Die Unverpassbaren, Woche 30 – 2017

‚Dunkirk‘ von Christopher Nolan © Warner Bros.

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. The Party von Sally Potter. Die britische Filmemacherin inszeniert in Schwarzweiss und schön giftig ihre eigene Generation in einem kompakten, unterhaltsamen Kammerspiel.
  2. Baby Driver von Edgar Wright. Ein Jukebox-Film, der die Autoverfolgungsjagden der 70er mit den Gangsterfilmen der 80er kombiniert, immer schön auf Musik geschnitten. La La Land mit Knarren und schnellen Autos. Hinreissend mitreissend.
  3. Dunkirk von Christopher Nolan. Kunstkino mit Blockbuster-Budget. Ein immersiver, raffinierter Trip in die grosse Hilflosigkeit am Strand von Dünkirchen. Schweisstreibend und beeindruckend, auch wenn noch schwer zu sagen ist, was davon bleiben könnte.
  4. The Beekeeper and his Son von Diedie Weng. Der alte Bienenzüchter im Norden Chinas und sein aus der Stadt zurückgekehrter Sohn. Ein Dokfilm mit Jeremias-Gotthelf-Echo und Gänsen.
  5. O Ornitólogo (The Ornithologist) von João Pedro Rodrigues. Simpel, packend, witzig. Eine Heiligenlegende als Survival-Thriller mit nackten Amazonen und vorsichtigen Chinesenmädchen.

Der Filmpodcast macht Sommerpause bis Ende August.

BABY DRIVER von Edgar Wright

Deborah (Lily James) und Baby (Ansel Elgort) © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Stellen Sie sich eine Version des Nostalgie-Musicals La La Land mit Banküberfällen und Autoverfolgungsjagden vor. Dann landen Sie bei Baby Driver, dem wohl ungewöhnlichsten und mitreissendsten Film dieses Sommers. Ich habe ihn am NIFFF gesehen und danach nicht mehr aufgehört, im Takt des Soundtracks mit meinen Füssen zu zucken.

Bamm! Bamm!
(«Bellbottoms» von The Jon Spencer Blues Explosion, 1994)

Baby ist ein junger Mann mit speziellen Fähigkeiten.

Bamm! Bamm!

Er fährt Autos. Präziser als jeder andere. „BABY DRIVER von Edgar Wright“ weiterlesen

THE PARTY von Sally Potter

Patricia Clarkson und Bruno Ganz in ‚The Party‘ von Sally Potter © filmcoopi

Eine Gruppe von Freundinnen und Freunden feiert die Ernennung einer der ihren zur Ministerin, bis die Party aus dem Ruder läuft. Eigentlich hat Janet zu einer kleinen Party geladen, um zu feiern, dass sie endlich ein Ministeramt ergattern konnte.

Und ja klar, das sei eine enorme Verantwortung, gurrt Janet ins Telefon. «Enorm!» äfft sie ihr Ehemann Bill im Wohnzimmer nach. „THE PARTY von Sally Potter“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 29 – 2017

‚The Beekeeper and his Son‘ von Diedie Weng © Vinca Film

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. The Beekeeper and his Son von Diedie Weng. Der alte Bienenzüchter im Norden Chinas und sein aus der Stadt zurückgekehrter Sohn. Ein Dokfilm mit Jeremias-Gotthelf-Echo und Gänsen.
  2. O Ornitólogo (The Ornithologist) von João Pedro Rodrigues. Simpel, packend, witzig. Eine Heiligenlegende als Survival-Thriller mit nackten Amazonen und vorsichtigen Chinesenmädchen.
  3. The Transfiguration von Michael O’Shea. Einer der smartesten und rührendsten modernen Vampirfilme überhaupt: Was tun gegen dieses Verlangen?
  4. La idea de un lago von Milagros Mumenthaler. Die Locarno-Gewinnerin von 2011 nimmt mit ihrem Zweitling die Suche nach Familie und Erinnerung wieder auf, tastend, vielfältig, verspielt und mit ein paar überraschend starken Momenten.
  5. The Beguiled von Sofia Coppola. Die Regisseurin stülpt die einstige Mädchenschule-Männerphantasie mit Clint Eastwood um in eine sehr weisse, sehr verführerische Frauenphantasie mit starken Darstellerinnen und viel «southern gothic».

Der Filmpodcast macht Sommerpause bis Ende August.

Abschied von George A. Romero

Wikimedia George Romero, 66ème Festival de Venise

Die auf absolut gedanken- und gefühlslosen Konsum ausgerichteten Zombies sind zur populärsten Gesellschaftsmetapher des 21. Jahrhunderts geworden. In unzähligen Filmen und erfolgreichen Serien wie «The Walking Dead» spiegeln sie unsere Gesellschaft, die sich selber nicht mehr erkennt. Gestern ist 77jährig George A. Romero gestorben, der Filmemacher, der die moderne Zombiefigur 1968 erfunden hat.

