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    Locarno 17: DREI ZINNEN von Jan Zabeil (Piazza Grande)

    Von Michael Sennhauser | 4. August 2017 - 21:30

    Alexander Fehling, Bérénice Bejo, Arian Montgomery © xenix

    Die Drei Zinnen des Filmtitels sind Berggipfel in den italienischen Dolomiten. Irgendwo in der ersten Hälfte des Film hat Aaron (Alexander Fehling) eine Diskussion mit Tristan, dem achtjährigen Sohn seiner Freundin: Ist das nun ein Berg mit drei Gipfeln, oder sind es drei verschiedene Berge?

    Die Drei Zinnen, das sind auch die drei Figuren des Films. Aaron, seine Freundin Léa (Bérénice Bejo) und deren Sohn aus der vorherigen Beziehung, der kleine Tristan. Ob die drei separate, einsame Gipfel bilden, oder zusammen zu einem Berg werden, darum dreht sich Drei Zinnen – und dies zunehmend und überzeugend dramatisch.

    Alexander Fehling, Arian Montgomery © xenix

    Zabeil schickt seine drei Protagonisten nicht ohne Grund in die Abgeschiedenheit der zu einer komfortablen Ferienwohnung ausgebauten Alphütte. Der Film bekommt damit die Anlage zu einem huis-clos, das aber sofort auch wieder ausgeweitet wird.

    Einerseits durch die Bergwelt selbst, deren Weite mit dem hohen Himmel später auch wieder zur einschliessenden Bedrohung werden wird.

    Bérénice Bejo, Alexander Fehling © xenix

    Und andererseits durch die vierte Figur, den abwesenden britischen Vater von Tristan, der sich immer wieder auf dem Mobiltelefon seines Sohnes meldet.

    Tristan würde wohl liebend gerne diesen Aaron, der sich sehr um ihn bemüht, als neuen Papa akzeptieren. Und Aaron scheint sich das zu wünschen. Aber der echte Vater lässt seinen Sohn nicht los, sorgt mit seinen Anrufen wohl ungewollt für Konflikte beim Jungen, welche dieser mit teils spielerischem, teils durchaus aggressivem Kräftemessen mit Aaron zu kompensieren sucht.

    Alexander Fehling, Arian Montgomery © xenix

    Keine Hilfe, weder für den Sohn noch für ihren neuen Freund ist dabei die von Bérénice Bejo eher zurückgenommen gespielte Mutter des Jungen. Sie findet ganz klar, der Junge habe einen Vater, einen guten. Er brauche nicht noch einen.

    Alexander Fehling, Arian Montgomery © xenix

    Die Annäherung ihres Sohnes und ihres Freundes scheint auch sie in Konflikte zu stürzen, im Zweifelsfalls nimmt sie Partei für den Kleinen. Etwa als dieser am Morgen im Bett über die Mutter hinweg den schlafenden Aaron zu zupfen und stupsen beginnt, bis dieser aufwacht und verständlicherweise eher ungehalten und ein wenig laut reagiert.

    Alexander Fehling, Arian Montgomery © xenix

    Es sind in den ersten zwei Dritteln des Films vor allem die vielen sorgfältig beobachteten Momente, welche jedem und jeder bekannt vorkommen, der oder die mit zeitgenössischen Familienkonstellationen gelebt hat.

    Wenn sich dann die Dinge im Schatten der drei Zinnen im letzten Filmdrittel dramatisch zuspitzen, dann ist das gerade auch darum spannend und stimmig, weil der Film die ganze Vorarbeit geleistet hat.

    Und auch in Drei Zinnen gibt es diesen im deutschen Autorenkino wieder stärker zu beobachtenden unaufdringlichen Symbolismus (wie etwa in Freiheit von Jan Speckenbach). Da sind die drei Gipfel des Titels, der Vater als Stimme aus dem Off, der Junge im weissen Skianzug der auf einem Schneefeld kaum mehr zu sehen ist. Es gibt Abtauchen und Auftauchen im Schwimmbad und im Bergsee, ein von Aaron und Tristan gemeinsam bespieltes Harmonium in der Berghütte und etliches mehr.

    Drei Zinnen ist ein intimer Film vor majestätisch bedrohlicher Kulisse, ein feines, präzises Familienstück. Und zugleich – paradoxerweise – eine moderne Gegenthese zu den heroisch-bedrohlichen Bergfilmen des frühen Kinos.

    Regisseur Jan Zabeil © xenix

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 17: DREI ZINNEN von Jan Zabeil (Piazza Grande)

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