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    Venedig 17: FIRST REFORMED von Paul Schrader

    Von Brigitte Häring | 31. August 2017 - 20:18

    Ethan Hawke als Reverend Toller in ‚First Reformed‘ © Killer Films

    Der langjährige Drehbuchautor von Martin Scorsese erzählt die Geschichte eines reformierten Pfarrers, der sein ganz privates Leiden so lange herunterschluckt, bis er einerseits an Magenkrebs erkrankt und sich andererseits am Leid der Natur, des Planeten komplett aufreibt.

    Ethan Hawke spielt diesen Pfarrer und dessen innere Zerrissenheit mit einer Intensität, die nicht von ungefähr an den Taxifahrer Travis Bickle in Scorseses Taxi Driver erinnert.

    Das Drehbuch aus dem Jahr 1974 stammte ebenfalls aus der Feder von Paul Schrader und Hawkes Figur dieses Reverend Toller ist wie eine religiöse Auferstehung des Travis Bickle über 40 Jahre später.

    Neben Hawke ist Amanda Seyfried zu sehen, sie spielt die schwangere Frau eines Umweltaktivisten mit schweren Depressionen.

    Amanda Seyfried als Mary © Killer Films

    Der Anfang des Films erinnert stark an den mexikanischen Film Stellet Licht von Carlos Reygadas, wenn zum Filmtitel die Kirche «First Reformed», eine der ersten reformierten Kirchen des Landes, langsam im heller werdenden Tageslicht erscheint.

    Um die Kirche wird es heller, um den Reverend immer dunkler. Und so streng Reverend Toller mit sich ist, so karg ist sein Pfarrhaus und so formalistisch und schlicht sind auch die Filmbilder.

    Zusammen mit der sehr sparsamen Filmmusik einer Band namens «Lustmord» ist First Reformed ein Werk mit eigenartiger Kraft, die vor allem auch auf Worten beruht: Der Reverend schreibt Tagebuch, das man immer wieder im Off hört.

    Aber das Schreiben bringt keine Erlösung. Die reformierte Kirche kennt nicht die Erleichterung durch die Beichte. Das Wort ist streng und das Leid muss durchlebt werden. Bis zum Ende.

    Und die katholische Trösterin Mary – so heisst die schwangere Frau des Umweltaktivisten, Mary Mensana, (was grob übersetzt werden könnte mit «Maria mit gesundem Geist») – kann Toller nicht an sich heranlassen, und wenn er es endlich kann, dann ist auch das mit starkem Schmerz verbunden.

    Tollers Glaube ist streng, unerbittlich, leidvoll. First Reformed ist ein wunderbarer und gleichzeitig schockierender Film in seiner Strenge, seiner Konsequenz, seiner konsequenten Moralität – ohne dabei moralinsauer zu sein. Und sicher einer der spannendsten Beiträge zum Reformationsjahr.

    Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader © Killer Films

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Venedig 17: FIRST REFORMED von Paul Schrader

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