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    SFT 17: ZAUNKÖNIG – TAGEBUCH EINER FREUNDSCHAFT von Ivo Zen

    Von Michael Sennhauser | 24. Januar 2017 - 15:03

    Martin Felix © Vincafilm

    Packend und rührend an diesem Dokumentarfilm ist seine Rekonstruktion der Jugend- und Freundschaftsjahre zwischen Filmemacher Ivo Zen, dem drogensüchtigen und mittlerweile verstorbenen Martin Felix und ihren anderen Freunden.

    Der emotionale und inszenatorische Aufwand, den der Filmemacher betreibt, ist dabei beträchtlich. Im Zentrum stehen die minutiös geführten Tagebuch-Hefte des verstorbenen Freundes und der Versuch, seine und die eigene Wahrnehmung abzugleichen.

    Aber Ivo Zen kann nicht nur auf die Tagebücher des Freundes zurückgreifen, sondern auch auf das Filmmaterial, das damals, in ihren wilden Zeiten, entstanden ist.

    © Vincafilm

    Ein surrealer, melancholischer, alles sprengender Film über einen traurigen Clown sollte das erste Opus magnum werden; gedreht wurde vor allem in Chur und Umgebung. Und Ivo Zen erinnert sich an die Probleme, die er schon damals hatte, seinen Freund diszipliniert ans Set zu bekommen.

    Martin und seiner Mutter © Vincafilm

    Der Filmemacher setzt sich, seine Freunde und unter anderem auch die Mutter des verstorbenen Freundes nicht nur den schmerzlichen Erinnerungen aus, sondern immer auch der Frage, was man hätte anders machen können, ob man allenfalls versagt hat.

    © Vincafilm

    Das führt zu emotionalen Szenen, die in der verschachtelten, multiperspektivischen Montage Höhe- wie auch Tiefpunkte darstellen. Ivo Zens eigene Überlegungen und Erinnerungen auf der Tonspur wechseln sich ab mit den Einträgen aus den Tagebuchheften, mal aus dem Off vorgelesen, dann wieder von den Menschen, die Zen besucht und mit den Einträgen konfrontiert.

    Das alles ist faszinierend vielfältig und offeriert manche Einblicke. Aber auch wenn der Film es schafft, im Zuschauer die eigenen Jugendzeiterinnerungen abzurufen, gelingt es ihm nicht, die Geschichte von Martin und seinen Freunden über ihre Zeit und den Ort hinaus zu heben.

    © Vincafilm

    Zaunkönig bleibt damit ein persönlicher Film, mit der zusätzlichen Einzigartigkeit eines Blicks nach Chur und ins Bündnerland. Aber er bleibt auch ein Film unter vielen, ein Rückblick in die 80er Jahre und die Drogensucht, die damals manche unter uns ereilte, ohne dass jedes Mal klar wurde, warum.

    Martin Felix © Vincafilm

    Anders als etwa Britta Wandaogos Film Nichts für die Ewigkeit, über ihren Bruder Dirk und seinen Tod, der in Deutschland zu einem heimlichen Klassiker geworden ist, und dauernd neue Generationen anspricht, bleibt Zaunkönig das, was der Titel ankündigt: Das Tagebuch einer Freundschaft, die mit dem Tod des Freundes und dem Ende der Jugend enden musste. Ein schöner, sorgfältiger kleiner Film, der mehr hätte sein können, wenn er eine stärkere Brücke in die Gegenwart gebaut hätte. Und ein paar bohrendere Fragen an die Vergangenheit gestellt.

    Kinostart Deutschschweiz: 2. Februar

    Ivo Zen © Vincafilm

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, CH Film, Dokumentarfilm, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für SFT 17: ZAUNKÖNIG – TAGEBUCH EINER FREUNDSCHAFT von Ivo Zen

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