Hinter seiner riesigen schwarzen Hornbrille blitzen hellwache Augen, umspielt von hunderten von Lachfältchen. George Andrew Romero hat ein paar der furchterregendsten Horrorfilme des 20. Jahrhunderts gedreht. Aber an diesem Morgen vor zehn Jahren, am Ufer des Neuenburgersees am NIFFF, entpuppt er sich als fröhlicher und liebenswürdiger Menschenfreund. Er halte sich an ein Diktum von Horror-Autor Stephen King sagt er. Er habe keine Alpträume, weil er sie alle an uns weiter reiche. „Abschied von George A. Romero“ weiterlesen

Animation in Annecy, Ausgabe 2017

(Refrain im Lied des Sponsor-Trailers zu Beginn aller Vorstellungen)

Von Rolf Bächler

Wenn jemand meint, ein Festival, auch wenn es schon sehr gross ist, hätte Wachstums- oder Sättigungsgrenzen, so ist Annecy bestrebt, von Mal zu Mal das Gegenteil zu beweisen: Erweiterung der Anzahl und Definition der Kurzfilmwettbewerbe (will heissen unumgänglich für den Berichterstatter). Erhöhung der Zahl der Leinwände im Zentrum, von sechs auf acht (von insgesamt zwölf, plus vier unter freiem Himmel). Ausdehnung auch der Anwendungsbereiche des animierten Bilds: Neu zählen auch Virtual-Reality-Produktionen, die sich seiner bedienen, unter dem Etikett vr@annecy zur offiziellen Selektion. Ausserdem hat die Zahl der Akkreditierungen die symbolische Schwelle von 10‘000 überschritten. „Animation in Annecy, Ausgabe 2017“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 28 – 2017

Carla Crespo in ‚La idea de un lago‘ © Look now!

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. La idea de un lago von Milagros Mumenthaler. Die Locarno-Gewinnerin von 2011 nimmt mit ihrem Zweitling die Suche nach Familie und Erinnerung wieder auf, tastend, vielfältig, verspielt und mit ein paar überraschend starken Momenten.
  2. The Beguiled von Sofia Coppola. Die Regisseurin stülpt die einstige Mädchenschule-Männerphantasie mit Clint Eastwood um in eine sehr weisse, sehr verführerische Frauenphantasie mit starken Darstellerinnen und viel «southern gothic».
  3. Calabria von Pierre-François Sauter. Ein dokumentarisches Roadmovie im Leichenwagen, 1600 Kilometer auf der mit Lebensfreude gepflasterten Strasse von der Schweiz nach Italien.
  4. Gute Tage von Urs Graf. Der Zürcher Altmeister des feinen Dokumentarfilms besucht Künstlerfreundinnen und -Freunde, bei denen das Alter ebenfalls den Schaffensprozess verändert, behindert, aber auch weiterhin bereichert. Feinfühlig und berührend.
  5. Une vie von Stéphane Brizé. Das traurige Leben einer vereinsamenden adeligen Frau im 19. Jahrhundert. Brizé gelingt das Kunststück, aus dem Stück Weltliteratur einen tiefen, zugleich traurigen und hellen Film mit fast dokumentarischer Anmutung und einer atemberaubend guten Hauptdarstellerin zu machen.

Der Filmpodcast macht Sommerpause bis Ende August.

Die Unverpassbaren, Woche 27 – 2017

‚The Beguiled‘ von Sofia Coppola © UPI

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. The Beguiled von Sofia Coppola. Die Regisseurin stülpt die einstige Mädchenschule-Männerphantasie mit Clint Eastwood um in eine sehr weisse, sehr verführerische Frauenphantasie mit starken Darstellerinnen und viel «southern gothic».
  2. Calabria von Pierre-François Sauter. Ein dokumentarisches Roadmovie im Leichenwagen, 1600 Kilometer auf der mit Lebensfreude gepflasterten Strasse von der Schweiz nach Italien.
  3. Gute Tage von Urs Graf. Der Zürcher Altmeister des feinen Dokumentarfilms besucht Künstlerfreundinnen und -Freunde, bei denen das Alter ebenfalls den Schaffensprozess verändert, behindert, aber auch weiterhin bereichert. Feinfühlig und berührend.
  4. Une vie von Stéphane Brizé. Das traurige Leben einer vereinsamenden adeligen Frau im 19. Jahrhundert. Brizé gelingt das Kunststück, aus dem Stück Weltliteratur einen tiefen, zugleich traurigen und hellen Film mit fast dokumentarischer Anmutung und einer atemberaubend guten Hauptdarstellerin zu machen.
  5. L’Opera de Paris von Jean-Stéphane Bron. Der Regisseur und Opern-Neuling Bron steigt ab in die Katakomben der Pariser Oper – keine einzige Szene einer Aufführung zeigt er, aber ein schillerndes Porträt dieser und damit unserer eigenen verrückten Welt, aus der man am liebsten nie wieder auftaucht.

Der Filmpodcast macht Sommerpause bis Ende August.

NIFFF 17: DAVE MADE A MAZE von Bill Watterson

© Dave Made An LLC
Ein Maze ist ein Labyrinth, ein Irrgarten. Also ein Ort, in dem man sich verlieren kann, verirren. Genau das passiert dem Bastelfreak Dave, als seine Freundin Annie ein paar Tage weg ist. Er baut im Wohnzimmer aus leeren Kartons ein Labyrinth und findet dann nicht mehr heraus.

Als Annie nach Hause kommt, ist sie nicht sonderlich erstaunt über die Kartonburg im Wohnzimmer, sie kennt ihren Dave offensichtlich. Dass er aber aus dem Schachtelgebilde heraus behauptet, er fände den Weg hinaus nicht mehr, sie solle doch bitte seinen besten Freund anrufen, das macht die junge Frau dann doch stutzig.

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NIFFF 17: THE ENDLESS von Simon Benson und Aaron Moorhead

© AMP International

Das US-Independent-Duo Benson und Moorhead hat eine Meisterschaft darin entwickelt, mit Ultra Low Budget und in Genre-Nähe überraschende, packende und vor allem spannende Filme zu machen.

Mit Spring haben sie vor zwei Jahren hier am NIFFF eine berührende und spannende Variante von «Beauty as the Beast» gezeigt. Und nun kombinieren sie den Sekten-Film mit dem Zeitschleifen-Paradox, einmal mehr ausgesprochen souverän.

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