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    Venedig 17: THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI von Martin McDonagh

    Von Brigitte Häring | 5. September 2017 - 07:34

    © 20th Century Fox

    Was für Dialoge! Was für ein Drehbuch! Das hört man hier am Filmfestival Venedig die Kritikerkolleginnen- und -kollegen begeistert ausrufen, sobald die Sprache auf den Wettbewerbsbeitrag von Martin McDonagh (In Bruges) Three Billboards Outside Ebbing, Missouri kommt.

    Dass Dialogschreiben eine hohe Kunst ist, kann man in diesem Film wunderbar hören, wie wichtig ein gutes Drehbuch ist, sehen. Selten habe ich es erlebt, dass das Publikum so oft vergnügt oder eher verblüfft laut lacht, weil wieder eine Dialogzeile ins Schwarze trifft.

    Frances McDormand © 20 Century Fox

    Dabei ist das Setting des Films nicht unbedingt zum Lachen: Mildred Hayes (Frances McDormand) ist sehr wütend auf die Polizei der kleinen Stadt, in der sie lebt.

    Vor sieben Monaten ist ihre Tochter vergewaltigt und getötet worden, aber es gibt noch keine Ermittlungsergebnisse. Und so mietet die verbitterte Frau, die nie lächelt, drei grosse Plakatwände ausserhalb der Stadt und klagt darauf – schwarz auf rot – den örtlichen Polizeichef Bill Willoughby (Woody Harrelson) an. «Still No Arrests?» steht auf dem einen der Billboards. 5000 Dollar pro Monat ist ihr die Provokation wert.

    Frances McDormand © 20th Century Fox

    Der Polizeichef ist allerdings weniger erzürnt darüber (er hat andere Sorgen: Pankreaskrebs), als einer seiner Sergeants, Dixon (Sam Rockwell), der ein grosses, besser unzähmbares Wutproblem hat, noch bei seiner Mutter wohnt und auch nicht wirklich der Schlauste ist.

    Was nun beginnt, ist ein unerbittlicher Machtkampf zwischen der verbissenen, verletzten Mutter, der örtlichen Polizei und den erbosten Dorfbewohnern, die sich alle auf die Seite der Polizei stellen. Ausser einem, der anonym die zweite Monatsrate für die Plakatwände bezahlt.

    Woody Harrelson, Sam Rockwell © 20th Century Fox

    Der Film ist eine Demonstration, wie Wut noch mehr Wut gebiert. In Ebbing, Missouri werden in idyllischster Kulisse Kämpfe auf vielen Ebenen geführt, und dieser Film bindet sie alle ein in sein grossartiges Drehbuch und in seine noch grossartigere Dramaturgie: den Geschlechterkampf, den Mildred gegen diese männerdominierte Gesellschaft führt, die Vorurteile gegenüber allem, was in den Augen der Dorfbewohner, und vor allem auch bei der örtlichen Polizei, anders ist: Rassismus, Sexismus, Homophobie und die wortreiche Diskriminierung des klein gewachsenen James (grossartig: «Game of Thrones»-Star Peter Dinklage).

    Woody Harrelson, Frances McDormand © 20th Century Fox

    Polizeichef Willoughby ist da zwar eine Ausnahme, ein überlegter, kluger Mann, aber er sagt einmal: «Wenn ich alle Rassisten aus meinem Team schmeissen würde, blieben noch drei Homophobe übrig.»

    «Three Billboards…» ist eine zugespitzte Fabel über die Gesellschaft heute, nicht nur in Missouri, nicht nur in den USA, die sich so langsam zurückbewegt in eine Welt vor der Aufklärung. Und dennoch schlägt er immer wieder versöhnliche Töne an, weht ein Hauch von aufgeklärtem Humanismus durch den Film, um gleich wieder abgefackelt zu werden.

    © 20th Century Fox

    Dieser Film ist Unterhaltungskino der allerbesten Art, jeder Spruch, jede Szene, jede Wendung sitzt. Und jede Figur in diesem dörflichen Kaleidoskop ist einzigartig und originell gezeichnet. Immer nah an der Überzeichnung (wie auch manche Wendung, die die Handlung nimmt), dies dient aber immer nur der Handlung, der Geschichte, dem Tempo des Films.

    Man hat das Gefühl, niemand, aber auch gar niemand anders hätte diese Mildred Hayes spielen können als Frances McDormand. Und Sam Rockwell, als unsicherer, etwas dummer Möchtegern-Held Dixon mit Jähzornproblemen, ist eine Sensation.

    Man könnte als Fazit sagen, dieser Film ist eine Art Konzentrat dessen, an dem unsere Gesellschaft krankt: Wut erzeugt Wut, Vorurteile neue Vorurteile. All dies ist so furios und auch so witzig und pointiert erzählt, wie man es selten sieht im Kino. Und das will etwas heissen bei diesem hochkarätigen Wettbewerb am Filmfestival Venedig. Ein Löwe? Verdient wäre er, auch wenn (oder gerade weil) das so ein unglaublich gutes Unterhaltungskino aus Amerika ist.

    Schweizer Verleih: 20th Century Fox, Kinostart 18. Januar 2018

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Schauspieler/in | Kommentare deaktiviert für Venedig 17: THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI von Martin McDonagh

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