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    Locarno 17: GEMINI von Aaron Katz (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 5. August 2017 - 16:30

    Lola Kirke als Jill LeBeau in ‚Gemini‘ von Aaron Katz © Park Circus

    Die Assistentin eines Filmstars gerät unter Verdacht, ihre Arbeitgeberin erschossen zu haben. Sie färbt sich die Haare blond, taucht unter und beginnt ihre eigenen Recherchen.

    Ein Genrefilm über Oberflächen müsste zumindest etwas Tiefe erahnen lassen. Aber Aaron Katz wirft hier alles auf den Tisch, als ob schicke Autos, schöne Gesichter und vor allem teure Architektur ganz von selber etwas zu erzählen hätten.

    Alles in diesem Film erinnert an etwas anderes, besseres. Die Hauptdarstellerin Lola Kirke an Greta Gerwig (minus die Ausstrahlung), der Star Zoë Kravitz an Zoë Kravitz (minus die Ausstrahlung), der Plot und die Fahrten durch LA und Beverly Hills an David Cronenbergs Maps to the Stars (ohne das exzellente Handwerk) und die angedeuteten lesbischen Verwicklungen zwischen dem Star, einer Künstlerin und allenfalls der Hauptfigur ganz entfernt an David Lynchs Mullholland Drive.

    Zoë Kravitz als Heather und Lola Kirke als Jill LeBeau in ‚Gemini‘ von Aaron Katz © Park Circus

    Tesla und Mercedes stehen für teure Autos; teure Villen repräsentieren teure Villen und die Musik sosst mit 90er Jahre Retro-Sound über den platten Plot.

    Das wäre erträglicher, wenn nicht die elementarsten Regeln des modernen Krimis und der Realität ausser acht gelassen würden. Die Hauptfigur benutzt dauernd ihr eigenes Mobiltelefon und niemand bei der Polizei kommt auf die Idee, sie zu orten.

    Star Heather sorgt sich, dass der fiese Paparazzo sie und ihre Freundin durchs nächtliche Autofenster beim Kuss fotografiert haben könnte, weil sie in der Distanz einen Blitz (!) gesehen hat.

    Jill schleicht sich ins Hotelzimmer eines verdächtigen Freundes der Ermordeten, öffnet den Wandschrank, und die Kamera schwenkt schon nach unten, bevor die Darstellerin in die Knie geht. Überhaupt diese vorauseilenden Kamerabewegungen: Richtig eingesetzt können sie Spannung erzeugen, in diesem Film sorgen sie ein ums andere Mal für erfüllte Erwartungen.

    Die einzige amüsante Sequenz in diesem Film entsteht bei Jills Besuch bei dem Filmemacher, der seine fünfjährige Arbeit an einem Film in den Kamin schreiben kann, weil Hauptdarstellerin Heather beschlossen hat, doch nicht mit zu machen.

    Der Mann hätte mithin ein nachvollziehbares Mordmotiv und erläutert Jill minutiös, warum er gerade deswegen ganz sicher nicht der Mörder sein könne: Zu offensichtlich für ein Drehbuch.

    (Achtung: Spoiler ahead!)

    Dass der finale Twist des Films dann noch seinen Titel rechtfertigt, setzt dem Ganzen die vorhersehbare Krone auf.

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 17: GEMINI von Aaron Katz (Wettbewerb)

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