „SFT 17: QUAND J’ETAIS CLOCLO
von Stefano Knuchel“
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